f4 nt. Etempel der Langmurh

UI.

Exempe! der Langmuch GOt-

tes an einer An. 1725. zu Bahlin-

gen verstorbenen Weibs- Person. (*)

(*) Man.theilet es mit, wie man es von wer- then Händen aus Bahlingen, einer Stadt dieses Hertzogthums, bekommen.

^> Weib (so geheissen Magdalena, eines ^ Nagel-Schmids Hausfrau,) ist ein rechtes Wunder der Gedult, Langmuth, und Barm- hertzigkeit GQttes gewesen. Sie wäre mit Schwehrmuth und Melancholey bey 4. Jahr von GOtt beleget gewesen, und ihrer gesunden Vernunfft fast gantz beraubt; in diesem elenden Zustand hat sie sich zu zehenmahlen selbst entlei­ben wollen und den Tod gesucht, der gütige Gott aber hat es nie zugeben, sondern diese arme Seele allzeit erhalten. Sie hatte aber allezeit vorher gebetten, und GOtt ihre Seele beföhlen, eheste etwas gethan.

r. Hat sie sich Ln ihrer Eltern Haus, von dem ober» Boden z. Stöck hoch herab gestürtzt, und es hat ihr nicht das geringste Leid oder Schaden gethan; sie hatte aber vorher auf ihren Knien gebetten: HErr! meinen Geist beseht ich dir rc.

2. Hat sie von den allerstarckst - vergifften Maus-Küchlein gegessen, und eS hat ihr nichts Man, oder geschadet.

9. Hat

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Anna Cücharina Stingm. 59 starcker Hitzen viel dazwischen pbanEet hat. Als sie aber Freytags von ihrem Beicht-Vatter nochmals besucht, und von ihm befraget wurde: wie es bey ihr stehe, ob sie noch nicht glaube, daß JEsus vor sie gestorben, sie erlöset Hab von allen ihren Sünden, und ob sie nicht hoffe durch ihn in den Himel zu kommen, und die Seeligkeitzu er­langen? da gab sie (ob sie schon vorher lang nicht reden können) mit vernehmlicher Stimme, und gutem Verstand zur Antwort: Ja ich hoffe ge­wiß stetig zu werden, und getröste mich einig und allein meines Heylandes JEsu Christi. Dar­auf sie gleich wieder pbamsliret, daßderBeicht- Vatter nichts mehr mit ihr reden können, son­dern mit den Anwesenden gebettet, darauf sie dann gantz still worden, und in solcher Stille ge­legen, biß fast zu ihrem Ende, da begehrte ste ihren Vatter, und sagte zu ihme: Vatter, jetzt ist mir wohl, jetzt habe ich alle meine Feinde über­wunden , jetzt bin ich vergnügt und der Gnade meines JEsu versichert. Diß war ihr letztes Wort, und legte sich daraufhin, war gantz still , und fchlieff bald darauf den 7. Aug. 17z;. ein, ohne einige Bewegung, gantz sanfft und stelig. Det HErr stye vor diese Gnade gepriesen !

Ich, der Editor, füge noch bey, daß sehr rechte schaffene Seelenin Bahlingen, welche aufihren Wandel untereinander und besonders derer An­fängen genaue Acht haben, ihro bey mir dasZeug- nus gegeben, daß die Seelige von der Zeit an, da sie sich GOtt ergeben, so viel Menschen urthei- len können, demselben beständig getreu verblie­ben seye. v.Exem-

5 8 IV. Buß-Rampff und letzte Stunden

einigen, es gehe hernach mit lhr zum Leben oder zum Tod. Da sie aber das H. Abendmahl em­pfangen hatte, und meynte nunmehro der Gna­de GOttes versichert und des ewigen Lebens ge­wiß zu styn, da gieng die Noch erst an, da wur­de sie erst in die Wüsten geführt (wie der liebe Heyland nach der Tauf) und vom Satan ver­sucht, da verbarg sich der liebe GOtt, und ver­schwand aller Trost , der Satan feyrete auch nicht, sondern machte ihr bißheriges Christen- thum zu lauter Heuchelei), es sey nie redlich bey ihr gewesen, brachte ihro ihr gantzes Sünden- Register auf ein neues vor, und machte auch aus den kleinsten Gebrechen lauter grosse Berge, dar- vor sie keine Gnade mehr sehen konnte, also daß sie auch gantzlich meynte, sie wäre von GOtt zur Höllen verstoffen , sie sagte es auch zu allen, die sie besuchten, sie wäre verdammt, sie käme nicht in Himmel, sondern in die Höll, Christus hätte sie nicht aus der Höllen erlöset, sie spühre es ja schon, daß die Höllen - Flammen aus ih­rem Hals schlügen, darüber dann die Welt - ge­sinnte Leute, die nichts von den Wegen GOttes wissen , sehr gelästert wider die Frommen und das Christenthum, man werde zuletzt zu Narren, man müßte nicht so grüblen, man komme zu tieff hineinrc.Jn diesem Zustand lag sie also vomSani- stag an, biß auf den Freytag, als den letzten Tag ihres Lebens, und wollte durchaus keinen Trost und Zuspruch annehmen, was man ihr auch vor­hielte; diß ist aber auch zu wissen, daß sie nicht immer ihren richtigen Verstand gehabt, sondern

wegen

GDcres an einer kOeibs-perssn. f $

3. Hat sie mit weiß Brod etliche grosse eiserne Nagel verschlungen.

4. Mit einem Scheermesser ihr selbst eine grosse Wunden in den Hals geschnitten, ist aber wie­der geheilet worden.

5. Hat sie sich in den allhiesigen Stadt-Bach bey der Nacht hingelegt, um sich selbst zu er- säuffen, darüber sie aber eine Angst bekommen, sie möchte verlohren werden, gieng deßwegen wie­der heraus, und legte sich in ihr Bette.

6. Wollte sie sich bey der Nacht in einen tief- fen Schöpff-Bronnen stürtzen, und da sie eben im Werck war, da wurde sie von jemanden ge­halten, daß sie es nicht thun können, sie aber sä­he niemand. Darüber gieng siewieder heim.

7. Hatte sie sich einmal im Winter, bey gros­ser Kälte, ausser ihrem Bette, auf den Boden hingelegt, gantz nackend, um zu erfrieren, sie blieb ligen, biß sie des Morgens ihr Mann also fand, lag also bey 6. Stunden. Sie hatte her­nach bekannt, je kälter es gewesen, je mehr Hitze sey von ihrem Leib ausgangen.

8. Hat sie sich selbst wollen durch Hunger tob­ten, hatte in 34. Tagen keine menschliche Speise gegessen, nichts als kalt Wasser getruncken, man man konnte sie auch nicht zum Essen bereden, biß sie endlich selbst gesehen , daß es ihr nichts thate, da hat sie auf Zuspruch ihres Beicht-Vat- ters wieder geeffen.

9. Hat sie dem Teufel einmal geruffen, er soll kommen und sie zerreiffen.

D 4

10. Hatte