28 I. Letzte Stunden

sondern daß auch andere, es seyen nun offenbar! gottlose, oder bloß bürgerlich-ehrbare, oder ar­me zurückgefallene, oder auch noch allzublöde Seelen an diese Barmhertzigkeit , die denen 2. nebst vielen hundert Lausenden wiederfahren, al­so glauben mögen , daß sie diefelbige noch zu rechter Zeit mit geangstigtem und aufrichtigen Hertzen suchen, mit guter Zuversicht ergreiffen , und ewig ewig mit Freuden gemessen können. Ja HErr unser GOtt! deine Barmhertzigkeit preise und erhebe sich also wider das Gericht, das wir schon viel Lausendmahl verdienet haben, auf daß wir ewig rühmen können, daß dein Hertz gütig sey, Amen.

Antworten/ wte sie dem stet.Verstorbe­nen auf obige seine an den Herrn Beicht-Vat- ter erlassene vier wichtige und bedenckliche Fra­gen gegeben worden.

Auf die I. Frag.

* I.) Hier ward der zugleich leibliche und geistli­che Patient 1.) auf Röm. s. v. 1 s. 16.17-. 18. 19. gewiesen, dergleichen hier vorkommende Stellen aufzuschlagen, ernstliche Seelen nicht werden ermahnet werden dörffen , 2.) auf die allgemeine Göttliche Gnaden-Ordnung, nach welcher allein eine beharrliche Widerspenstig­keit den Nachdruck Göttlicher Barmhertzigkeit aufhalte; dahingegen ausser dem Fall eines widerspenstigen anhaltenden Bezeugens, die Gnade GOttes allgemein wäre, und diese all­gemeine Gnade ihren ansehnlichen Sieg über

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hernach von der Frau varonnin von Hund zum Hof-Meister Ihrer jungen Herren vociret, biß er endlich von erstgemeldtem Herrn vonlumplin§ die Commißlon bekommen, einige wichtige An­gelegenheiten in Würtemberg in seinem Namen zu besorgen. Durch diese erwünschte Gelegen­heit wurde er wieder zu den lieben Seinigen ge­brach^, welche lhn persuaclirt, daß er lieber die auswärtig - angetragene Stelle ausschlagen, und unter der Vorsorge GOttes in dem Vatterland oine anständige erwarten sollte. Da er nun die­sem Rath gefolget, und es, wiewohl schwehrer und langsamer als man gehofft, mit einer gewis­sen Bedienstung endlich richtig werden wollte, kam GOtt nach seiner Barmhertzigkeit mit ei­ner unvermuteten Kranckheit darzwischen, und zeigte, daß er ihn nicht hier auf Erden, sondern im Himmel nächstens aufs beste ewig versorgen wollte. Dann obwohl die Kranckheit nur mit Kopff-Weh, Mattigkeit, und innerlicher Hitze anfieng, schlug sie doch bald in eine gefährliche Vv 5 enrerie und hitziges Brand-Fieber aus, wel­ches am 9ten Tag bey allen gebrauchten Mitteln so cleZcnerrrte, daß man alle Anzeigen seines bald erfolgten Todes daraus abnehmen können.

Es hatte ihn aber GOtt nicht so bald an sei­nem Leibe angegriffen, als er sich auch nach sei­ner grossen Barmhertzigkeit an seiner Seelekraff- tig erwiesen, indem tx sogleich die Sorge vor seine Seele sein fürnehmstes Werck sepn lassen. Dann in der ersten Nacht seines Lagers (als er gantz allein zu seyn vermeynte) bekannte und be- B 3 klagte