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34 II* Letzte Stunden

Candidatus Mortis in limitibns Mortis, wer weiß

auf wie wenig Stund oder Tag noch stehe; So habe bey solchen Umständen meines gewiß anna­henden , ob gleich GOtt allein bekannten Augen­blicks des Todes forderist, ehe noch meiner natür­lichen Sinnen und Verstandes beraubt werden möchte, noch etwas , so gut als es mein Hertz und Sinnen in meiner Seelen-Angst und Lei­bes-Schwachheit zulassen wollen, einem andern in die Feder diLiren wollen, sowohl gegen dem Dreyeinigen GOtt meine bußfertige Bekannt­nuß wegen meines sündlich geführten Lebens, nebst dem schuldigsten Danck vor die mirgrösten Sünder wiederfahrene Barmhertzigkeit, als auch gegen meinen kindlich zu ehrenden und hertzlich geliebten Eltern und Geschwistrigen die treu-ge­horsamste und brüderliche Liebes - Pflicht zu ei­nem bußfertigen, tröstlichen und danckbaren Seegens-Angedencken schrifftlich zu hinterlaffen.

Vor allem dancke ich demüthigst dir, meinem lieben GOtt und himmlischen Vatter, daß du mich nicht nur in diese elende Welt hast wollen lassen gebohren werden , sondern auch durch die heilige Tauff in einen Gnaden - Bund ausge­nommen , und dadurch deiner Kindschafft mich versichert hast. Wie ich nun mich in meinen ersteren Jahren durch deines heiligen Geistes Lei­tungen führen lassen, und als ein Kind deinem Millen und Gebotten gefolget: so bekenne hin­gegen mit zerknirschtem Geist, daß ich mich in meiner Jugend - Zeit leyder! durch des Teuffels Trug und List, durch mein eigen Fleisch und

Blut,

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GOtt gefällige Buffe seye, mit bezeugtem Heil. Abscheu gegen alle von ihm ausgeübte Boßheit^ besonders aber seine Jugend-Sunden, und such­te sich allein diesen wahren Trost-Spruch zu ei­gen zu machen , es seye gewißlich wahr, daß JEsus Christus kommen seye, alle Sünder see- lig zu machen, unter welchen er auch der Vor­nehmste seye, und darum hoffe er auch, daß ihm Barmhertzigkeit wiederfahren werde rc. Und in solcher freudigen Zuversicht empfienge er gleich darauf, als den iL. Sept. mit inbrünstiger An­dacht das Hochwürdige Heil. Abendmahl, so das letztemayl in diesem seinem Leben gewesen; anbey wäre dis sein fürnehmstes Verlangen, daß seine Seele durch das blutige Verdienst ih­res Heylandes JEsu Christi mit ihrem GOtt beständig versöhnet, und die Handschrifft, so wider sie war , aus dem Mittel vollkommen ausgetilget bleiben möge.

Erfaßte auch in solchem zuversichtlichen Glau­ben seine Seele beständig, suchte seine Erqui­ckungen allein aus dem lebendigen Wort GOtt tes, und aus dem ihme vergnüglichen Zuspruch, sowohl seines Beichtt Vatters, als auch anderer Herren Geistlichen. Nähme denselben begierig an, es möchte gleich solcher aus dem Gesetz, oder aus dem Evangelio hergeleitet, und er zu einer wahren Erkänntnüß, und Bereuung seiner Sün­den, oder aber zu einer hertzlichen Freudigkeit in seinem Heyland angemahnet worden seyn; wie denn, da ihm sein Beicht-Vatter die Grösse und Schwehre seiner Sünden und die darauf

gesetzte

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Beständig bleibt im Glauben,

Wir werd'n in kurtzer Zeit,

Einander wieder schauen,

Dort in der Ewigkeit.

Biß daher seine eigene Worte.

Aus diesemwird man von selbsten ersehen, wie herrlich die Barmhertzigkeit und Gnade GOttes sich in der Seele unsers seel. Verstorbenen Herrn Ucent. geaussert, und wie treulich diese ihn durch die ihme zugeschickte tödtliche Kranckheit zu sich zu ziehen gesucht habe. Dann , nachdeme es dem Allerhöchsten nach feinem unerforschlichen Rath und Willen gefallen, unfern seel. verstor­benen Herrn Ucent. mit einem auszehrenden Schwind-Fieber, vor ohngefehr einem halben Jahr, heimzusuchen, so bestrebte sich sein Hertz in einer wahren und ungeheuchelten Büßfertig­keit, feinen HErrn JEsum zu suchen, und sich zur seeligen Ewigkeit vorzubereiten. In solchem Ab­sehen , und zu solchem Ende, hielte er manche ernstliche Unterredung mit seinem Beicht-Vat- 1er, theils von dem verderbten Zustand semer Seelen, ob etwa selbige auch noch einiger Vro- samlein der Güte, Gnade, und Barmhertzigkeit GOttes, genieffen zu dörffen sich versichert hal­ten könne; theils aber auch, und insonderheit, da er aufeine rechtschaffene und aufrichtige Hertzens- Buffe und zuversichtlichen Glauben von ihm ge­wiesen worben, von denjenigen Kennzeichen, woran er erkennen möge, daß seine Busse nicht eine heuchlerische Buffe, sondern wahre, und

Io.Lrid.Gmelins/ Med.Lic . re. 3;

Blut, durch der Welt Verführungen , und durch die allergottloftsten Compagnien, deren meistens ich theils selber aufgesucht, theils aber auch unschuldig unter sie gerathen, habe von^dir, meinem wahren und gantz treuesten Wohlthäter, verleiten, verfuhren, und also in die Stricke des Teuffels fangen lassen. In dessen Fesseln ich alsdann willig, und ohne an meinen Schöpffer zu gedencken, biß auf diese Zeit gewandelt, und in die allergreulichste Sünden mich hinein be­geben.

Gleichwie ich nun, dir GOtt Vatter, die em­pfindlichste Seelen - Abbittung auf den Knien hiermit darlege, so thue ich solches nicht weni­ger gegen dir, meinem theuresten Erlöser und Seeligmacher HErrn JEsu, nachdemeich nach meiner Widergeburt bey mehreren Jahren mich in den Pfuhl der Sünden beständig hineinge- wältzet, und hierdurch das Bildnüß GOttes von selbsten ausgezogen, und es im Koth der Sün­den mit Füssen getretten habe.

Jemehr ich aber dessentwegen mich selbsten vergangen und unglückseelig gemacht, je mebr habe ich dir, mein HErr JEsu, unendlichen Danck zu sagen, daß du, ohnerachtet der Ver­spottung und Verspcyung deines heiligen Ange­sichts , wie auch der Verachtung deines Gna­den-Bundes, da ich mich als ein Schwein ge- wältzet , dannoch aus unendlicher Liebe und Barmhertzigkeit gegen das sündliche Menschen- Geschlecht, durch deinen schmertzlichen Tod und Pein, Matter, Qual, Wunden, uns doch mit C - deinem