einen Austausch-Antrag gestellt, den der Rektor der Universität auf meine Bitte wärmstens unterstützte. Anfang Januar war ich wieder in Berlin und konnte hierbei erfahren, dass die Austauschliste vor einiger Zeit durch die Schwedische Regierung den Rumänen zugestellt worden sei, und letztere bereits die auf der Liste stehenden Herren aus dem grossen Internierten-Lager herausgenommen und gesondert in einer Schule Bukarests untergebracht habe • Behandlung und Verpflegung seien gut. Ausschreitungen gegen Deutsche seien nur in ganz wenigen Fällen vorgekommen. Allerdings wurde auch hinzugefügt, dass man nicht Voraussagen und übersehen könne, ob und wann die Austauschverhandlungen (lies: Kuhhandel) endgültig zum Abschluss kommen würden. Nachdem alles so gut gelaufen ist und aus dem schnellen Verlegen hoffe ich doch zu der Annahme berechtigt zu sein, dass wir den Chef recht bald hier begrüssen können.
Von Prof. Krejci-Graf liegt eine Nachricht über die Schweiz vor. Auch er steht auf der Austauschlis-ce. ¥on Bröf.Potonife, der ja auch in Bukarest weilte, fehlt bisher jede Nachricht. Da Herr Potoni6in Wehrmachtsuniform steckte, dürfte dieser nicht als Zivilint eruierter , sondern als Kriegsgefangener behandelt werden • ich fürchte, dass aus diesem Grunde keine Nachricht kommen wird.
Unsere Arbeit geht weiter. Der Kampf um die Erhaltung der Ausweichlager gegen Behörden und Partei-Dienststellen, die die Räume für Evakuierte haben wollen, fordert unausgesetzt alle Kräfte. Bisher ist es mir gelungen, alle Einbrüche im wahrsten Sinn des Worte^M abzuriegeln. Ein Lager habe ich allerdings einmal abgegeben. Meine Stellung war in diesem Falle stark, aber trotzdem gab ich nach mehreren Besprechungen, auf denen ich nicht nachgegeben hatte, einer inneren Stimme plötzlich folgend nach und gab den grossen Raum in einer leerstehenden Schreinerei nach Annahme meiner Bedingungen frei. Ich erhielt zwei kleinere Raume und die Verlagerung geschah auf Kosten des Landrates unter unserer Aufsicht. Am 2. 2. 45 ist die Schreinerei — ausgebrannt , und unser Material wäre auch dahin, wenn - - - - .
Die Betreuung der Sammlungen in den 43 Lagern zwischen Neckar und Rhön, im Vogelsberg und Taunus kostet bei den derzeitigen Verkehrsverhältnissen eine Menge Zeit. Aber wir müssen diese Mehrarbeit zur Erhaltung und Sicherung der Forschungs-Sammlungen auf uns nehmen. Bis jetzt sind wir unberufen gut durchgekommen, obwohl doch manche der Lager für die Aufbewahrung der Sammlungen denkbar ungeeignet sind.
Wie ich Dir bereits mitteilte, sitzen Prof.Mertens,
Prof. Kräusel und Frl. Dr. Franz mit einem Teil ihres Materials und ihren Bibliotheken in Oberlais im Vogelsberg. Frl. Dr. Schmidt hat im eigenen Haus in Eppstein ein "Museum" eingerichtet und kann dadurch ihre Arbeiten fortsetzen. Am 2. ds. Mts sind allerdings eine grosseW Zahl Fensterscheiben in Bruch gegangen.
Die geologische und mikropaläontologische Abteilung arbeitet nach wie vor in der Nähe von Hungen. Die beiden Arbeitsstätten befinden sich auf ehemaligen, fast stillgelegten Buderus* sehen Eisengruben allein für sich mitten im Walde und sind fast Z km von einander entfernt. Auf "Abendstern " wurden drei Behelfsheime, auf "Eisenkaut" zwei Behelfsheime erstellt. Nach Behebung grosser Schwierigkeiten, die in der Beschaffung der Baumaterialien, der Arbeitskräfte, der Handwerker lagen, wurde die Fertigstellung der Häuschen erzwungen. Anfang Oktober zog ich nach " Abendstern ". Dr, Zilch war bereits Ende September nach "Eisenkaut" übergesiedelt, wo Familie Triebei und eine Laborantin schon seit Ende Mai in wenig glücklichen, stark beengten Verhältnissen ihre Behausurig aufgeschlagen hatten. Als ich nach Hungen kam, waren die beiden Häuschen auf Eisenkaut noch nicht begonnen, ja nicht einmal die Bausteine waren da. Obwohl alle Leute mich von der Aussichtslosigkeit meiner Pläne überzeugen wollten, Hess ich nicht locker, setzte alle Hebel in Bewegung und hatte die Freude, dass Herr Triebei bereits Ende November in das fertige Häuschen