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Universitäten nicht in einer seine Tragfähigkeit übersteigenden Weise belastet und die Privatdozentur nicht des freien Charakters beraubt werde, den sie zum Segen des wissenschaftlichen Nachwuchses bisher gehabt hat.

Das abgelaufene Amtsjahr hat uns mit Kriegsende auch d i e Kollegen und Beamten zugeführt, die zwar längst zu den Unsrigen gehörten, aber bis dahin durch den Dienst am Vaterland an der Ausübung ihrer Amtspflichten verhindert waren. Mit tiefem Danke für alles, was sie um des Reiches willen erlitten und auf sich ge­nommen, begrüßen wir sie in unserer Mitte.

Und mit Kriegsende ist endlich auch nach opfervollem, nicht ge­nug zu dankendem Baterlandsdienst unsere studentische Jugend heimgckehrt, sie, nach der sich unsere selbst erst im Kriege geborene Hochfchulc vier Jahre lang gesehnt hat, und durch deren Einzug sie erst zu wahrem Leben erwacht ist. Beendigt ist nunmehr die ftiusta inkreftueritiu unserer Hörsäle: Bon den 618 Studierenden, mit denen wir im Wintersemester 1914 unsere Universität eröffneten, ist die Zahl unserer Studenten auf beinahe 4000 im abgelaufenen Sommersemester gestiegen, eine Zahl, die ohne die feindliche Besetzung der Frankfurt benachbarten Gebiete zweifellos noch erheblich überschritten worden wäre. Nur mit tiefster Bewegung konnten wir den hingebenden Eifer beobachten, mit dem unsere Studenten, obwohl oder gerade weil sie unter so ganz anderen Umständen, als sie sich hatten träumen lassen, hcimkehrten, ihre Studien wieder aufnahmen. Soweit es mit der akademischen Ordnung irgendwie verträglich war, wurden im vorigen Winter selbst die erst gegen Weihnachten eintreffenden Kriegsteil­nehmer, um des laufenden Semesters nicht verlustig zu gehen, noch unter die akademischen Bürger ausgenommen. Und der rascheren Ab- Mivierung ihrer Studien diente das im Frühjahr eingeschnbene Zwi- ^ensemester, das die Dozenten und Beamten unserer Universität vor ungewöhnliche Aufgaben stellte. So haben wir gegenüber der anderwärts vielfach um sich greifenden Arbeitsunlust in unseren Räu­men das schöne Beispiel intensivster Arbeitsfreudigkeit gegeben.

