mit amtlichen Mitteilungen öer Universität und ües Allgemeinen Studenten-Ausschusses zu Frankfurt am Main.
Schriftleiter:
Eduard Schreiber-Stoltze
Zrleörichstraße 34. Zernruf Taunus 3Y68.
Frankfurt a. M., den 5. Nov. 1819.
13. Heft im 5. Jahr.
Verlag:
Blazek & Bergmann
Goethestraße 34. Zernruf ftmt lfanfa 7370.
Zum Rektoratswechsel.
Jahresbericht des scheidenden Rektors Prof. vr. H. Titze.
Am Vormittage des 18. Oktober versammelten sich Dozenten und Stu- deuten der Universitär Frankfurt a. M. in der Aula zum Festakt des Rektor a t s w e ch s e l s, derin der llebergabe der goldenen Amtskette an den neuen Rektor Herrn Geh. Reg.-Ral Prof. vr. R. Kautzsch, seinen symbolischen Ausdruck fand. Der scheidende Rektor, Herr Prof, vr H. Titze, nunmehriger Prorektor der Universität, erstattete den üblichen Jahresbericht, den wir in Nachfolgendem wortgetreu wiedergel«n. Er darf mit Rücksichi auf die neuen Probleme, die der Krieg und vor allem die Nachkriegszeit auch für die Univüsitäten, heraufbeschworen, und denen cs Rechnung zu tragen galt, ein erhöhtes Interesse beanspruche», umsomehr, als dieser Jahresbericht nicht nur die Schicksale der Frankfurter Universität im abgelaufenc» Amtsjahr des Herrn Pros Titze umspannt, sondern auch über die beiden voraugegangenen tliriegsjahre berichtet, ^a sich damals der Wechsel des Rektorats in dem Ernste der Zeit angemessener Mülle vollzogen hatte. — Dies lehrt der Bericht: So viel des beides auch die ^Lagc schwerster Prüfung unserer Frankfurter Hochschule gebracht haben, strebte doch die Kurve d r Entwicklung im Ganzen auswärts. Allen Gewalten zum Trotz hat sie sich nickt nur erhalten, die außerordentlichen Aufgaben, die Krieg und Folgezeit stellten, nicht nur vollauf erfüllt — Neues und Wertvolles ist geschaffen worden, nicht zum wenigsten in sozialer, orgaitisatorischer und spezifisch wiffenschaftlicher Hinsicht. Alsschönes Zeugnis der Anerkennung der geleisteten 'Arbeit darf die stets wachsende Besuchs z iss er hingenonimen werden, eine Zahl von nahezu 4000 Studenten, die die Universität Franks rt hinsichtlich der Frequenz in die erste Reihe der deuischen Hochschulen stellt. Redaktion.
Hochverehrte Anwesende!
Obwohl unsere jugendliche Hochschule — schon nicht mehr die jüngst: unter den deutjchen Universitäten — am heutigen Tage auf eine fünfjährige Bergan gen heil zurückbuckt, begeht sie doch erst zuln dritten Male üeii jährlichen Rektoratswechiel ili öffentlicher Feier. Da er sich die letzten beiden Male in der Stille der Amtsstube vollzogen hat, liegt es mir heute als scheidendenl Rektor ob, nicht nur über mein eigenes aögelaujeiies Amtsjahr, sondern auch über die meiner beiden Amtsvorgänger zu berichten. Freilich erscheinen sie belanglos, die Erlebnisse unseres Kleinen Gemeinwesens, wenn man sie inmitten der weltgeschichtlichen Begebenheiten betrachtet, deren Zeugen wir in diesen Fahren gewesen sind. Aber dennoch darf ich sie in Kürze vor den Augen eines Publikums »rrüberziehen lassen, das durch fein Erscheinen am heutigen Tage W erkennen gegeben hat, daß es auch gegenüber den Ereignissen der großen Welt sich ein freundliches Interesse für das Schicksal unserer Hochschule bewahrt hat.
Unser erster Gedanke gilt unseren .T o t e n. 108 Studierende der Unirersität und 28 der ehemaligen Akademie, 6 unserer Lehrer und 6 unserer Beamten sind dem unseligen Kriege zum Opfer gefallen. Was wir ihnen danken, und was mir ihnen schuldig sind, hat die Universität in ihrer am 30. Mai dieses Jahres in der Paulskirche abgehaltcnen Gedächtnisfeier zum Ausdruck gebracht, lieber die Flamen unserer Helden geben die Wände der Borhalle unseres Gebäudes Auskunft, bis wir einmal hoffen dürfen, diese schlichten 'Aufzeichnungen durch eine würdigere Ehrentafel von Künstlers Hand zu ersetzen.
