XV. Jahrgang.
Kerarrsgegeben im Aufträge der vereinigten evangelischen Konferenzen von beiden Kessen.
Sir. 2. > Mainz, den 13. Januar 1878.
VEvangrlifihr
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am 13. Januar 1878.
Am heutigen Tage wird in der hiesigen evangelischen Gemeinde ein Fest gefeiert, welches an Seltenheit und Bedeutsamkeit von so hervorragender Art ist, daß es sich gebührt, seiner in besonderer Weise auch in diesen Blättern zu gedenken. Es ist das fünfzigjährige Dienst-Jubiläum Sr. Kochwürsten des Großherioglichcn Prälaten, Obrrronststorialraths, Snperintendentrn und ersten evangelischen Pfarrers ;n Mainz, Herrn
Nr. tlieof. Karl Georg Frieilriiii Kitinüit,
dessen fünfundzwanzigjähriger Ehrentag als Pfarrer zu Mainz am 25. Juni 1860 festlich begangen worden ist.
Selten ist es ja, daß ein Mann ein halbes Jahrhundert lang seines Amtes warten kann, und noch seltener, wenn dies in so ungeschwächter Kraft, so gesegneter Wirksamkeit, umgeben von so allgemeiner und wohlbegründeter Hochachtung geschieht, wie Gott solches dem hochverehrten Herrn Jubilar verliehen hat. So weit Menschen zu lohnen vermögen wird der heutige Tag ihm die ernste, unverbrüchliche Pflichterfüllung, durch die er von jeher ein Vorbild für Geistliche und Gemeinden war, die Ehrenhaftigkeit seines Wesens, welche ihm auch über die Grenzen der evangelischen Kirche hinaus Freunde in großer Zahl erworben hat, die Güte und Milde seines Herzens, die sich in keinem Verhältniß verleugnet, die Treue gegen Alle, welche mit ihm in Verbindung stehen, reichlich lohnen.
Ein großer Theil der Bedeutsamkeit des heutigen Festes liegt aber grade darin, daß es nicht blos in dem engeren Kreise einer Confession oder eines Standes gefeiert wird, sondern daß es allgemeinerer Art ist und Genossen aller Confessionen und verschiedener Stände von Herzen an ihm theilnehmen. Die Stadt, in deren Mauern es begangen wird, sieht cs als ihr Fest an, und wiederum findet seine Feier weithin im Lande freudige Zustimmung.
Allerdings ist's zunächst ein Jubelfest unserer theuren evangelischen Landeskirche, denn es gilt ihrem ersten, höchsten Geistlichen, und sie kann sich mit Recht Glück wünschen, daß sie es zu feiern vermag. Es ist ihr ein Zeichen ihres Lebens und ihrer Lebensfreudigkeit, es ist ihr aber auch ein Zeichen des Friedens und der Eintracht, denn Der, dem sie es feiert, ist von Herz und That ein Mann des Friedens. Würde sein heißer Wunsch erfüllt, so wäre nirgends in unserer Kirche Zwietracht und Streit. Möchten die Jubeltöne, welche das Fest verherrlichen, Friedenstönc für unsere ganze Landeskirche sein!
Mehr aber, als Menschen es können, lohne Gott, der Herr, dem Gefeierten die treue Arbeit und Liebe eines ganzen Lebens. Er erhalte ihn noch lange in Kraft und Amt, er gebe ihm viel Segen in Herz und Haus, er schenke ihm einen ungetrübten, glücklichen Lebensabend, und das heutige Fest gewähre ihm stets eine freudige Erinnerung an Gottes reiche Gnade und die Verehrung Aller, die es bereitet haben. vr. W. L.