Unter dem unmittelbaren Eindruck der Feier, die die Senckenbergisehe Naturforschende Gesellschaft zu Goethes 150. Geburtstag am 25. August 1899 veranstaltet hat, war die Absicht laut geworden, in einem Saale unseres geplanten Neubaues Goethes Büste aufzustellen und zwar im Hinblick auf die wichtigen vergleichend anatomischen Arbeiten Goethes über das Skelett der Wirbeltier e, in demjenigen Saale des neuen Museums, in dem unsere Skelettsammlung Aufstellung finden sollte. Wenige Tage später, am 30. August 1899, hat die Kaiserin Friedrich, die hiervon Kenntnis erhalten hatte, die Absicht geäussert, diese Goethebüste zu stiften. Seitdem haben wir jedoch eingesehen, dass es sich nicht empfehlen würde, unser damaliges Vorhaben auszuführen. Den Fachgelehrten sind Goethes Verdienste um die vergleichende Anatomie des Wirbeltierskeletts bekannt, nicht aber der grossen Menge der Besucher eines naturhistorischen Museums! Wir können wohl die Büste eines Carlo von Erlanger in Mitten der von ihm gestifteten Vogel Sammlung, die Büste eines Albert von Reinach, der sich um die Geologie des Taunus besonders verdient gemacht hat, in unserer geologischen Schausammlung aufstellen - es sind Gelehrte, deren Namen das grosse Publikum nicht kennen gelernt hat und deren Bedeutung für die besonderen Teile unserer Sammlung, in deren Mitte ihre Büsten aufgestellt sind, ohne weiteres aus dem Standort derselben geschlossen werden wird. - Was sollte sich aber die Menge darunter denken, wenn wir die Marmorbüste des grossen Dichterfürsten inmitten von Gerippen aufstellen würden! So mussten wir diesen ursprünglichen Plan fallen lassen, und da ausser den Schausammlungsräumen in unserem Museup nur Treppenhaus und Festsaal der Öffentlichkeit zugängig sind, ist zunächst die Frage erörtert.iworden, ob die geplante Ehrung Goethes etwa durch Aufstellung seiner Büste im Treppenhaus oder im Festsaal zur Ausführung kommen sollte. Von beiden ist Abstand genommen worden, da es die Pietät erforderte, im Treppenhaus die