Zur Linderung der schweren wirtschaftlichen Not, in der sich viele Kriegsteilnehmer befanden, war die unter Leitung des Herrn Kollegen Wachsmuth stehende Ortsgruppe des akademi­schen Hilfsbundes in regster und erfolgreichster Weise tätig. Herr Kollege Wachsmuth stellte auch durch Uebernahme des Vor­sitzes den wünschenswerten Zusammenhang her zwischen Universität und dem vom hiesigen Bürgerausschuß ins Leben gerufenen Berufs- a m t f ü r A k a d e m i k e r , das die angesichts des Ernstes des gegen­wärtigen akademischen Arbeitsmarktes so wichtige Zorge für Berufs­beratung und Stellenvermittlung übernommen hat. Die sich aus den jetzigen Teuerungsverhältnissen für den studentischen Mittags- und Abendtisch ergebenden Erschwerungen sind durch unseren, von der Ge­sellschaft für Wohlfahrtseinrichtung unterhaltenen und gut geleiteten Erfrischungsraum in erfreulichster Weise behoben worden. Dem aus der Wohnungsknappheit drohenden Mängel an brauch­baren und erschwinglichen Studentenzimmern suchte unser im vorigen Jahr gegründetes akademisches Wohnungsamt abzuhelfen. Dank seiner Bemühungen haben sich im abgelaufenen Unioersitätsjahr ^tz der großen Zahl der aus dem Felde heimkehrenden Studenten nennenswerte Schwierigkeiten bei ihrer Unterbringung nicht ergeben. Wenn sich in den letzten Wochen solche eingestellt haben sollten, so liegen sie an dem zeitlichen Zusammentreffen von Semesteranfang und Einfuhrmesse, das in Zukunft nach Möglichkeit vermieden werden muß. Auch die akademische Krankenkasse hat seit ihrem Bestehen außerordentlich segensreich gewirkt und durch eine Revision der für sie geltenden Bestimmungen ist erreicht worden, daß ihren erkrankten Mitgliedern noch größere Vorteile als bisher zugute kommen. Trotz aller hier berührten Einrichtungen bleibt auf dem Gebiete der studentisch-sozialen Wohlfahrtspflege noch eine große Reihe » on Aufgaben zu lösen übrig. Ich erwähne nur die Schaffung einer großzügig angelegten akademischen Auskunftsstelle und die Erweiterung unseres Lesesaals zu einer Lesehalle größeren Stiles nach dem Muster anderer Universitäten. Hier überall er­öffnet sich den Studierenden ein reiches Feld für die von ihnen mit Recht geforderte Selbstverwaltung, ein Feld, auf dem sie zum Teil schon mit Erfolg 'tätig geworden sind, und das weiter auszu­bauen fruchtbarer ist als das von übereifrigen Reformern erhobene Verlangen nach Teilnahme an der Rektorwahl und an der Berufung der Dozenten, Forderungen, die denn auch von unserer verständigen Studentenschaft nie an uns herangebracht worden sind. Im Uebrigen darf bei dem Ausmaß der studentischen Selbstverwaltung nicht über­sehen werden, daß wir nicht auf die Dauer mit der an Alter uno Er­fahrungen gereiften Studentenschaft rechnen können, die wir in unseren Kriegsteilnehmern gegenwärtig besitzen. Immerhin ist noch bei einer Reihe der jetzt den akademischen Behörden vorbchaltenen Geschäfte die Mitwirkung der Studenten denkbar und wünschenswert,

jo namentlich bei der Handhabung der Disziplinargerichts­bar k e i t. Und im vergangenen Universitätsjahr haben wir bei An­gelegenheiten von spezifisch studentischem Interesse Vertreter der Studentenschaft auch zu Senatssitzungen beratend mit gutem Erfolge herangezogen.

Entsprechend den veränderten Zeitverhältnissen hat die Stu­dentenschaft sich eine neue Organisation gegeben, indem sie an die Stelle des Zweikammersystems, in dem sich der Gegensatz von korporierten und nichtkorporierten Studenten nusdrückte, einen einheitlichen, aus allgemeinen und gleichen Wahlen hervorgehenden Studentenausschuß setzte. Zahlreich waren die nach erfolgtem Zusammenbruch aus Straßburg zu uns geflüchteten Studenten, die hier eine gastliche Stätte der Unterkunft fanden. Auch ganze Straß­burger Studentenverbindungen sind hierher übergesieoelt, wie sich auch abgesehen davon im letzten Jahre die Zahl der studenti­schen Vereine und Korporationen an unserer Universität stark ver­mehrt hat. Daran sollten diejenigen am wenigsten Anstoß nehmen, denen die Freiheit des Zusammenschlusses die oberste politische Forde­rung ist. Freilich können die st u d e n t i j ch e n Verbindungen nur dann erwarten, als nützliche und angesehene Glieder im Or­ganismus der Universität und des Volkes empfunden zu werden, wenn sie sich, und sei es auch unter Verzicht auf Mönches, was in glück­licheren Zeiten das Leben reizvoll gestaltet hat, erfüllen mit dem sozialen Gerste einer ernsten Gegenwart. Wenn irgend­wo, so sollten innerhalb der Universität Klassengegensätze verschwinden durch den gemeinsamen Dienst an der Wissenschaft. Die utopistische Forderung aber, das Universitätsstudium voraussetzungslos Jedermann zugängig zu machen, scheitert an der Unmög­lichkeit, Fachstudien ohne genügende Vorbildung zu be­treiben. Soweit es angängig ist, haben die Universitäten im Institut der kleinen Matrikel das an das Reifezeugnis anknüpfende Berech­tigungswesen ohnedies schon aufgegeben, und nach den neuesten Be­stimmungen kann in unserer Wirtschafts- und Sozialwiffenschaftl'chen Fakultät diese kleine Matrikel nicht nur ohne Reifezeugnis, sondern! ohne den Nachweis jeder regelmäßigen Schulbildung erteilt werden, wenn dieser Mangel durch besondere Leistungen auf praktischem Gebiet oder durch freies systematisches Studium vollständig ausgeglichen worden ist. Und in der Zulassung solcher Personen, die nur ihre Allgemein­bildung vervollständigen wollen, ist "die Frankfurter Universität durch die ihr eigentümlichen Besucherscheine weiter gegangen als irgend eine ihrer Schwesternanstalten.

