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die uns in diesem Kriege zum Verderben geworden ist, ourch intensivere Auslandsstudien zu ersetzen. Eine bedeutsame Rolle ist dabei dem in Verbindung mit der Universität ins Leben gerufenen „I n ° stitut für Kultur und Wirtschaft des Orients" zuge- fallen. In der Rechtswissenschaftlichen Fakultät werden die Vorbe­reitungen zur Gründung eines Instituts für Rechtsoer­gleichung getroffen, soweit die verfügbaren Mittel die Verfolgung des Planes zulassen. In der Philosophischen Fakultät ist in An­lehnung an das Germanistische Seminar ein Th e ater wi iseli­sch a f t l i ch e s Institut im Entstehen. Zur allseitigen Freude haben wir in diesem Jahre den unter schwierigen Verhältnissen zu Ende geführ­ten Neubau des Chemischen I n ft i t u t s seiner Bestimmung über­geben und damit der Wissenschaft, die ihren kühnen Flug gleichmäßig auf d>e höchsten praktischen Ziele, wie auf die tiefste und letzte theoretische Erkenntnis richtet, ei» Heim geschossen, wie es nur wenige deutsche Uni­versitäten besitzen. Und auch zur körperlichen Ertüchtigung unseres Volkes ist unsere Universität bereit gewesen, ihr Teil beizutragen durch Einrichtung von Kursen, in denen Studierende die praktische und theoretische Ausbildung zu Turnlehrern empfangen. Oie Durchführung dieser und mancher anderen Aufgaben beanspruchte natürlich erhebliche Mittel. Die auf ihre Bewilligung gerichteten Wünsche haben beim Kuratorium und dem Großen Rat stets weitgehendes Verstänonis, und, soweit es die Verhältnisse gestatteten, Befriedigung gefunden. Es ist mir ein Bedüifnis, den Mitgliedern beider Korporationen für alle selbstlose Arbeit, die sie in diesen Jahren im Dienste unserer Hochschule geleistet haben, unseren warm empfundenen Dank auszusprechen. Mögen sie den Lohn für alle auf sich genommenen Mühen in dem Bewußtsein finden, der Lehre und Forschung an einer aufblühenden Hochschule die Wege geebnet zu haben. Freilich wird es auch weiterhin noch neuer be­trächtlicher Mittel bedürfen, wenn unsere Universität mit den Schwcsteranstalten in ihrer Entwicklung gleichen Schritt halten soll. Als Stiftungsuniversität kann sie auch in Zukunft der warmherzigen Für­sorge der Kreise nicht entbehren, deren Gemeinsinn sie ins Leben ge­rufen hat. Um sie recht fest im Frankfurter Boden M verankern und in dauernde persönliche Fühlung mit den Angehörigen oer verschiedensten Berufsstände zu bringen, ist heute vor einem Jahre eine Vereini­gung von Freunden und Förde re rn der Universität Frankfurt ins Leben gerufen worden, die infolge der Ungunst der Zeiten noch nicht die Tätigkeit hat entfalten können, die sie sich vor- gesctzt hatte. Aber auch ohne solche Tätigkeit hat unser Stifiungsvermögen aus den letzten drei Jahren eine Reihe neuer beträchtlicher Zu­wendungen zu verzeichnen. Und selbst auf die Gefahr hin, damit nickt im Sinne der hochherzigen Stifter zu handeln, möchte ich auch an dieser Stelle bekunden, wie vielen Dank die Universität ihren treuen Freunden, wie Herrn Konsul Kotzenberg, Frau Robert Flcrs- heim und Herrn Martin Flersheim, Herrn Stadtrat Or. de N e u f v i l l e, Herrn Professor Darmstaedter, Herrn Or. Löw - Beer, Herrn Karl K l i n g s p o r , Herrn Ludwig Fade, Herrn Albert Wolf, Herrn Baurat K ö st e r , Herrn Bankier L a d e n b u r g , Herrn Or. v. Meister, Frau Iustizrat E l l i n g e r , dem Institut für Gemeinwohl und einer Reihe von industriellen Unternehmungen wie Leopold Cassella & Co., den Höchster Farbwerken, der Deutschen Gold- und Silbers cheidean st alt, dem H e d - dernheimer Kupfer werk, den Schriftgießereien Stempel und Bauer für namhafte, in den letzten drei Jahren zu wissenschaftlichen Zwecken gespendete Beträge schuldig ist. Und nicht unerwähnt lass.n möchte ich in diesem Zusammenhang, daß mir im vorigen Jahre aus der Mitte der Studentenschaft in besonders sinniger Weise von einem Geber, der um Wahrung der Anonymität ausdrücklich gebeten hat, eine Summe zur Begründung einer a k a d e m i s ch e n A u s k u n f t s st e l l e oder ver­wandter studentisch-gemeinnütziger Zwecke ausgehändigt worden ist. Ein wertvoller silberner Ehrenschild, um den alljährlich von den Studenten Universität im turnerischen Wettkampf geworben werden soll, ist von Herrn und Frau Karl Maurer gestiftet worden. Mögen alle diese edlen Muster Nacheiferung finden! Durch nichts wird der Allgemeinheit besser gedient, als durch Spenden für die Wissenschaft: denn jede Gabe, die sic empfängt, vergilt sie hundertfältig durch Verbreitung neuer Er­kenntnis. —

