Garten kamen hinzu. Diese stille Welt gestaltete Knoblauch, ungehemmt seiner Natur folgend, so aus, wie er sie haben wellte. Ganz allmählich Stü-ck um Stück schuf er Einrichtungen und Ordnungen, die das Siechen­haus den hilflosen Geschöpfen, die es bewohnten, zu einer geliebten Heimat machten. Darin bestand das Wesentliche seiner Therapie. Er legte von jedem Kranken lange Jahre hindurch eigenhändig sorgfältige, j meisterhafte Krankengeschichten an, photographierte, zeichnete, mik­roskopierte und brachte so eine kostbare Sammlung neurologischer Lehr­mittel zusammen, die er zum Werkzeug seiner starken Lehrbegabung mach­te. Jeder Tag brachte eine Lehrstunde für seine Assistenten- Seit 1901 hielt er auch Fortbildungskurse für Aerzte ab. Er war seiner geistigen Beschaffenheit nach stark konservativ gerichtet. Ohne irgend wie negativistisch zu sein, hatte das wissenschaftlich Gefestigte, in seiner Bedeutung bereits Erkannte mehr Anziehungskraft für ihn, als das noch Problematische. Er liebte die Neurologie in der Gestalt, die ihr die grossen Meister der Generation vor ihm gegeben hatten, und hütete die scharfen Linien neurologischer Krankheitsbilder vor impres­sionistischer Auflösung. So wurde seine wissenschaftliche undmlitera- rische Tätigkeit mehr sammelnd und pflegend, als eigentlich schaffend. Als Frucht dieser Arbeitsweise erschien 1909 sein: »Atlas und Klinik der chronischen Krankheiten des Zentralnervensystems», ein Werk, das die Zeit in seinem Viert nicht mindern wird. Es ist seit seinem Ersehe! nen eine Fundgrube vorbildlicher Krankenabbildungen und Schemata für andere Autcren geworden. Es ist wie alles, was Knoblauch schrieb, in klarem edlem und leicht lesbarem Deutsch angefasst.

Aber so wenig hold er der ärztlichen Entdeckertätigkeit im all­gemeinen war, einmal ergriff ihn doch die Leidenschaft des Forschers. Sein Assistensarzt Ewald zeigte ihm eines Tages das mikroskopische Präparat eines myasthenischen Muskels, der intra vitam exzidiert war. Er machte seinen Chef darauf aufmerksam, dass auffällig viel »helle» Muskelfasern in dem Schnitte zu sehen seien. Es stellte sich bald her­aus, dass die hellen Faserschnitte mit den »hellen» Muskelfasern der Physiologie nichts zu tun hatten, dass es sich um zufällige Kontrak­tionszustande handelte. Aber die falsche Deutung des Bildes erleuchtet Knoblauch blitzartig mit einer bestrickenden Hypothese die geheimnis­volle Pathogenese der Myasthenie. Die Physiologen unterscheiden »helle und »dunkle» oder »trübe» Muskelfasern. Die hellen sind leicht reiz-