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Frankfurt a.M. den Hl. August 1944

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Herrn

Stadtrat Dr. Keller,

Frankfurt a .M.

Sehr geehrter Herr Stadtrat,

Indem ich Ihnen von einem Schreiben an Herrn Stadtrat Dr. Mül­ler einen Durchschlag überreiche, möchte ich dazu einige für Sie persönlich bestimmte Bemerkungen machen: Nach unserer Unterredung Mitte Juli hatte ich bestimmt gehofft, dass die Quertreiberein des Herrn Dr. Knorr damit zur Ruhe gebracht waren. Inzwischen erhielt ich von der SNG Kenntnis von einem Bericht des Universitätshaushalts­plans, in welchem erneut von einer Vereinigung unserer Bibliothek mit der Stadtbibliothek die Rede war. Herr Professor Dr. Richter und Herr Professor Dr. Reuling vermuten als Triebfeder dieser An­regung Herrn Dr. Knorr und Jetzt hat auf Grund dieser Beanstandungen des Herrn Oberbürgermeisters, Herr Prof. Dr. Gehler unserer"Biblio­thekarin offen gesagt, dass Herr Dr. Knorr derjenige wäre, der Herrn Oberbürgermeister mit der falschen Zahl von 2/3 der Bibliotheksbe­stände verärgert hat. Angesichts dieses Tatbestandes, der in dem Brief an Herrn Stadtrat Dr. Müller wiedergegeben ist und den Herr Prof.Oehler persönlich festgestel1t hat, möchte ich beinah annehmen, dass Herr Dr. Knorr wider besseres Wissen gehandelt hat, um eigene Ziele weitertreiben zu können. Ich möchte Sie deshalb bitten, bei gegebener Gelegenheit ihn auf das bestimmteste in seine Schranken zu verweisen und ihm klar zu machen, dassjer bestehende Rechte nicht einfach bei Seite schieben kann. Ich würde es sehr bedauern, wenn sieh zwischen der Stiftung und der Stadtverwaltung Verstimmungen entwickeln, bin aber mir bewusst, dass das Recht auf Seiten der Stiftung ist.

Mit freundlichen Grüssön und

Heil Hitler!

gez. Dr. de Bary