Hochansehnlich« Versammlung! Ungeheuer sind die Umwäl- z u n g e n , die unser Staatswesen im vorigen Jahre erfahren hat. Aus Freiheit. Macht und Reichtum sind wir in Elend, Schmach und Knecht­schaft gesunken. Nur intensivste g e i st i g e und körperliche Ar­beit ist imstande, uns einer helleren Zukunft entgegenzuführen. Die deutschen Hochschulen können und werden hierbei die besten Pionier­dienste leisten, zu denen sie um so mehr berufen sind, als ihre Aufgabe lediglich in Erforschung und Uebermittlung von Wahrheit besteht, und diese Aufgabe nicht geknüpft ist an die jeweiligen Formen einer be­stimmten Staats- und Wirtschaftsordnung. Wir sind unserer Natur nach eine u n p o l i t i s ch e A n st a l t und dienen dem politischen Kampfe nur indirekt, indem wir durch Verbreitung von Bildung und Wissen seine

Waffen veredeln. Die Angriffe, die die Universitäten gerade deshalb aus Böswilligkeit oder Verständnislosigkeit erfahren, wissen sie mit Gelassenheit zu ertragen, und dürfen gegenüber dem Borwurf früh­zeitigen Alterns auf Leistungen Hinweisen, wie sie von keinem morschen

Organismus zu erzielen sind. Ihre Jahrhunderte alte Geschichte ist

nichts weiter als ihre fortschreitende Modernisierung und als unablässige Arbeit tm eigener Vervollkommnung. Der Universitäten innerstes Wesen aber verschließt ihnen Phrase und Schlagwort und verbietet ihnen

Früchte zu pflücken, ehe sie reif sind. Die Gefahr eines stagnierenden Quietismus war jedenfalls für uns nie kleiner als im gegenwärtigen Moment; um so ernster droht die andere, daß die Reform freudig- k c i t größer als die Reform bedürftig k eit ist.

Und nunmehr schreite ich zu meiner letzte» Amtshandlung, indem ich den Mann, den das Vertrauen der Kollegen für das kommende Uni­versitätsjahr zur höchsten Würde berufen hat, die wir zu vergeben haben, mit dem Zeichen der Amtsgewalt schmücke. Magnifizenz! Nach einem an Ereignissen ungewöhnlich reichen Amtsjahr lege ich das Schicksal unserer Hochschule, die heute in ihr zweites Lustrum eintritt, in Ihre Hände. Wir wissen, daß wir sie in keine besseren hätten legen können. Möge es Ihnen gelingen, unser kleines Schiff durch die noch immer aufgeregten Wogen der Gegenwart in ruhiges Fahrwasser zu steuern; möge die Frankfurter Universität auch unter Ihrer Leitung mutig aber stetig vorwärts und zugleich aufwärts schreiten!

