zerstört und unbewohnbar geworden ist.' Die Anzahl der Toten-wird amt lieh mit 1500 angegeben, dürfte jedoch erheblich grösser sein.

Viele liegen noch unter den Trümmern. Hier hat sich offenbar das Ver­sagen des Meldedienstes sehr bemerkbar gemacht.

Grosse Teile der Stadt existieren nicht mehr, auch nicht Frankfiürts " Gute Stubb , die herrliche Altstadt. Mit dem Goethehaus sank sie an Goethes Todestag in Schutt und Asche. Nur durch die. Haupt­strassen hat man da einen Heg gebahnt, die kleinen Nebengassen sind zum grossen Teil überhaupt nicht mehr erkennbar. Vom Römer steht nur noch ein Teil der Fassade, von den Häusern des Römerberges, dieses schönsten Altmarktes Deutschlands, ist kein einziges mehr erhalten. Gespenstisch ragt das ausgebrannte Giebeldach des Domes und sein Turm , über die Zerstörung'in die jetzt so freie Höhe. Und so ist es aller­orten. Kein /Zunder; dass man allmählich von einem Bekannten nach dem anderen hört :"ausgebrannt, ausgebombt, alles verloren.' "

Neulich warFretuadSchultze hier; er kam ahnungslos von der Hochzeit seines Filius in Reichenberg, ging nach Hause und stand vor einer völlig ausgebrannten Ruine. Tatsächlich ist unser Viertel in Sachsen hausen so zwischen Hain und Lokalbahnhof, Schweizerstr. und Schiffer- str. eine Oase in all der Zerstörung, wie es nicht mehr viele gibt. Besonders nachdem es nun wieder Hasser und Licht und(damit auch Radio gibt. .

Jetzt sind 14 Tage verflossen, mehr und mehr richtet sich das geschundene Leben wieder ein, so gut es geht. Es gibt wieder Zeitungen, die Zeit der wilden Gerüchte (Auflösung aller ,-rbeitsver- hältnisse, Landung in England, englische Landung in Südfrankreich) ist damit vorbei. Behelfsmässige Geschäfte tauchen da und dort auf, in den Vororten in Kellern oder Hausfluren, Autobusse ersetzen not­dürftig die Trambahn. . Das ocheckamt funktioniert allerdings noch nicht, das Aprilgehalt ist noch nicht angewiesen. Die Universität soll weiter arbeiten. Y/ie dies allerdings möglich sein wird,_ist wohl allen Beteiligten ein Rätsel. Die Frage, ob Irmgard die Univer­sität wechseln soll, haben wir mit Rücksicht auf ihr bevorstehendes Latinum mit nein entschieden. Scheusslich ist der Ausfall der Post, die lange weder heraus, noch herein kam. Vieles ist wohl auch ver­brannt , denn auf allen Bahnhöfen und den Zugangsstrecken lagen aus­gebrannte Züge. YZenn es wahr ist, was englische Zeitungen sagen, zum ersten Male sei eine Grosstadt in einem einzigen Angriff vernich­tet worden, so trifft das schön in erheblichem Masse zu. Geht man so gegen 20 Uhr durch die Strassen, so sind sie völlig verödet und - menschenleer. Es gibt ja auch keine Kneipen, Kinos oder Cafds-mehr. Nur Rumpelmayer hat schon wieder unter Trümmern aufgemacht.

Ob das an den Verlag Schweizerbart in Stuttgart geschickte Manuskr ipt der grossen Arbeit über Lunz noch existiert, weiss ich noch nicht. Wenn die Tafeln verloren wären, wäre es ein schwerer Schlag, denn noch einmal gelänge es mir nicht, dieses Material, das in vielen Museen zerstreut ist, zusammenzubringen.! Hoffen wir das Beste ! 'An Hilde und Z/olf haben wir natürlich sofort geschrieben.

Doch kam lange nichts an, sodass das arme Mädchen an alle möglichen Stellen schrieb und einen nach Karlsruhe fahrenden Studenten her­schickte, der ihr dann endlich von dort am 3. 4. telefonieren konnte. Aber von Wolf haben wir keine Nachricht seit dem 23. 3.

Hanna wagt sich kaum noch aus dem Hause. Gestern habe ich sie zum ersten Mal zu einem Gang dur ch die Stadt bewegen können. Sie war von dem Bild, das die sonst so schöne Wasserfront der Alt­stadt bietet, erschüttert. Nichts als Ruinen. Vor dem Mainufer liegt quer ein versunkener Dampfer, sein Hinterteil ist auf die Uferstrasse vor dem ausgebrannten Saalhof geschleudert worden, da­neben ein grosser Lastkahn, dessen Hinterteil verschwunden ist.

Man selber hat sich ja durch den täglichen ;.,arsch an die Bilder der Zerstörung gewöhnt und wundert sich höchstens, wie schnell