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selbst lieb gewordene Stelle eines Universitätsrichters aufgeben muffen.

Vom Lehrkörper ist, zum großen Bedauern nicht nur der Rechts- misscnschaftlichen Fakultät, der außerordentliche Professor des Straf­rechts Ernst Delaquis in seine schweizerische Heimat zurückgekehrt, um dprl einen leitenden Posten in der Justizverwaltung zu übernehmen. 2» der Medizinischen Fakultät sind die Direktoren der Ehirurgischen und Psychiatrischen Klinik, die Geheimräte Rehn und Sioli in den Ruhestand getreten, in den sic die treuen Wünsche der Kollegen begleiten für einen durch ausgezeichnete Dienste wohloerdienlen Lebensabend. Zu unserem großen Leidwesen hat der bisherige Dekan der Medizinischen Fakultät, Emst Goeppert, sich entschlossen, die ordentliche Professur für Anatomie an der Marburger Universität zu übernehmen, an der er bis zu seiner Berufung nach Frankfurt als außerordentlicher Professor gewirkt hatte. Auch die Philosophische Inkultät ist des Dekans des letzten Amtsjahres beraubt worden. Zn Friedrich Panzer, der dem Heidelberger Lockruf nicht gat wioer- stehcn können, verlieren wir einen Kollegen, dem die Universität nicht nur für seine Lehr- und Forschertätigkeit, sondern auch für hingebungs­volle Arbeit auf dem Gebiet der akademischen Selbstverwaltung zu besonderem Danke verpflichtet ist. Aus der Philosophischen Fakultät ist ferner der außerordentliche Professor der alten Geschichte, Wilhelm Weber ausgetreten, der einem Ruf als Ordinarius an die Tübinger Universität Folge leistete. Die Naturwissenschaftliche Fakultät hat m ^ der Person Max von Laue's, des Nobelpreisträgers, eine ihrer Zierden an die Berliner Universität abgegeben, und die Wirischafts- und Sozialmissenschaftliche Fakultät hat einen schmerzlichen Verlust eclitten durch die Uebersiedelung Ludwig Pohle's an die Leipziger Universität, wo er einst als Privatdozent seine akademische Laufbahn begonnen hatte. Die Fakultät ehrte den scheidenden Kollegen durch Ernennung zum Ehrendoktor der Staatswissenschaften. Auch die U n i - versität hat alle Ursache seiner in Treue zu gedenken. Er hat an der Ucberleitung von der Akademie in die Universität hervor, ragenden Anteil genommen und im Geschäftsjahr 1915/16 das Rek­torat der Universität bekleidet. —

Der Verlusten, von denen bisher ausschließlich oie Rede war, steht auf der andern Seite im Personal der Universität ein erfreulicher Zuwachs gegenüber. Das Amt des Oberpräsidenten unserer Provinz, mit dem herkömmlicherweise die Stelle des Staats­kommissars der Universität verbunden ist, übernahm der ehemalige Staatssekretär Exzellenz Or. Schwand er, und wir begrüßen seine Ernennung in der Hoffnung, daß die engen Beziehungen, die zwischen der Universität und seinen Amtsvorgängern bestanden haben, sich auch zwischen ihm und uns einstellen werden.