ßaguft Knoblauch.

Ein Nachruf.

Von Prof. Or. F. D r e v e r m a n n. Es,

Am 24. August dieses Jahres starb der außerordentliche Professor der Klinischen Neurologie an der Universität Frankfurt und Direktor des städtischen Siechenhauses A u g u st Knoblauch »ach langem Leiden.

Sein Wirken als Arzt und Leiter des ihm unterstellten Kranken­hauses läßt sich in kurzen Worten dahingehend zeichnen, daß er dieses in wenigen Jahren aus kleinen Anfängen zu einer klinischen! Unterrichtsanstalt von anerkannter Bedeutung ent­wickelte, der schon lange vor der Gründung der Universität vom Minister die Berechtigung zur Aufnahme von Praktikanten erteilt wurde. Knoblauchs klinische Vorlesungen und Krankendemonstratinnen aus seinem Spezialfach (Krankheiten des Nervensystems und des Greisenalters), die er seit 1900 regelmäßig im Städtischen Kranken­haus abhielt, erfreuten sich allgemeiner Anerkennung bei hiesigen und auswärtigen Aerzten und gehörten bei der ausgesprochenen Lehrbe­fähigung Knoblauchs zu den bestbesuchten der hiesigen ärztlichen Fort­bildungskurse.'

Aber dieser Wirkungskreis liegt mir ebenso fern wie seine Vor- lcsungstätigkeit für die junge Universität und deshalb soll es nicht meine Aufgabe sein, darauf näher einzugehen. Vielmehr liegt mir daran, der, Verstorbenen in seiner Lieblingsschöpfung, seinem eigentlichen Element zu schildern — und das war das S e n ck e n b ^ gische Museum an der Viktoria-Allee.

Knoblauch und der S c n ck e n b e r g — das heißt: Knoblauch und seine Seele, seine Freude, sein Inner st es, Eigenstes, das heißt aber auch: der Senckcnberg und sein Haupt, sein Herz, sein geistiger Führer! Beide waren eins. Seit Knoblauch in die Senckenbergische Naturforsch ende Gesellschaft cingetreten war, waren beide unzertrennlich, durchdrangen sie sich förm­lich. Alles, was das Senckenberg-Museum angeht, verwuchs mit ihm und umgekehrt: jede freie Minute, jeder Gedanke, jede Faser von Knoblauch war Scnckenbergisch!

Wer die Geschichte des Senckenberg-Museums kennt, der weiß, daß es bis Ende der 80er Jahre stagnierte. Die großen Zeiten Nüppels und Hermann von Meyers waren vorbei; der anfängliche Schwung schlief ein. Es lag wohl in der Ungunst der Zeit, und man tut den verdienten Männern des vorigen Jahrhunderts bis nahe an sein Ende hin unrecht, wenn man das nicht anerkent. Aber sicher ist: den gewaltigen Aufschwung Deutschlands hat der Senckenberg zunächst nicht verstanden, er ist nicht aufgewacht. Da kam Knoblauch — und nun ging cs mit Riesenschritten vor­wärts! Alles, was nun folgte, die Neubaupläne, die Durchsetzung derselben mit Universitätsgedanken und der Neubau selbst, die Schaf­fung eines kleinen Beamtenstabes, der vorher völlig fehlte, die Auf­frischung des „Altmännerkollegiums", wie ein Spötter die Verwaltung des Senckenberg-Museums nannte — alles das ist sein Werk. Und derjenige, der mit ihm ging, der weiß, wie er arbeitete, wie die Sorgen manches Tages und vieler Nächte in seinem Werke stecken.- Unsichtbar, denn wenn so etwas einmal steht, denkt jeder, daß

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