Aber auch unabhängig vom Kriege haben wir in den letzten drei Jahren schmerzliche Verluste durch Todesfälle erlitten. Die Medizinische Fakultät ist in Ludwig Edinger, dem geniale» Begründer des Neurologischen Instituts, eines ihrer hervorragendsten Mitglieder beraubt worden, für das sie einen Ersatz bisher noch nicht gefunden.hat und im vollen Umfang wohl auch gar nicht finden kann. Und vor wenigen Wochen erst starb nach langer Krankheit der auf verwandtem Gebiet arbeitende Leiter des städtischen Siechenhanses am Sandhof August Knoblauch. Und im Juli dieses Jahres löschte ein früher Tod das Leben Ernst Teichmanns aus, das seinen Träger in unermüdlichem Forscherdrang vom Lizenziaten der Theologie zum Privatdozenten für Medizinische Zoologie geführt hat. Die Naturwissenschaftliche Fakultät trauert um die glänzende Persönlichkeit des ihr jäh entrissenen Henrik Borke. In der Wirtschafts
und Sozialwissenschaftlichen Fakultät starb der ordentliche Honorarprofessor für Ethnographie, Bernhard Hagen, der sich durch das von ihm ins Leben gerufene Museum für Völkerkunde ein dauerndes Denkmal in Frankfurt gesetzt hat, und der außerordentliche Honorarprofessor für Wirtschaftsgeschichte, Alexander Franz, dem cs infolge seines frühen Todes und'des ihm voraufgegangenen Kriegsdienstes nicht vergönnt gewesen ist, die ihm hier übertragene Pro- 0 fessur faktisch auszuüben. Endlich fei aus dem Lehrkörper noch des Lehrers der Sprechkunde Paul F u g e l gedacht, den der Tod im vorigen Jahre von standhaft ertragenem qualvollen Leiden befreite. — Auch das Kuratorium der Universität ist von schweren Verlusten heimgesucht worden. Im Dezember 1916 wurde sein stellvertretender Vorsitzender, Wilhelm Mcrton, aus einem an Arbeit und Erfolgen ungewöhnlich reichen Leben abgerufen. Nächst Adickes verdankt die Universität wohl keinem Manne so viel wie-ihm. Zur dauernden Erinnerung an ihn wurde im Sommer vorigen Jahres an seinem 70. Geburtstag im Treppenhaus vor der Aula seine von Professor K l i m s ch ausgeführte und von Mitgliedern des Großen Rates und des Lehrkörpers gestiftete Büste ausgestellt. Das Jahr 1917 entriß dem Kuratorium die Mitglieder Geheimrat Bode und Geheimrat B rau n. - f e l s, und im Jahre 1918 verschieden Generalkonsul non Metzler und der Ehrendoktor der Rcchtswissenschaftlichen Fakultät Carl Fun ck. Während der Sommerferien des vorigen Jahres starb unerwartet im besten Mannesalter an den Folgen eines Zchlaganfalls der Sekretär des Kuratoriums August Dornfeld. Endlich hat der Tod auch die Reihen der Männer und Frauen gelichtet, die, ohne an der Verwaltung der Universität beteiligt gewesen zu sein, durch ihre Freigebigkeit seinerzeit die Gründung unserer Hochschule ermöglicht haben. Wir gedenken des Heimgangs von Frau Ida Braun- f e l s, Frau Beit von Speyer, Frau Martha Gans, Frau Di'. K i r chheim , Geheimrat Ludo Mayer und Geheimrat Dr. Varrentrapp und des in diesem Jahre verstorbenen Geh. Sanitätsrats Dr. Bardorff, der sein ganzes in angestrengter ärztücher Tätigkeit erworbenes Vermögen der Universität für wissenschaftliche Zwecke vermacht hat.
Wir behalten die Name» aller unserer Toten >.n dankbarem Gedächtnis. Ich bitte Sie, sich zu ihren Ehren von Ihren P'ätzcn zu erheben. —
Nicht nur der Tod hat uns von lieben Mitarbeitern getrennt. Auch zu Lebzeiten ist eine ganze Reihe von Mitgliedern aus unserer Korporation ausgeschicden. Was zunächst den Verwaltungskörper der Universität angeht, so hat sich im Jahre 1917 der Obcr- präsident unserer Provinz Exzellenz 5) e n g st e n b e r g, der als Erster das Amt eines Staatskommissars unserer Universität bekleidete und ihr in der Zeit ihrer Gründung ein freundlicher und einsichtiger Berater war, in das Privatleben zurückgezogen. Die Philosophische Fakultät zählt ihn zu ihren Ehrendoktoren. Sein von uns mit besonderer Freude begrüßter Nachfolger, der ehemalige preußische Kultusminister Exzellenz von Trott zu Solz hat vor wenigen Monaten die von ihm inne gehabten Staatsämter niedergelegt. Als Chef des beteiligten Verwaltungsressorts hat er bei der Verwirklichung des Frankfurter Universitätsplanes eine führende Rolle gespielt und dem Gedanken einer preußischen Stiftungsuniversität allen Widerständen zum Trotz mit der ihm eigenen Zielsicherheit zum Siege verholfcn. Wenn ihm die Philosophische und Naturwissenschaftliche Fakultät den Ehrendoktor verliehen, so haben sie damit nur den unauslöschlichen Dank zum Ausdruck gebracht, dsn die gesamte Universität diesem hervorragenden Manne schuldig ist. Aus dem Großen Rat bezw. dem Kuratorium der Universität schieden satzungsgemäß aus die Herren Geheimrat von Passavant, Bürgermeister Luppe und Stadtrat Meckbach. Und aus Gesundheitsrücksichten hat der von uns allen hochverehrte Oberlandesgerichtsrat Kadgien die ihm