erforscht und erhellt worden sind. Das erfüllte ihn mit hoher Freude und Hoffnung. Ihr werdet noch mehr Licht sehen, sagte Er den Jüngeren,Viele werden dahin gehen, aber der Bau der Wissenschaft schreitet fort. Wohl sah Er seine besten Freunde und treuen Arbeitsgenossen Mitscherlich, Magnus, Haidinger, vor Allen seinen Bruder Heinrich von ihrer Arbeit abgerufen. Mit Schmerz erfüllte ihn ihr Scheiden und seine zunehmende Vereinsamung. Doch schöpfte Er Trost aus dem Gedanken, wie sehr die Wissenschaft durch seine dahingeschiedenen Freunde und in der Epoche der gemeinsamen Thätigkeit gefördert worden sei. So bot sein Geist das ungewöhnliche Schauspiel zunehmender Freudigkeit am Lebensabend. Es war ihm vor drei Jahren besehieden, sein Doktor-Jubiläum zu feiern; in diesem Jahre vollendete sich das Semisäculum seiner Lehrthätigkeit. Niemals eine Auszeichnung suchend, fielen ihm alle Ehren und Auszeichnungen zu. Als Er zum stimmfähigen Ritter des Ordens pour le mörite erwählt worden, schien ihm diese Ehre fast zu gross.

Unvergänglich ist das Andenken, welches G. Rose in seiner Wissenschaft zurück­gelassen hat; zwar nicht unvergänglich, aber lebendiger und rührender ist die Er­innerung, welche Er in den Herzen vieler Menschen zurückgelassen, Aller, mit denen Er verkehrt. In seiner Wissenschaft und den vielseitigen Beziehungen seines Lebens besass Er keinen Feind, keinen Gegner; keine Missgunst, kein Uebelwollen berührte ihn. Er lebte in einem tiefen Frieden, dess Zeugniss waren seine Augen, deren eigenthümlich seelenvoller Blick Jeden überraschte, mit dem Er sprach. Was selbst den Besten oft so schwer wird, in Frieden und Freundschaft zu leben, das war ihm besehieden. Wie seine Bestrebungen stets auf das Wahre, Edle und Gute gerichtet, so setzte Er ein Gleiches auch von Anderen voraus. Er sah in den Bestrebungen Anderer nur das Gute. Wenn Thaten oder Worte seinen Beifall nicht fanden, so konnte Er sich dennoch nicht entschliessen, ein unedles Motiv bei Anderen vor­auszusetzen. Dadurch erklärt es sich, dass in der Verehrung und Liebe zu Ihm selbst diejenigen sich vereinigten, welche unter sich zerfallen waren. So hat G. Rose sowohl in der Wissenschaft wie im Leben ein schwer erreichbares Vorbild zurückgelassen.

Am 11. d. M. hielt Er noch seine Vorlesungen. Trotz grosser Mattigkeit,als hätte ich den Hümmerich und die Löwenburg bestiegen, schrieb Er Abends noch einen langen wissenschaftlichen Brief und schloss mit den Worten:Uns wird die Ruhe gut thun; wir werden wieder nach Friedrichshafen in unser altes Quartier gehen, wären wir nur erst da! Kaum hatte Er den Brief geendet, so stellte sich ein Schüttelfrost ein, das Zeichen des Ausbruchs einer Lungenentzündung, welche in weniger als vier Tagen dem Leben eines der besten Menschen ein Ziel setzte. Nun ruht von ihrer Arbeit die Hand, welche mit Kraft den Hammer führte und mit un­nachahmlicher Feinheit die Linien der Krystalle zeichnete; auch ruhen von ihrer Arbeit die Augen, welche die Schneegipfel des Altai sahen undMatt undGlänzend auf den Flächen des Bergkrystalls unterschieden. Friede seiner Asche! Selig sind die Friedfertigen.

Bonn, 16. Juli 1873.

0. vom Rath.