1920 ab in jedem Frühjahr vom Mai bis Juli 4 Sicherheitsbeamte als Schutz­wache für meine Tiere.

Aber es gab kein Dach und keine Hütte, die in Sturm und Regen oder zur Nachtzeit dort Schutz gewährt hätte. Ein vorher dort vorhandener großer Seegrasfchuppen- war in dex Zeit des Umsturzes stückweise abgebrochen und alsStrandgut" verheizt worden. Dabei tat unser Wärter täglich etwa 18 Stunden Dienst, die Beamten ununterbrochen Tag und Nacht.

Oft ging es hart auf hart, und sogar am hellichten Tage mußten die Be­amten mehr als einmal von der Waffe Gebrauch machen. War den Eier­räubern ein Beutezug geglückt, so verkauften sie ihre 200 oder 300 Eier infolge der Inflation zu 1 RM. das Stück. Wurden sie erkannt und zur Anzeige gebracht, so erhielten sie eine Ordnungsstrafe von 3040 RM.^ ein gutes Geschäft gegen Gesetz und Sitte! "

Besonders 1923 und 1924 brachten nochmals einen Rückschlag: ich erhielt damals nur 2 bzw. nur einen Schutzbeamten, und diesen 1924 so spät, daß die Räubereien schon wieder im ärgsten Gange waren. Gerade diese offen­sichtlichen Ungesetzlichkeiten aber verhalfen meinen Bestrebungen, auch für Mecklenburg ein Naturschutzgesetz zu schaffen, mit zum Ziele: am 14. Juni 1923 wurde endlich ein nur 2 Paragraphen umfassendes Naturschutz-Nahmen- Gesetz verkündet, und am 23. Juni 1924 wurden unter Freiherr von B lan­de n st e i n grundlegende Schutzbestimmungen für Langenwerder erlassen. Gleichzeitig erhielt ich Vollmacht für alle auf Langenwerder notwendig er­scheinenden Maßnahmen.

Als uns dann im Frühjahr 1925 die Zuckerfabrik Wismar den oben ge­nannten Wohnwagen zur Verfügung stellte, hatten wir endlich auf Langen­werder sozusagenfesten Fuß gefaßt". Jetzt konnten unsre Beamten, alljähr­lich 2 Mann im Mai, einer im Juni und Juli, endlich ununterbrochen, auch nachts, auf Langenwerder bleiben, und nun war auch die Möglichkeit zu an­haltender Arbeit, selbst bei schlechtem Wetter, gegeben. Nun konnte das nächste Ziel in Angriff genommen werden: Schaffung einer wissenschaftlichen Arbeitsstätte.

Frühjahr 1933 berichtete ich auf der Tagung der Deutsch. Zoolog. Ges. in Köln über meine Beobachtungen unter dem Titel:Paarungsspiele als Art­charaktere, Beobachtungen an Möwen und Seeschwalben."

Frühjahr 1934 ließ der Landrat des Kreises Wismar, Dr. Schumann, die Insel neu und genauestens vermessen, im Mai desselben Jahres besuchte der Herr Reichsstatthalter von Mecklenburg, Gauleiter Hildebrandt, die Vogel­insel. Sommer 1935 wurde mit allseitiger Unterstützung der Grundstein zum Wohnhaus gelegt, das noch im gleichen Sommer eingedeckt und in den folgenden Jahren auch innerlich wohnlich gestaltet wurde. Frühjahr 1937 wurde endlich eine Koppel für das Weidevieh geschaffen, das bis dahin vor

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