fo II* Letzte Stunden

schöne Wort nicht hörte singen: Mach mir nur zucker - süß den Himmel, und Gallen - bitter diese Welt rc. So wäre auch in seinem Leiden die gröste Labsaal in Lesung und Singung geistlicher Lieder; wie er sich dann diese z. HErr JESU Christ wahr Mensch und GOtt rc. Ich habe Lust zu scheiden rc. und JESU hilff siegen rc. bestan- dig bey seinem herannahenden Ende vorzubetten und vorzusingen ausbate, welches letztere Ge­sang : JEsu hilff siegen rc. ihm auf sein Begeh­ren kaum eine Stunde vor seinem Tode vorge­sungen wurde, und als es an die Worte käme: Daß bey mir lebe des Geistes Verlangen, auf­wärts sich schwingend durch heiligen Trieb rc. £>! so erhebte sich nochmahlen sein zwar schwa­ches Hertz, und stimmte diese Worte mit grosser Hertzens-Rührung an. Und nach diesem wurde der seel. Verstorbene durch einen beständigen geistlichen Zuspruch unterhalten , sunge sowohl alle Buß - als auch Sterbens - Lieder unter den innigsten Geistes - Bezeugungen mit, sprä­che alle die ihm zu seinem Trost vorgesprochene Worte kräfftig und gantz verständig nach, und als ihm theils dieses schöne Gesätz: Schreib mei­nen Nahmen aufs beste rc. re. theils aber insbe­sondere diese unvergleichliche Worte:

Gedenck HERR an den theuren Eyd,

Den du hast selbst geschwohren:

So wahr du lebst in Ewigkeit,

Ich soll nicht seyn verlohren,

aus <Vst- Indien. 6 ;

in sein Gewissen drang, so sagte er: In meinem Hertzen habe ich dennoch einen vesten Glauben an GOtt und Christum. Ich antwortete ihm aus Jacobs, 20.Wilt du aber wissen, duei- ».teler Mensch, daß der Glaube ohne Wercke todt ,'sey?

3) Bey Pävränafam krassen wir in einem Ru­

he-Hause Bramaner - Weiber an, die nachii, rupaäl wallfahrten giengen , unter welchen eine sich den Mund mit einem Schloß verriegelt hat­te, so, daß durch bepde Backen ein Loch gemacht und durch dasselbe ein Eisen gesteckt war, dar­an das Schloß hieng. Solches trägt sie so lan­ge, bis sie zu ihre Buß-Ceremonien vol­

lendet hat. Indessen kan sie davor nicht ordent­lich essen , sondern behilfft sich nur mit etwas Milch und kleinen Früchten, die sie zum Munde bringen kan. Als ich andere mit zugegen (eyende Heyden fragte: zu was Ende sie das thate? so antworteten sie: Die Sünde m büssen. Darauf sagte ich: Wo entsteht zu erst alle Sünde, im Hertzen, oder in den Gliedern des Leibes? Sie antworteten: Im Hertzen. Folglich , sagte ich, müssen wir ja zuvorderst das Hertz zur wahren Reue zu bringen suchen; und zeigte ihnen darauf die rechte Art einer heylsamen Buffe. Einer un­ter ihnen begehrte hernach von mw noch weitern Unterricht, auch ein gedrucktes Büchlein.

4) Auf der Rückreise, als ich an einem Sonn­tage unterm Gehen dem bey mir habenden Kna­ben den Spruch aus Joh. z, 16.Also hat .'GOtt die Welt geliebet,,. u.s.f. erklarete, kam

ein

Ich

62 Einige erbauliche Nachrichten nen nun zum Schulmeister dienet, anderwärts hjngesimdt, eine unter denen Heyden neuange- legte Christliche Gemeinde zu besuchen. Nach seiner Zurückkunfft nun mußte er ihnen, (wie die Herrn Miflionarien solches löblich eingeführt,) ein Tag-Register von denen Verrichtungen seiner Reise verlegen , da dann dieser Indianer unter anderem folgendes darinn angemercket hat.

r.) Am achtzehnten Sonntage nach Trinitatis hielt ich mit unfern Sutirer- Christen in Tan- schaur eine Versammlung, und erklärete ihnen das Evangelium Matth. 22, 34-46. von der Liebe GOttes und des Nächsten; und verlas darauf den aus Teutschland an die Gemeine ge­schriebenen Brief, als ein Zeugniß der Liebe des Nächsten. Ein Römisch-Catholisches Weib aus Wallam hielt mir als einen grossen Mangel in unfern Gemeinen vor, daß sie das Ave Marian id)t hätten. Ich zeigte ihr darauf aus den Evangeli­sten, was es eigentlich damit für eine Bewanvt- niß habe, und wie der Zusatz, da der Sünder zur Fürbitte Mariä seine Zuflucht nimmt, wi­der die Apostolische Anweisung sey, i Joh.-, i. ,.Und ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bey dem Vater, JEsum Christ, der gerecht ist.

2.) Unter Weges traffen wir zu Xunalam den sonst zu unserer Gemeine gehörigen Marcus an, welcher sich um seiner Nahrung willen in allem den Heyden gleich stellet. Ich fragte ihn: Hast du wol gehöret von der Sünde wider den Heili­gen Geist? Antwort: Ja. Als ich nun ferner

in

Jo. Leid. Gmelins , Med, Uc. rc. 5 1

Ich soll nicht kommen ins Gericht,

Und den Tod ewig schmecken nicht,

Dein Heyl wollst du mir zeigen, vorgelesen worden: So wiederhohlte er sie mit Hertzens-Begier nochmahlen gegen seinem Gott, und ubergab gleichbalden darauf, ohne Rührung einiges Glieds, seine Seele seinem getreuen Vatter im Himmel, welches geschah den/.Oct. 1729. Abends ein Viertel nach 7. Uhr, nachde- me er die Pilgrimschafft seines Lebens gebracht hat auf 27. Jahr weniger 9. Wochen re.

co pis eines Valet- Brieffs/

Den der seelig Verstorbene 4. Tag vor seinem Ende noch mit eigener Hand an einen sei­ner Bluts - Verwandten nach Tübingen geschrieben.

Gelichter Herr Vetter!

^pS ist nunmehro an deme, daß der liebe Gott ^ mir armen Sünder, nach seiner unerforsch- lichen Weisheit und Liebe, solche grosse Gnade ertheilen will, mich von dieser zerbrechlichen Hüt­ten, oder Leibe der Sünden zu erledigen, und, wie ich dessen in meinem theuren Heyland versi­chert bin, zu seinen ewigen Gnaden auf- und an­zunehmen. Ach mein geliebter Herr Vetter! wie ist die Barmhertzigkeit und die Versöhnung des HErrn auch so groß gegen mir Armen! ja wie bin ich, als der fürnehmste Sünder, solcher D 2 grossen