Die an alten Universitäten bestehende Möglichkeit, Studierende zu wissenschaftlichen Arbeiten durch Preisausschreiben an­zuregen, ist an unserer jungen Hochschule naturgemäß noch nicht in gleichem Maße gegeben. Aber wir besitzen in unserer „Hans und Kurt La d e n bu rg - Stiftung", in der Preisstiftung des Instituts für Gemeinwohl und in der Emil Cohnstädt- Stiftung doch bereits nicht unbeträchtliche Mittel, um für verdiente wissenschaftliche Ar­beiten entsprechende Preise auszusetzen. Augenblicklich ist von der Cohnstädt-Stiftung ein Preis in Höhe von 1000 Mark ausgeschrieben für eine möglichst vollständige Zusammenstellung und Kritik der Lite­ratur über „Gashäute an der Oberfläche fester Körper", uno die Philosophische Fakultät hat für die 500 Mark betragende Preis­stiftung des Instituts für Gemeinwohl die Aufgabe gestellt einer ver­gleichenden Darstellung der volkserzieherischen Gedanken Pestalozzis, Fichtes und Grundvigs. Der Termin für die einzureichenden Arbeiten läuft Ende Juni 1920 ab.

Die Fülle der Probleme, die in den letzten Jahren auf allen Gebieten des Lebens aufgetaucht sind, stellt die Wissenschaft vor neue und große Aufgaben. Die Universitäten werden sich ihnen in ihrem Lehrbetrieb und ihren Lehrmethoden, in ihren finan­ziellen Mitteln und in ihren Lehrkräften anzupassen haben. Und dir Frankfurter Universität wird hinter den anderen Hochschulen des Reiches hier gewiß nicht Zurückbleiben. Trotz aller aus dem Kriege und seinem unglücklichen Ausgang sich ergebenden .Hindernisse ist sie unausgesetzt um den inneren Ausbau ihrer Einrichtungen be­müht gewesen. Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät hat in ihrem neu gegründeten „Institut für Wirtschafts­wissenschaft" die Möglichkeit großzügiger Pflege aller in ihren Bereich fallenden Wissenszweige bekommen. Die Prüfungsordnungen für Sozial- und Verwaltungsbeamte und für das versicherungswiffen- jchaftliche Diplomexamen geben auch denjenigen, für die ein Staats­oder Doktorexamen nicht in Frage steht, die Möglichkeit, die er­worbene akademische Bildung zu einem formalen Abschluß zu bringen. Den jungen Nahrungsmittelchemikern ist Gelegenheit gegeben, jetzt in Frankfurt ihr Examen vor einer an unserer Universität eingesetzten Kommission zu machen. In unserem Vorlesungsverzeichnis kommen an zahlreichen Stellen die Bestrebungen zum Ausdruck, unsere mangel­hafte Kenntnis vom Wesen und den Einrichtungen ftemder Länder,