sr n. Letzte Stunden

grossen Güte und Langmuth, und zwar als höchst unverdient theilhafftig worden? Deßwegenmem geliebter Herr Vetter, da die Zeit meines Ab­scheidens vorhanden, da auch mein lieber GOtt nicht gewolt, daß ich verlohren werde, sondern mich noch bey Zeiten zur Erkänntniß meines Elen­des , und Ergreiffung des ewigen Verdienstes Christi kommen lassen: Ach sodancke er mit mir forderist meinem lieben GOtt für solche unaus­sprechliche Gnade, die nur will, daß ich lebe^ und nicht in meinen Sünden dahin sterbe, und den ewigen Tod leiden müsse; sondern mir die tröstliche Versicherung aller Vergebung meiner Sünden, und gnädige Versöhnung mit GOtt gibt; ach l so lobe er meinen lieben GOtt mit mir, nehme ein klägliches, und dennoch freudi­ges Beyspiel an mir,verzeyhe mir meineSchwach- heiten und Aergernüffen, so ihm etwa von mir geschehen oder angethan worden, lasse ihm auch dieses mein Exempel zu einer gottfteligen Erwe­ckung , daß auch die Gnaden-Stimme bey ihm anklopffe, dienen. Nnn, mein geliebter Herr Vetter, dieses ist ohne Zweiffel das letzte, was hier meine schon halb-erstorbene Hand an ihn ab­gehen läßt, ach! so ist auch dieses noch mein letz­ter Seufftzer an ihn, und vor desselben Wohl, daß die Barmhertzigkeit und Himmel- breite Güte GOttes , ihm dasjenige Gute, so mir von ihm bescheeret worden, mit tausend anderem Seegen ersetzen, und ihn auch gleichfalls führen wolle, daß er als der 9te Friderich (*) auch jenen ewi­gen und stoltzen Frieden, und Ruhe, mit seinem

nun-

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VI.

Einige erbauliche Nachrichten

von denen neu - bekehrten Heyden

in Ost -Indien.

diesem !79Z.Jahr ist in Halle die 92. Con- *3 tinuadon des Berichts der Königlich Däni­schen Miffionarien in Indien heraus gekommen, worinnen eine ausführliche Nachricht von der gantzen Verfassung der Miffion . wie auch die Fortsetzung des Tage-Registers vom Jahr 1791. einige Brieffe derer Herren MiKionatten und ein Anhang von der Evangelischen Miffion zu Mad­ras enthalten ist. Wir theilen aus derselbigen fol­gendes unserem Absehen gemäßes mit, um da­durch etwa ein und andere zu bewegen , sowohl den lieben GOtt ernstlich erbitten zu helffen, daß er das in denen bereits Bekehrten angefangene gute Werck herrlich hinaus führen und dem Evangelio von JEsu Christo unter diesen armen Leuten noch ferners und eine immer grössere Thü- re eröffnen wolle, biß endlich die gantze Fülle der Heyden herbey gebracht werde, als auch daß die, so es lesen und denen GOtt einen Seegen von zeitlichen Gütern anvertrauet hat, dadurch mögen erwecket werden, von demselben etwas zu Beförderung dieses heilsamen Werckes beyzusteu- ren und also, so viel an ihnen ist, an der Bekeh­rung der Heyden mit Theil zu nehmen.

Die Herrn Miffionarien hatten nach p. 9^7. einen bekehrten Hcydnischen Malabaren, so ih­nen

64 Einige erbauliche Nachrichten ein Braman hinter uns her, und hörete, was wir mit einander redeten. Weil er auf der See- Küste bekannt war, so hatte er gleich gemuth- maffet, wir würden Christen seyn ; fragte uns auch endlich deßwegen. Ich sagte: Ja, wir sind Christen, und weil heute unser heiliger Tag ist, an welchem wir mit göttlichen Dingen um­gehen, wir seyn zu Hause, oder auf Reisen, so erkläre ich diesem Knaben einen Spruch aus GOttes Wort. Darauf ließ er sich mit mir ins Gespräch ein , in welchem ich ihm die Ord­nung des Heyls kund zu machen Gelegenheit hatte.

940. wird von einem den s.Nov.i7Zi. zu Tranckenbar verstorbenen bekehrten Heyden fol­gendes berichtet: Als es vor zwey Tagen in der Nacht mit ihm sehr schlecht geworden , bedau- rete er, daß ihn der Mefficus , seinem Verspre­chen nach, deshalb nicht vorher gewarnet, da­mit er uns noch zu sich ruffen könne, das Heil. Abendmahl zu empfangen, und die Seinigen uns anzubefehlen. Nachdem er aber doch die Nacht überlebet, und man ihm auf sein Begeh­ren das Heil.S'acrament ausspendete, bezeugte er eine grosse Reue darüber, daß er in der vorigen Zeit nicht recht ernstlich nach dem Reich GOttes getrachtet, sondern noch ^lapalam, das ist, die Welt-Begierde bey sich geheget; da ihn denn GOtt zwar öffters mit schwerer Kranckheit heim- gesuchet; weil aber GOtt vielleicht gesehen, daß er noch nicht der Seeligkeit würdig wäre, so hätte er ihn nicht so unbereitet aus der Zeit in

Io. Lrid. Gmelms / Med. Lic , u. 49 er, weilen weltliche Lieder letztens untermischet gewesen, seine Ohren verstopffet. Als der seel. Verstorbene zwey Tag vor seinem End von sei­nem Beicht-Vatter nochmalen besuchetwurde, und derselbige ihn wegen seiner langwierigen Kranckheit und dessen Ende, welches er mit der grösten Gelassenheit, und mit hertzlicher Begierde, seinen GOtt doch bald zu schauen , erwartete, auf den Willen GOttes verwiese, welchem er sich in Gedult gantz aufopffern und übergeben solle, so antwortete er, wie er nicht sollte seinem GOttgedultig aushalten, da er sich diese Kranck­heit selbsten zugezogen ?

Letztens war auch der Abschied des seel.Verstor- benen von seinem im Alter nachfolgenden Bru- derMagiKer beweglich,indeme nach vorhero beeder- seits ergangener Vergebung ihrer gegen sich un­tereinander gethanen Sünden, auch hertzlicher Dancksagung für alle genossene Liebe und brüder­liche Treue, derselbige von Seiten seines Bru­ders Mag. also beschlossen: der HERR JEsus seegne dich; so wäre alsbalden dieses des seel. Verstorbenen Gegen - Antwort: Der HErr JE­sus regiere dich. Als er einmahl in der Nacht erwachte, so ruffte er seiner Frau Mutter zu: Ob sie doch dieses schöne Gesetz ; Ihr Höllen- Geister packet euch, ihr habt hier nichts zu schaf­fen , diß Haus gehört in JEsu Reich, laßt es gantz sicher schlaffen rc.rc. mcht hätte singen hören, und als selbige mit Nein geantwortet, so schlieff er zwar wieder ein, erwachte aber in kurtzemgleich wieder, und fragte siesehnlichst: ob siedoch diese D schöne