In das Kuratorium der Universität trat als stellvertretender Vorsitzender der frühere Regierungspräsident Exzellenz ^on Stein- m e i st e r ein. Zur Entlastung des mit einer Fülle anderweitiger Amtsgeschäfte beschwerten Vorsitzenden wurde Exzellenz von Stein­meister mit der Leitung der laufenden Kuratorialgeschäste betraut, und wie wir Herrn Oberbürgermeister Voigt von Herzen Dank dafür wissen, daß er trotz der in den letzten Jahren an seine Arbeitskraft gestellten übermäßige» Anforderungen den an unserer Universität über­nommenen Pflichten die Treue gewahrt hat, so danken mir Exzellenz v. S t e i n m e i st e r, daß er seine in der Staatsverwaltung erprobten Kräfte in selbstloser Weise in den Dienst unserer Korporation ge­stellt hat, die seiner Amtsführung mit großem Vertrauen und mit den besten Segenswünschen entgegensieht. Zu Mitgliedern des Großen Rates bezm. des Kuratoriums wurden auf die frei gewordenen Sitze ferner neu gewählt die Herren Studienrat Or. Voller, Direktor Alfred M c r t o n , Bankier M a j e r, Iustizrat Or. Sieger, Re- gierungsbaumcister W o l f s k e h l, Kommerzienrat Laden bürg, Bankier Otto Hauck und die Stadträte Bleicher und .Henges­bach. Die durch den Tod Dornfeld's vakant gewordene Stelle des Kuratorialsekretärs wurde Herrn Kassenkontrolleur Koch von der Marburger Universität übertragen. Für Herrn Oberlandesgerichtsrnt Kadgien ist Herr Landgerichtsdirektor Or. Hertz in Frankfurt a. M. zum Universitätsrichter ernannt worden.

Die Rechts wissenschaftliche Fakultät, die in den ersten Jahren ihres Bestehens besonders schwer vom Schicksal heim- gesucht wurde, ist erst in den Berichtsjahren zur vollen Besetzung ihrer planmäßigen Professuren gelangt, indem auf die Lehrstühle des Bürger­lichen Rechtes und des Prozeßrechtes die Professoren T i g e aus Döttingen und Pagenstecher aus Halle und auf die erledigten Extraordinariate fiir Straftecht und Römisches Recht die Professoren Max Ernst Mayer aus Straßburg und Emst Levy aus Berlin be­rufen wurden. In der Medizinischen Fakultät erhielt das freige­wordene Ordinariat für Chirurgie.der ordentliche Professor Schmie­den aus Halle und Gas Ordinariat für Anatomie zu unserer aber Freude der bisherige Extraordinarius < unserer Universität Hans B1 u n t s ch l i. Die von Herrn Kollegen L u d l o f s innegehabte ordentliche Honorarprofessor für orthopädische Chirurgie ist in eine

ordentliche Professur umgewandelt worden. Der Direktor des Instituts für experimentelle Therapie in Frankfurt a. M., Geheimrat Prof. Dr.

K o l l c und der Professor der Gynäkologie Hermann Freund von der Straßburger Universität wurden zu ordentlichen Honorarprofessoren, .Professor Loos zum außerordentlichen Professor der Zahnheilkunde ernannt. In die Philosophische Fakultät trat als Ordinarius für alte Geschichte Professor Matthias G e l z e r aus Straßburg und als außerordentlicher Professor für indogermanische Sprachwissenschaft der Goettinger Privatdozent Or. L o m m e l ein. Der Privatdozent Professor Or. Feodor Schneider erhielt ein neucrrichtetes Ertra- ordinariat für historische Hilfswissenschaften. Zu ordentlichen Honorar­professoren in derselben Fakultät wurden der Gymnasialprvfessor Wilhelm H e r a e u s für Vulgär und Mittel-Latein, der Direktor des bistori­schen städtischen Museums, Bernhard Müller, fiir deutsche Alter­tumskunde und Or. Wilhelm Bang Kaup in Darmstadt für ver­gleichende türkische Sprachwissenschaft, zum außerordentlichen Hvnvrar- piofcssol für Musikwissenschaft der Privatdozent Or. Moritz Bauer ernannt. In der Naturwissenschaftlichen Fakultät wurde 1 Professor Norbert Krebs aus Würzburg auf den durch den Tod Emil Deckert's verwaisten Lehrstuhl für Geo­graphie, Professor Max Born aus Berlin auf die durch den Weggang Max von Laues freigewordene Professur für theoretische Physik und Professor M a n n i ch aus Göttingen für chas Fach der pharmazeutischen Chemie Gerufen, und wurden der außerordentliche Professor Dre ve r ma n nljum ordentlichen Professor, die Privatdozenten Tillmans und Brandt zu außerordentlichen Professoren, der Privatdozent Professor Fritz Mayer zum außer­ordentlichen Honorarprofessor befördert. Die Wirtschafts- und Sozial wissenschaftliche Fakultät gewann als Nachfolger für Ludwig Pohle den Breslauer Ordinarius Adolf Weber. I>^M. folge der von Herrn Konsul Kotzenberg in hochherziger Weise gc^R^> stifteten Mittel konnte im Haushaltsplan der Fakultät eine ordent­liche Professur für Soziologie errichtet werden, auf die Professor Or. Franz Oppenheimer aus Berlin berufen wurde. Der außer­ordentliche Professor Emst Pape wurde zum ordentlichen Professor, der Privatdozent Or. Aloys Kraus zum außerordentlichen Professor, der außerordentliche Honorarprofessor Or. Heinrich Becker zum or­dentlichen Honorarprofessor derselben Fakultät ernannt.—

