Maschendraht gegen die ringsum brütenden Sturmmöwen abgegrenzt ist. Innerhalb der eingefriedeten Fläche liegen allenthalben auf dem weißen Sande in kleinen Mulden je zwei vielfarbige Eier, zuerst kaum auffindbar, ungemein verschieden in ihrer Tönung und Farbverteilung. Sie gehören zum Kostbarsten, was Langenwerder zu hüten hat: denn immer geringer wird die Zahl der an Deutschlands Küsten brütenden K ü st e n s e c s ch w a l b e n (8terna nwcrura dlaum.), im Gegensatz zu den Flußseeschwalben (8terna hirundo L.), deren Gesamtbestand innerhalb der deutschen Grenzen wohl zweifellos wieder im langsamen Anwachsen begriffen ist.
Steht dann noch über dem Ganzen ein blauer Himmel mit langsam ziehenden weißen Wolken und heller Sonnenschein, von einer leichten Seebrise gekühlt (das ist das Wetter unsrer „Besuchertage"), dann macht das Ganze' einen unvergeßlichen Eindruck des reinsten, ungetrübten Friedens. NiemanW lommt auf den Gedanken, zu fragen, wie es früher einmal hier ausgeschaut hat, ehe all dies geschaffen war. Leider kann ein Rückblick au dieser Stelle nur skizzenhaft gezeichnet sein, das Wichtigste herausheben.
1848 fährt der Meckl. Ornithologe Zander im Segelboot über die Wismarsche Bucht nach der großen Insel Poel und besucht von dort aus auch den nahen Werder, der damals etwa doppelt so groß war, in Richtung nach Osten zu, wie heute. Im Bericht über diese seine „Expedition" teilt er mit, daß die Bewohner von Poel ein großes Geschick hätten, die Nester der auf dem langen Werder brütenden Seevögel aufzufinden, überwiegend Seeschwalben. Möwen brüteten noch keine dort.
Um 1850/60 herum, in der Jugendzeit unsres treuen Wärters Joachim S ch w a r z, brüteten hier auch Austernfischer, Halsbandregenpfeifer und, sicher gewährleistet, Stein Wälzer (^renaria interpres L.) in vielen Paaren. Vater Schwarz machte uns hierüber genaueste Angaben gelegentlich des Besuches von Geheimrat Koenig-Bonn am 27. Mai 1927. Er wußte genau Bescheid über Eifarbe und Zahl im Gelege, und er schilderte, wie er damals als Junge gegen das Verbot des Vaters die Steinwälzer auf Langeu- werder am Nest in Laufschlingen fing — nicht, um sie zu braten, sondern nur, um die Tiere in der Hand zu halten und genau betrachten zu können. Daß die Poeler diesen kleinen Vogel damals gut kanuteu, wird auch dadurch bewiesen, daß sie ihm einen eigenen Vulgärnamen gaben: „Scharik oder Schrarik" wird er dort genannt. Einige Brutpaare scheinen sich bis etwa 1898 hier gehalten zn haben.
1888 etwa mögen sich dann, nach Clodius, die ersten Stur m m ö w e n auf Langenwerder als Brutvögel eingefunden haben. Vorher nisteten immer nur einzelne Paare in den Getreidefeldern der Insel Poel oder im Dünengelände der gegenüberliegenden Halbinsel „Kieler Ort", jetzt Militär. Schutzgebiet. Außer den eben genannten Arten bildeten Kiebitze und Kampfläufer,
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