24 I. Letzte Stunden

iv. Wie er sich wegen der letzten Todes-Stund zu fassen hatte, oder im Fall Convulfionm an ihm ausbrechen sollten, da ersieh in seiner ange­fangenen Demuthigung vor GOtt nicht biß in die Ewigkeit hinein erhalten können würde? ****

, So war er auch sorgfältig, daß die, welche er auf einige Weise geärgert, erfahren möchten, was vor Angst undHertzeleyd ihm solche Sünden son­derlich gemacht hätten. Bey seiner genauen Untersuchung erkannte er dieses , daß er bey sei­nem Studio iuridicoftdf)fb gar keinen Christlichen Zweck jemahl vorgesetzt habe, vor eine Haupt- Hindernuß, daß GQttes Gnade so schwehrlich von seinem Hertzen Meister werden können, un-» erachtet er so viele Überzeugungen gegen sein Le­ben gehabt habe. Und als er über der Ausschüt­tung seines Hertzens ernsten ermattete, gab er dem Seel-Sorger in dem Hallischen Gesang- Buch das Lied aufgeschlagen in die Hand: Ach web / ach weh, wo soll ich bin vor meinen grossen Sünden rc. mit dem Bezeugen, daß er tn diesem Lied den Zustand seines Hertzens eröff­net sehen würde. Welches alles, ob es wohl vor Unverständigen vor eine Beschimpffung des seel. Verstorbenen und dessen Familie gehalten werden möchte, allein dem barmhertzigen GOtt zum Ruhm und dem Herrn Candidaten zu seinen wahrhafftigsten Ehren, auch auf der lieben Fa­milieeigenes Begehren öffentlich bekannt gemacht wird, indem zu besorgen, daß man sich versün­digen würde, wo man etwas verhalten sollte,

was

Io.Frid. Gmellns/ f.V.C. 25

was GOttes Varmhertzigkeit auch jetzo noch bey anderen über ihn preißwürdig machen kan.

Nach dergleichen redlichen Prüffungen, buß­fertigen Bekanntnüffen^, wichtigen Gewiffeys- Fragen, und vielen Beängstigungen seinerSeele, hat er endlich zur Versicherung der Vergebung seiner Sünden, zu Stärckung seines glimmen­den Glaubens - Tochtleins, und zur Befestigung seines Vorsatzes, dem HErrn zu leben und zu ster­ben , das Heil. Abendmahl mit grosser Behut­samkeit und Demuth zu geniessen begehret, des­sen Genuß der HErr auch also geseegnet hat, daß er mehr und mehr zum Frieden und Beru­higung seines Hertzens gekommen ist.

Überhaupt können die noch lebende, welche vom Anfang biß zum End um ihn zu seyn die be­sondere Liebes-Pflicht verbunden, auf diesen Tag nicht aussprechen, mit was Zerknirschung seines Geistes und Demuth seines Hertzens er über dem schmertzlichen Gefühl seiner Sünden vor GOtt gestanden; Mit was Glauben er die Wunden seines Heylandes angesehen; Mit was Verlan­gen nach dessen immer mehr-und mehrerer Ver­einigung er biß ans Ende seines Lebens verharret; Mit was Beruhigung er die Göttliche Trost- Worte von feinem Herrn Seel-Sorger und an­dern umstehenden mehr und mehr angenommen; Mit was Gelaffenheiter alles Leyden ertragen; und mit was für Gewißheit des nächst ihm zu hoffenden Eingangs in die Freude der Seeligen er sein Leben beschlossen habe. Ja Sie bezeugen, 1$ seye sein Sterbe-Bett zu einem Catheder des B s Hoch-