Die Einrichtung der beauftragten Lehrkräfte, durch welche sich Männer des praktischen Lebens neben den Universitäts­professoren am akademischen Unterricht beteiligen, ist auch in den Berichtsjahren weiter ausgebaut worden. Wir danken allen, die sich auf diese Weise in den Dienst unseres Lehrbetriebs gestellt haben und freuen uns ihrer wertvollen Mitarbeit, die unseren Lehrplan nicht nur um wichtige Spezialfächer bereichert, sondern auch die Verbindung von Wissenschaft und Praxis aufrecht erhält, in welcher der gleich­zeitig in die Tiefe und in die Weite wirkende Charakter unserer Großstadt-Universität zum Ausdruck kommt. Und mit Genugtuung konstatieren wir, daß wir im letzten Jahre auch einen U n i o e r - sitätsmusikdirektor, einen U n i v e r s i t ä t s f e ch t m ei fter und einen Universitätsturnlehrer und ebenso Lehrer für die verschiedenen Systeme der Stenographie bekommen haben.

Mit besonderem Stolz aber erfüllt es uns, daß unsere juycn^^^' liche Hochschule schon auf einen so stattlichen akademischen Na ciM» wuchs blicken darf. Trotz aller erschwerenden Umstände, die oer Krieg mit sich brachte und trotz aller Zeitereignisse, die der Ver­tiefung in wissenschaftliche Arbeit wenig förderlich waren, ist die Zahl unserer Privatdozenten auf 73 gestiegen, wovon allein 13 auf die medizinische Fakultät entfallen. Es ist dies ein schöner Beweis für de» trotz aller Not der Zeit nicht ausgestorbenen Idealismus der jüngeren Generation, und wir begleiten die weitere Laufbahn der hoff­nungsvollen und wissenschaftlich schon zum großen Teile verdienten Männer mit den besten Segenswünschen. Freilich stellt die künftige Ausgestaltung der akademischen Laufbahn alle beteiligten Faktoren vor ernste Probleme. Dabei bereiten die auf eine intensivere Ein­gliederung in die akademische Hierarchie gerichteten Wünsche der Nicht­ordinarien noch die geringsten Schwierigkeiten. Ueber die hier ein­schlägigen Punkte ist in ausführlichen, von gegenseitigem Vertrauen getragenen Kommissionssitzungen zwischen den Vertretern der Ordi­narien, der Extraordinarien und der Privatdozenten unserer Univer­sität leicht eine Verständigung erzielt worden. Und wir haben in unseren Sitzungsprotokollen und den sie ergänzenden Boten der in Betracht kommenden Körperschaften wertvolles Material für die in Aussicht genommene Reform der Hochschulverfassung der Regienmg einsenden können. Die wirklichen Probleme beginnen erst mit der Frage nach der materiellen Lage der Prioatdozenten und den Maßnahmen, die ergriffen werden können, damit auf der einen Seite di« Habilitation nicht ein Reservatrecht der Reichen werde, aus der andern Seite durch Gewährung fester Bezüge der Etat der