%% I. Letzte Stunden

tzagke er vor GOtt die Sünden seiner Jugend mit der gröstenWehmuth, und flehte mit solcher ^nbrünstigkeit um Gnade und Varmhertzigkeit von wegen JEsu Christi, daß sein im Ncben- Zimmer ruhender Herr Bruder, der noch lebende Hof-^e6»cu». dadurch aufgeweckt, und zu inni­ger Mitbewegung des Hertzens, und eyfferiger Fürbitte für seinen göttlich - betrübten, und nach der Varmhertzigkeit GOttes schreyenden Bru­der veranlasset wurde. Nachgehends suchte er mit seiner damahls noch lebenden Frau Mutter und gegenwärtigen Geschwistrigen Christlich zu lebem-und bathe sonderlich seiner liebenFrau Mut­ter, auch mit vielfältigemHand-küssen und drü­cken, alles dasjenige, wodurch er ihnen die ge­ringste Betrübnus verursachet habe, demüthig ab, mit dem Geloben, daß, wo er noch länger zu leben Zeit haben würde, er solche im H. Ge­horsam gegen GOtt und seiner Frau Mutter durch GOttes Gnad zubringen wollte. Ein be­sonderes Verlangen aber trug er mit seinem Hrn. Beicht-Vatter zu reden, nicht sowohl einen früh­zeitigen Trost, wie sonsten auch unbußfertige Krancke und Sterbende, zu suchen, sondern ihm sein böses Hertz allererst aufzudecken, und dann ob? und wie er seine Seele noch aus dem Ver­derbenretten könnte? sich von ihm zu erkundigen Als dieser nun ihn nicht nur ein- sondern mehr­mahlen besuchte, bekannte ihm dieser geängstete Patient gleich Anfangs mit aller Redlichkeit un­ter grosser Bewegung seines Hertzens, wie sein bißheriges Chrisienthum bey noch ziemlich ausser-

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Io. Fn'd. Gmelins / /. U. c. 27 mm GOTT, daß er Gedult mit mir gettagen, und mich nicht in meinen Sünden unversehens weggerissen, sondern mich zur Erkanntnus der­selben und zur Versicherung seiner Gnade hat ge­langen lassen. Er fienge endlich an mit grosser ?srrbc6e und Freudigkeit von sechsten, da er vor- hero stille wäre, auszuruffen: Soll ich noch mehr, O JEsu! um deinetwillen leyden, so steh mir, HERR! mit deiner Krafft zur Seiten: fein ritterlich, beständiglich, hilff mir meine Wi­dersacher all bestreiten. Und JEsus erhörte ihn auch in dieser Bitte, und halff ihm nicht nur streitten, sondern auch nach selbst gethaner An­zeige in einer Stund darauf bey völligem Ver­stände , alles Übel dieser Zeit durch einen gantz gläubigen, sanfften und seeligen Todt überwinden und enden, als er unter GOttes Barmhertzig- keit und Gedult in diesem Leben 28. Jahr 8. Mo, nath und 11. Tage gelebet hatte. Wie nun dir Dreyeiniger GOtt! aller Ruhm gebühret, daß du nicht nur vor 15. Jahren dieses Exempel deö ner unendlichen Varmhertzigkeit gestifftet, son­dern auch derselben Angedencken an einem Verwandten nach dem Fleisch noch lange hernach so geseegnet hast , daß er noch ein Ge­fäß deiner Varmhertzigkeit dir zu Ehren aus sich machen lassen : so wollest du nach der redlichen Absicht mit der Publication dieser 2. Erempeln durch denDruck, einen solchen Eindruck in de­nen Gemächern, die sie lesen oder hören, wür­den, daß nicht nur die, so schon Varmhertzigkeit überkommen haben, dich hertzlich davor loben,

sondern