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öermanifche Neufunde in Vladbeck

Ein zusammenfassen-rr Bericht über die Bedeutung der Funde auf dem Gladbetker Urnen« friedbof für die Vorgefchichtöforschung - Fortsetzung und Schluß

gl. Wir brachten gestern an dieser Stelle den An­fang eines Artikels von Eugen Pohl und Rudolf Stampfuß mit Genehmigung des Herausgebers aus der Monatsschrift für Deutsche VorgeschichteEer- manenerbe", den wir heute sortsetzen und beendigen.

Wir können in Gladbeck die doppelkonischen Gefäße in großer Mannigfaltigkeit beobachten. Es treten Formen auf, bei denen die obere und untere Eefäßhälfte ungefähr gleich groß gestaltet sind, die Gesäße sind dann ganz schlank geformt. Diesen scharf profilierten Gefäßen schließen sich weichere Formen an, bei denen der scharfe Schulterknick gerundet, verwaschen erscheint, bei welchen mitunter auch der Rand auslädt. Die tonncnförmigen, stark verwaschenen Formen lassen kaum noch die scharfkantige Urform erkennen. Eine besondere Form stellen auch die alsHalsdoppelkonus" bezeichneten Gefäße dar. Hier ist der konische Hals auf der Schulter der Urne besonders, manchmal durch eine Hohlkehle abgesetzt. Eine weitere Form desDoppelkonus" sehen wir in weitmündigen Urnen mit größerem Unterteil und nur kleinem Oberteil.

In den doppelkonischen Urnen erkennen wir die Hinter­lassenschaften der bronzezeitlichen Germanen, die um 1200 v, d, Ztr. durch die Weserpforte (Funde von Witten­husen) nach Westfalen vorstotzen und zunächst den Teuto­burger Wald und das Eggegebirge in Besitz nehmen, Don hier aus erfolgt am Ende der Bronzezeit im Zeitraum von 1000 bis 800 v. d, Ztr, die Besitznahme des westlichen West­falen bis zum Niederrhein hin.

Das Eladbecker Gräberfeld ist deswegen als Fundplatz

so bedeutsam, weil es uns diese germanische Landnahme im keltischen Gebiete so klar erfassen läßt und gleichzeitig zeigt, daß diese erste Landnahme vollkommen friedlich erfolgt ist. Hier bestatten M^lich nebene^^ider zwei verschiedene BevölkerungsgruMMi, und diefem^Wbeneinander der Toten muß auch das Nebeneinander der Lebenden entsprochen haben. Daß wir es mit einem räumlichen und zeitlichen Nebeneinander zu tun haben, zeigen die mehrfach festgestell- tcn Mischformen beider Gruppen und die häufige Beigabe von kleinen für die Urnenseldcrkultur bezeichnenden Bei- gofäße in germanischen Urnen. Die mit dem dazugehörigen Beigefäß germanische doppelkonifche Urne zeigt uns durch das von den llrnenfelderleutei^bernommene Ornamentband die Beeinflussung von diclT^Nite.

Zahlenmäßig iiberwiegen die Funde der Urnenselder- kultur, was in Anbetracht der hier schon einige Jahrhunderte vor der germanischen Landnahme einsetzenden Siedlung selbstverständlich erscheint.

Zwei durch die Beigabe bronzener Rasier­messer zeitlich näher bestimmte germanische Funde seien noch kurz besprochen. In ihren Fundzusammenhängen sind diese außerordentlich bedeutsam.

Im Grab 96 fand sich eine weitbauchige Urne mit scharfem Schulterumbruch und schräg ausbiegendem Rande von einer Form, wie wir sie am Niederrhein der älteren süddeutschen HaMtattkultur zuweisen, müsien. Sie ist dort zeitlich von etpM^OO bis 600 v, M^tr, zu bestimmen. In dieser Urne fan^ich ein Bronzerm^messer mit aufgeboge­ner Schneide und angegossenem, leider abgebrochenem Griff.

Es handelt sich hier um eine Form, die in Westfalen und Hannover häufig beobachtet worden ist und ursprünglich mit schwanenhalsartig zurückgebogenem, schneckenförmig aus­gerolltem Griff versehen war. Diese Messer werden im allgemeinen in die 4. Stufe der Bronzezeit von 1200 bis 1000 v. d. Ztr. gesetzt. Unser Stück zeigt durch die alte Reparatur, den durch späteren Ueberguß angesetzten fremden Griff, daß es sich hier wesentlich länger gehalten haben muß, so daß der scheinbare zeitliche Unterschied zwischen Urne und Beigabe überbrückt wird.

Ein weiterer Fund im Grabe 117 ergab in einer stark verwaschenen doppelkonischen Urne neben einem für die süd­deutsche Urnenfelderkultur kennzeichnenden Beigefäß eine bronzene Pinzette und ein germanisches Rastermesier.

Dieses Messer ist gut in die 5. Stufe der Bronzezeit von 1000 bis 800 v. d. Ztr. zu datieren. Es ist in seiner zeitlichen Ansetzung ein ausgezeichnetes Belegstück für die germanische Landnahme der späten Bronzezeit. Darüber hinaus zeigt cs uns aber, daß schon in der Bronzezeit die starke Degene­ration der doppelkonischen Gefäße erfolgt ist und im Gegen­satz zu der Annahme Tackenbergs (K. Tackenberg, Die Kul­tur der frühen Eisenzeit in Mittel- und Westhannover, Hildesheim 1981) die scharfgegliederten doppelkonischen Gefäße größtenteils noch der reinen Bronzezeit zugewiesen werden müssen. Es ist ein gutes Beweisstück gegen die ver­suchte Herabdatierung des germanischen Fundstoffes.

Das zeitliche Ende des Friedhofes von Gladbeck wird sich erst nach der eingehenden wissenschaftlichen Be­arbeitung ermitteln lasten.

Harpstedter Rauhtöpfe mit Wellenrand undhallstätti- sche" Gefäße deuten darauf hin, daß er noch bis in die ältere Eisenzeit fortreicht, doch dürfte allein schon der zahlenmäßig geringe Fundstoff aus dieser Zeit gegen eine allzulange fort­dauernde Belegung dieses Friedhofes sprechen. Seine große Bedeutung liegt darin, daß er uns klarer als bisher den Vormarsch germanischer Siedler in den keltischen Siedlungsraum erfasten läßt.

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