blos die Erfüllung eines Antrags unserer höchsten Kirchen­behörde, sondern alle, die den mit den höchsten Würden unserer Kirche geehrten Mann kannten, sprachen sicherlich: Er ist es Werth", und freuten sich darob von ganzem Herzen. Des Jubilars große Verdienste sanken aber auch noch andere Anerkennung. Von unsers Großherzogs Ludwig III. König!. Hoheit erhielt der Jubilar am 9. Juni 1855 das Ritterkreuz I. Kl. des Verdienstordens Philipps des Groß- müthigen, am 25. August 1867 das Ritterkreuz I. Klasse des Ludwigsordens, am 25. März 1872 das Comthur kreuz II. Klasse des Philippsordens, am 15. Juni 1860 von Sr. Majestät dem König Wilhelm von Preußen den königt. preuß. rochen Adlerorden III. Klasse und am 18. Ok­tober 1872 in Anerkennung der freiwilligen Leistungen bei der Pflege der Verwundeten und Kranken während des sieg­reichen Feldzuges 18701871 die Denkmünze von Stahl am Nichtcombattanten-Bande. Gelegentlich des 300jährigen Jubiläums des Augsburger Religionssriedens ertheilte ihm die hochwürdige theologische Facultät der Landesuniversität Gießen das Ehrendiplom einesDoctor der Theologie".

Trotz der vielen Arbeit in der Gemeinde und der so anstrengenden Visitationsreisen, fand der Jubilar doch noch Zeit, auch auf anderem Gebiete, so namentlich auf dem großen Feld der Naturwissenschaft thütig zu sein und zwar gleichfalls in hervorragender Weise. Könnte schon der Hin­weis, daß der Jubilar der Societe Vesalliemie in Brüssel, Linueenne in Stunt, der Oberhessischen, der Ofsenbacher, der Nassauer mib der Pfälzer naturforschenden Gesellschaft ein eifriges und vieljühriges Mitglied ist, das soeben Gesagte be­stätigen, so wird eine Mittheilung aus dem Ehrendiplom, dem Jubilar überreicht am 25. Juni 1875 von dem Vorstand der Rheinischen naturforschenden Gesellschaft, deren Präsident er gewesen und der er vier Jahrzehnte lang angchört, des i Jubilars Thütigkeit auch auf diesen! Gebiet verkünden. Es heißt in dem Ehrcndiplom:In dieser langen Periode haben Sie die Zwecke der Gesellschaft in mannigfachster Weise, insbesondere durch zahlreiche tvissenschaftliche Arbeiten 1 und Anträge auf das anregendste und erfolgreichste gefördert, und zum lebhaften Bedauern der Gesellschaft haben Sic durch vermehrte Amtsgeschäfte auf Ihre berechtigte Ehren- stellung an der Spitze verzichtet. Ihre Sammlimg, gleich unschätzbar durch Reichhaltigkeit, sorgfältige Bestimmung und Aufstellung erscheint als das Ergebniß eines ganzen Lebens mühevoller Arbeit und gediegener Forschung, die Ihrem Namen weit über die Grenzen der Heimath die verdiente Anerkennung erworben haben".

Das Studium im Reiche der Natur führte unseren Jubilar nicht von, sondern immer mehr zu Gott. Nicht blos in den Worten der heiligen Schrift und in dein Evan­gelium Jesu Christi, auch in der wunderbaren Mannig­faltigkeit der Natur erkannte er den allwaltenden, alllieben­den Vater, dessen Reich zu bauen unserers Jubilars heiliger Beruf und feines ganzen Lebens herrliches Ziel gewesen ist. Er ist tief durchdrungen von der evangelischen Wahrheit, die er vor der Gemeinde auf der Kanzel und an dem Altäre, in der Schule wie am Krankenbett bezeugte, und auf die er seines eigenen Lebens Halt baute. In seinen! Auftreten, durchleuchtet von dem Strahl der Gottes- und Menschen- liebe, ist milder Ernst und die Würde, wie sie dem Diener der Kirche zietut, der das Wort und die Sacramentc ver­waltet, gepaart mit der selbstvergessenden Bescheidenheit, der es ferne liegt, die eigene Persönlichkeit vorzudrängen und zur Geltung bringen zu wollen."

Dies ist in kurzen Zügen unseres Jubilars Lebens-, Segens- und Ehrengang.

Unsere evang. Gemeinde, die Stadt Mainz, die evang. Landeskirche bieten dem Jubilar heute, am Tage seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums, wohlverdiente Gaben und (Stirn Unsere Gemeinde segnet den Tag, an welchem er zrm ersten Male hier amtlich eingetreten, und hat davon an 25. Juni 1860 den schönsten Beweis gegeben, wie sie dm treuen Hirten und Seelsorger hochachtet und liebt. Mainzer Bürger aller Confessionen und aller Stände be­glückwünschen den hochwürdigsten Jubilar heute als den wahren Christen, den stets milden und gegen Andersgläubige und An­dersdenkende toleranten Prediger, und geben ihren Gesinnungen durch eine für alle Zeiten dauernde Prälat Schmitt-Stiftung

: Ausdruck. Die gesummte evangelische Landeskirche, das hohe Kirchenregiment und die Geistlichkeit, wie die Ihrer Ober­aufsicht unterstellten Gemeinden fühlen sich in des Prälaten ; Ehren selbst geehrt.

