die Grundzüge dieser gemeinnützigen Bildungs-Anstalt, meiner letzten Lebensarbeit, testzulegen.
Nachdem ich jetzt mein akademisches, seit 48 Jahren innegehabtes Lehramt an der Universität Jena niedergelegt habe, nehme ich zugleich Abschied von den zahlreichen Lesern meiner Schriften und von den wohlwollenden Förderern meiner Arbeiten. Beim Abschlüsse meiner langen, mühsamen und kampfbewegten Lebensarbeit muss ich es dankbar als besonderes Glück betrachten, dass es mir vergönnt war, in dem grossen Kampfe der Weltanschauungen zur wissenschaftlichen Begründung und weiten Verbreitung des lichtbringenden Entwickelungs-Gedankens beizutragen. Nach wie vor bin ich fest überzeugt, dass nur auf diesem Wege die Befreiung der denkenden Menschheit von den Ketten der Unwissenheit und des traditionellen Aberglaubens erreicht werden kann. Nur durch die voraussetzungslose Natur-Erkenntnis werden wir zur reinen Wahrheit gelangen, und indem wir mit dem Besitze des Wahren den Genuss des Schönen und das Streben nach dem Guten verbinden, zu jener einheitlichen und vernunftgemässen Weltanschauung, deren höchstes Ziel die monistische Religion bleibt.
ERNST HAECKEL.