Der JHe&ensgang des Präkuten Dr. ü. Schmitt.

Ter hochwürdige Jubilar, der heute auf eine fünfzig­jährige von reichem Segen beglückte Dienstzeit zurückblickt, gilt in Stadt und Land als Ehrenmann im ganzen Sinne dieses Wortes. Die evangelische Gemeinde und die Stadt Mainz, Rheinhessen und die beiden anderen hessischen Provinzen, Staats, Kirche und Schule, Freunde von Nah und Fern bringen für das heute zu feiernde 50jährige Dienstjubiläum des Großh. Prälaten und ersten evangelischen Pfarrers zu Mainz Anerkennung, Liebe, Dank und Hoch­achtung, und begrüßen freudigst diesen Tag, um dem In Haber der höchsten kirchlichen Würde, dem durch die Arbeit eines laugen Lebens erprobten und bewährten Ehreninaune die wohlverdiente Ehre zu bereiten. Es dürfte darum all' seinen Verehrern der ganzen evangelischen Gemeinde, den Bürgern der Stadt Mainz und den Gliedern der evange­lischen Landeskirche von großem Interesse sein, den Lebens­gang des hochwürdigslen und hochverdienten Jubilars in kurzen Zügen kennen zu lernen. Des Jubilars Jugend und Hei- math führt uns in das althessifche Land, wo die Katten gewohnt und einst die Grenze zwischen beiden Hessen ge­wesen. Am 25. Januar des Jahres Christi 1804 wurde er zu Rieder-Ofleiden (Kreis Alsfeld) als der Sobn des Rentmeisters und Gutsbesitzers Friedrich Schmitt und seiner Ehefrau Luise geb. Embdt geboren. Bei der bald nach der Geburt vollzogenen heil. Taufe erhielt er die drei Namen Karl Georg Friedrich. Drei Geistliche, Pfarrer G. Grebe von Schweinsberg, Inspektor Fr. Soldan von An­gersbach und Pfarrer Karl Soldan von Rüsselsheini, waren seine Pathen. Diese drei Pathen darunter Zwei würdige Träger eines in unserem engeren Vaterlande von Alters her hochgeachteten, um Kirche und Schule verdienten Namens waren Zeugen dieser heil. Handlung und im prophetischen Geist weissagte der Zweite von diesen Dreien auf des Ersten Frage, was cinit aus diesem Kindlein werden solle":Er wird Pfarrer", und der Dritte fügte hinzu:Nicht blos Pfarrer, sondern Superintendent muß er werden", damals die höchste Würde unserer evangelischen Landeskirche. Nachdem der also für hohe Würden bestimmte Knabe in des kleinen Dörfleins Stille, im Kreise seiner Geschwister, unter den Augen liebender und geliebter Eltern der Kindheit schöne Zeit verlebt, zogen die Eltern im Jahre 1810 nach Gießen, um die dort für die Ausbildung der Jugend vorhandenen Anstalten zu benützen. In einer Privatlehranstalt daselbst vorbereitet, besuchte er sodann mit bestem Erfolg das damals nur vier Klassen umfassende dortige Großhcrzogl. Gymnasium und wurde am 22. Oktober 1821 als 8tmlio8us theologiae auf der alma mater Ludovieiana imatriculirt. Die trefflichen, nunmehr längst schon Heimgegangenen Professoren Dieffenbach, Kühn- öhl, Palmer und Schmidt waren seine theologischen Lehrer und gaben dem jungen strebsamen Mann nicht blos Be­geisterung für den erwählten Berns, sondern auch die theo­logische Richtung, während Privatdocent Dr. Seebold das Verdienst hatte, bei ihm das Interesse an dem Studium.der Philosophie zu wecken und zu fördern. Im Frühling 1823 bezog er die Universität Halle, wo er bei Gesenius, Kanzler, Niemeyer und Wegscheider theologische, bei Esch, Gerlach, Gruber und Maaß philosophische Collegia hörte. Zu Ostern 1824 von der an der Saale hellem Strande gelegenen Uni­versität, reich an Kenntnissen und an durch die Mitglied­schaft einer Verbindung gewonnenen Freunden, frisch, fromm, fröhlich und frei zuni Vaterhaus und zu der Landesuuiver- sität zurückgekehrt, bestand er die Facultätsprüfung und nach damaligem Gebrauch einige Woche später das Examen pro mini8terio; beides zu der Examinatoren vollster Zufrieden­heit und somit ihm selbst zur Ehre. Im Herbst desselben Jahres übernahm der junge Eandidat des Predigtamtes eine Hauslehrerstelle bei einem Forstbeamten zu Battenberg, zu­gleich dort öfters predigend, bis im Spütjahr 1826 er diese Stelle mit der Thütigkeit an einem Lehrinstitut zu Darm­stadt vertauschte, jedoch nur für einige Monate, indem er sehr bald wegen weiterer theologischen Studien nach Gießen zurückkehrte. Gegen Ende des Jahres 1827 wurde er zur Uebernahme eines Vicariats bei Pfarrer Rullmann in Ober- Widdersheim (Jnspectorat Echzell) aufgefordert. Jedoch vor dem Antritt dieses ersten kirchlichen Dienstes starb Pfarrer