1 Gott erhalte den Jubilar noch recht lange, uns zum l Vorbild, der evangelischen Gemeinde Mainz zum Segen ! und der evangelischen Landeskirche des Großherzogthums i zum Heil!

(Nachdruck aus der mm Jubiläum erschienenen FestschriftDie evan­gelische Gemeinde Mainz, versaßt von Herrn A. Büttel, dritter evangelischer Pfarrer zu Mainz.)

FuchWahrlyrs Nenst-Jubiläum des Kirchenraths Mri>er.

Vor dem Schlüsse des alten Jahres feierte Herr Kirchen­rath Meyer, ein treuer Freund des Herrn Prälaten vr. Schmitt, zu Büdingen fein fünfzigjähriges Dienst-Jubiläum. Wir glauben im Sinne beider Jubilare zu handeln, wenn wir auf Grund des in derDarmst. Ztg." erschienenen Festberichtes Folgendes mittheilen:

Kirchenrath Meyer trat am 30. Dezember 1827 sein Amt als Pfarrer von Hain-Gründau an, von wo er schon 1830 nach Büdingen übersiedelte, um zunächst als zweiter, dann als erster Geistlicher alle seine Kräfte der Stadt zu widnten, in der er geboren war. Seit 1845 tvar er Decan des Decanates Büdingen, viele Jahre Mitglied der Kreis- fchulcommissioti, längere Zeit auch an dem in seiner Vater­stadt blühenden Gymnasium thätig. Als Mitglied der außer­ordentlichen und ersten ordentlichen Landessynode half er Mitwirken an dem äußeren Aufbau der evangelischen Kirche Hessens. In den verschiedenen Zweigen seiner Wirksamkeit bewies er sich zu allen Zeiten als ein überaus pflichttreuer, eifriger und gewissenhafter Mann, der Gemeinde als rechter Seelsorger dienend, den Geistlichen voranleuchtend als ein Muster der Amtstreue, wahrhaft frommen Glaubens, dabei der Milde und Versöhnlichkeit. Seine Verdienste hatten bereits früher Anerkennung gefunden, indem ihm das Ritter­kreuz erster Klasse des Philippordens und der Titel Kirchen­rath verliehen worden war. So nahte die Feier seines fünfzigjährigen Jubiläums; leider konnte diese für den sonst körperlich und geistig rüstigen Greis keine recht freudige fein. Im Dezember vorigen Jahres, bei der Synode in Dannstadt anwesend, wurde er an seinem 74. Geburtstage, in sein Logis zurückkehrend, von einem Wagen überfahren und erlitt einen Schenkelhalsbruch, in Folge dessen er noch gelähmt und nicht im Stande ist, ohne Hülfe von zwei Krücken sich fortzube- wegeu.

Von einer öffentlichen kirchlichen Feier des Jubiläums mußte daher abgesehen werden, trotzdem aber wurden ihm am 30. Dezember von allen Seiten Beweise der Anerkennung, der Liebe und Anhänglichkeit zu Theil. Seine Kgl. Hoheit der Großherzog hatte Allergnädigst geruht, zu den früheren Auszeichnungen die Verleihung des Ritterkreuzes erster Klasse des Ludwigsordens hinzuzufügen und war der Superinten­dent der Provinz Oberhessen, Herr Oberconsistorialrath Habicht, beauftragt, persönlich diesen Orden zu überreichen. Er vollzog diesen Auftrag in Gegenwart der Mitglieder des Kirchen- und Schulvorstandes, indem er nach einer längeren herzlichen und ehrenden Ansprache den Orden dem Jubilar einhändigte und zugleich die Glückwünsche des Obercon- sistoriums, sowie die warme Anerkennung der Verdienste des Jubilars seitmis dieser Behörde ausgesprochen und die Zu­schriften befreundeter Decane, darunter einen poetischen Fest­gruß von Herrn Decan Briegleb in Pfeddersheim, über­mittelte. Im Namen des Kirchen- und Schulvorstandes wurde Herr Kirchenrath Meyer darauf von Herrn Pfarrer Thylmann und im Namen der Stadt von Herrn Bürger­meister Hölzinger beglückwünscht. Unmittelbar daran schloß sich die Gratulation Sr. Durch!, des Fürsten zu Isenburg- ! Büdingen, seiner Gemahlin und Töchter, welche zugleich ! reiche Geschenke überbrachten. Freunde und Verehrer, Schüler ! und Schülerinnen des Kirchenraths, Staats- und fürstliche - Beamten folgten in großer Zahl, während von nah und fern Telegramme und Glückwunschschreiben einlangten. Zu i erwähnen ist noch, daß auch Ihre Erlaucht die Frau Gräfin