G. Rose war in Deutschland der erste, welcher mit Hilfe des Reflexionsgoniometers die Winkel der Krystalle genau bestimmte. Er hatte einen wesentlichen Antheil an den Arbeiten, welche Mitscherlich zu der wichtigen Entdeckung der Isomorphie führten. Seine Arbeiten umfassen alle Zweige der Mineralogie: die Krvstall- formen und ihre Combinationen, die Krystallphysik, die chemische Zusammensetzung und die künstliche Darstellung der Mineralien. Er war der grösste Meister in der Kunst des krystallographischen Zeichnens. Die Lehre von der Association der Mineralien zu Gesteinen, die Petrographie, ist durch ihn begründet w-orden, wie Er auch einer der ersten war, welcher lehrte, mit Hilfe des Mikroskops an einer sehr dünn geschliffenen Gesteinsplatte die dem blossen Auge unsichtbaren Mineralien zu erforschen. Mit besonderer Vorliebe widmete Er sich dem Studium der Meteoriten, jener wunderbaren Körper, welche aus den Tiefen des Weltraumes auf die Erde stürzen. Das Gefüge der Eisenmeteoriten, das Mineralgemenge der Steinmeteoriten enthüllten sich seinem Scharfsinn. Anhaltend beschäftigte sich sein Geist mit der ausserordentlichen Verschiedenheit der Gesteinsbildung in jenen kosmischen Atomen und in der festen Erdrinde. — Wohl ist es bemerkenswerth, dass seine schönsten mineralogischen Entdeckungen nicht etwa an seltenen Körpern gemacht worden sind, sondern an solchen, w-elche in allen Sammlungen vorhanden sind und Vielen schon zur Beobachtung gedient hatten. Dahin gehört der Nachweis von rechten und linken Krystallen des Quarzes aus ihrer äusseren Form, die mannichfache Zwillingsbildung desselben, die von Vielen vergeblich erstrebte Enthüllung der Krystallisation des Eisenkies. Das Geheimniss solcher Entdeckungen beruhte darin, dass er niemals allein die Form, sondern stets auch die Gesammtheit der physikalischen Erscheinungen ins Auge fasste. Sein Geist umfasste, während er in das Verborgenste der Naturgebilde eindrang, scheinbar Fernliegendes, welches ihm den Schlüssel zur Lösung der schwierigsten Probleme bot. Während des letzten Jahres waren seine forschenden Gedanken vorzugsweise dem Könige der Steine, dem Diamanten, zugewandt. Wenige Mineralogen mögen ahnen, dass der Diamant in seiner Form noch Räthsel bietet! So sehr erfüllten den Geschiedenen die Probleme der Wissenschaft, dass er noch 24 Stunden vor seinem Tode, Angesichts des nahen Endes der irdischen Laufbahn, einem seiner Söhne die Ergebnisse seiner letzten Geistesarbeit in die Feder diktirte. Vielleicht war es ihm nicht vergönnt, das Räthsel der Diamantkrystallisation vollkommen zu lösen; aber nahe war er schon dem Zieh Damit so viele Arbeit der Wissenschaft nicht verloren gehe, sammelte sich sein Geist zu einer letzten Klarheit auf dem Sterbelager. Er dachte und handelte im Sinne der Worte Baco’s „Pertransibunt multi, sed augebitur scientia“. Diese Worte erwiderte Er denen, welche zagend das Maass ihrer Kräfte mit der grossen Aufgabe der Naturwissenschaft verglichen. Er war ein echter Naturforscher, ein treuer und starker Arbeiter und Baumeister an dem Wunderbau der Wissenschaft, an der Erkenntniss des Kosmos, des geordneten Naturganzen. Kaum mag ein gleiches Beispiel angeführt werden können, dass in dem Maasse, wie es bei G. Rose der Fall war, die Freude über die wachsende Natur- erkenntniss das Leben und namentlich den Lebensabend eines Forschers erheiterte. Auf ein langes Leben zurückblickend, erkannte Er, wie viele früher dunkle Gebiete