Rullmann und somit wäre das ihm zugewiesene Vieariat zu Ende gewesen, wenn nicht die Kirchenbehörde verfügt ; hätte, den Vicariatsdienst in der gedachten Gemeinde dem- ungeachtet bis auf Weiteres zu übernehmen. Dieser Ver­fügung ward baldigst Folge geleistet, indem am 13. Januar . 1828 in der dortigen Kirche die Ordination stactfand und zwar durch den Jnspector Reuber, unter Assistenz des Pfar­rers Möbius von Geiß-Nidda und des Pfarrers Simon von Rodheim. Letzterer wurde wenige Jahre nachher Super­intendent der Provinz Oberhessen, später Großh. Prälat und wurde als solcher unseres Jubilars Amtsvorgänger. Trotz der innigeu Freundschaft, welche Beide verbündet, ist es dem in wohlverdienter Ruhe lebenden Prälat i. P. Simon wegen seines hohen Alters nicht vergönnt, an unserer und des Jubilars Feier persönlich theilzunehmen.

Das Pfarrvicariak zu Ober-Widdersheim war für un­seren Jubilar nur von kurzer Dauer: schon im Juni, also nach drei Monaten, ward er dem Oberpfarrer Sartorius au der ersten Pfarrei Schotten als Vicar beigegeben, in welcher Eigenschaft er bis zu dem im Mai 1830 erfolgten seligen Ende des Oberpfarrers Sartorius seines Amtes waltete. Darauf war er Vicar bei Pfarrer Fauerbach zu Nieder-Weidbach (Regierungsbezirk Wiesbaden) und zwar bis zum 2. Oktober 1832, an welchem Tage I. K. Hoheit Großherzog Ludwig ll. den Jubilar zum Pfarrer zu Hei­delbach bei Alsfeld allergnädigst ernannte. Hier verhei- rathete sich der Jubilar am 15. Dezember 1832 mit seiner noch lebenden Ehegattin Emilie geb. Jaeger. Aus die­ser Ehe wurden 5 Kinder geboren, von denen nur noch eine Tochter, die Ehegattin des Herrn Bezirks-Ingenieurs Opfermann zu Kirchheimbolanden, das Glück hat, den Ehrentag des Vaters mitzufeiern. Jedoch auch seine Thätig- keit zu Heidelbach tvährte nicht lange. In Folge einer im April 1835 zu Darmstadt gehaltenen Probepredigt bekam er durch die Gnade des Landesfürsten und das Vertrauen Großh. Oberconsistvriums die neu creirte Mitprediger­st c 1 l e au unserer Gemeinde mit deni Range und Charakter eines Pfarrers. Ter Antritt des neuen, eine lange Reihe von Ehren erschließenden Dienstes geschah am 25. Juni 1835, an dem denkwürdigen Tage, an welchem 305 Jahre zuvor am dem glänzenden Reichstage zu Augsburg unsere Väter ihr epochemachendes Glaubensbekenntniß überreichten. Zugleich wurde er zum ordentlichen Mitgliede der Schul- coinmisfion für den Stadt- und Landkreis Mainz ernannt, ein Amt, dem er seine Liebe, seine reiche Erfahrung Jahr­zehnte lang widmete. An der Seite des ehrwürdigen Su­perintendenten von Rheinhessen, des ersten evangelischen Pfarrers Friedrich Nonweiler, und in Gemeinschaft mit dessen als Pfarrgehülfe thätigen Sohnes Otto 'Non­weiler, zur Zeit Pfarrer der St. Ansgarigemeinde zu Bremen, arbeitete unser Jubilar mit der ihm eigenen Be- > scheidenheit und Gewissenhaftigkeit an der immer mehr cmporblühenden Gemeinde «nd fand nicht allein in der Liebe der Pfarrkinder, sondern auch in dem Vertrauen der Amtsbrüder, in der Anerkennung unserer höchsten Behörde reichen Lohn, indem nach des Superintendenten 'Nonweiler Pensionirnng im Jahre 1848 ihm das Vieariat der Su- ! perintendentur und nach dessen am 7. Mai 1850 erfolgten Tod durch Allerhöchstes Teeret vom 10. September 1851 die Iuperintendeytur der Provinz Rheinhessen und die erste evangelische Psarrstelle zu Mainz übertragen wurde. Die Liebe der Gemeinde und der Amtsbrüder hat er reichlich vergolten, das Vertrauen der Kircheubehörde dadurch ge­rechtfertigt, daß er als Superintendent, voranleuchtend der Geistlichkeit wie den Gemeinden, Gott zur Ehre und der ; Kirche zum Heil und Frieden eine segensreiche Thütigkeit entfaltete. Unser Jubilar war somit erster Pfarrer der Gemeinde Mainz, der erste Geistliche und würdige Ober­hirte der Provinz. Als bei Einführung der neuen Kirchen­verfassung unseres Großherzogs Gnade den durch sein Alter ' ehrwürdigen, durch sein ganzes Wesen allgeliebten Jubilar zum Mitglied des Kirchenregimentes mit dem TitelOber- consistorialrath" ernannte und ihm durch Allerhöchstes Decret vom 27. März 1874 die Würde eines Prälaten der evan- j gelischen Landeskirche, womit z. Z. Stimme in der ersten Kammer der Landstände und der evangelischen Landes­synode verbunden ist, allergnädigst verlieh, so war dies nicht