26 I. Letzte Stunde»
Höchsten worden, wovon die ernstlichste und herrlichste Vermahnungen, Warnungen und Trost-Gründe an sie zu Lebenslang unauslöschlichem Angedencken mit tieffem Eindruck erschallet , auch das Exempel des Sterbenden selbst seye ein lebendiger Spiegel der Beschaffenheit wahrer und ernstlicher Buffe, der Zufriedenheit des lebendigen Glaubens, der Notwendigkeit eines mit dem Glauben verbundenen ungeheuchelten Vorsatzes, der Sünden zu sterben, und GOtt zu leben, mit einem Wort der Glückseligkeit eines mit JEsu vermählten, und zu leben, zu leyden und sterben resolvirten Christen gewesen. Zur Auffmunterung des Lesers nur ein und des anderen zu gedencken, so fienge er öffters an: Mein JEsu! du bist mein, und ich bin dein! Niemand soll unsscheiden! Er wiederholte offt das Lied: JEsu hilff siegen! und sonderlich die letzte Gesetze: JEsu hilff siegen! wanns nun kommt zum Sterben rc. rc. Sein Herr Bruder fragte ihn einsmahls: Isis nicht so, lieber Bruder, dein JEsus ist dein, und du bist deines JEsu ? darauf sagte er: Ja das weiß ich gantz gewiß, und fuhr von selbst fort: Will mich schon der Tod aufreiben, soll derMuth dannoch gut und fein stille bleiben. Die Freude über die Herrlichkeit Zions war bey ihm überaus groß, daß er öffters ausruffte: O Jerusalem du schöne! ach wie helle glantzest durc. re. item, es hats kein Äug gesehen , kein Ohr gehört rc. rc. Er ließ sich auch et- lichemahl in tieffer Danck - Erkänntniß gegen seinem GOtt vernehmen r Ach! ich dancke meinem
Jo. Frid. (Bmelitw , f.UX. 2? sicher honetetc und bürgerlichen Erbarkeit so gar nichts gewesen, daß er sich leyder vielmehr durch den Strom der Welt-Förmmigkeit und Jugend- Lüsten auf die Seelen - gefährlichste Wege habe mithinreiffen lassen, daher ihme das, was er noch im Christenthum äufferlich mitgemacht, jetzo eine desto grössere Last auf seiner Seele seye, weil er vor vielen andern belehrt und überzeugt gewesen, daßdasOpusoperamm, oder bloß äus- serliche GOttesdienst ohne wahrhaffte Hertzens- und Lebens - Besserung weiter nichts als eine scheußliche Larve vor GÖTT wäre. Daß aber Das, was GOtt zu dieser Zeit in seiner Seele würckte, ein grosser Ernst, ja was gründlicheres und rechtschaffeneres gewesen, als ingemein die späthe Schein - Buffe zu seyn pfleget, wird aus folgenden Fragen an seinen Herrn Beicht -Vat- ter erhellen.
I. Fragte er: Was von einem Sünder zu halten, der so und so gelebet wie er, und zwar alles wider besser wissen und Gewissen? Ob nicht in diesem Fall GOttes Gerechtigkeit grösser seye , als seine Barmhertzigkeit? *
II. Wie er doch erkennen möge, daß seine Busse eine aufrichtige Busse und Demuth vor GOtt, und nicht nur eine von der Furcht deö Todes und Göttlicher Rache erzwungener Schrecken seye? **
in. Wie er sich doch mit seinem Vorsatz GOtt zu dienen recht gründen müsse, und was von solchem Vorsatz zu halten, da er ja sterben müsse, und ihn vor der Welt in der That nicht mehr beweisen könne? *** B 4 IV.