schenen und eines neuen Zeitalters, welche für ihn Gegenstand forschender Betrachtung wurden, allmäh» lig wieder zu seinen mineralogischen Studien zurück, .und die Crystallographie, welche damals als Basis für diesen Zweig der Naturkunde geltend gemacht zu wer» den anfing, rief ihm alle Formen der'Mathematik ins Gcdächtniß zurück, so daß ec sich mit einem Male in «ine Kette von Untersuchungen verwickelt fand, die seinen Geist anfrischten und seine Neigung zu den ernsten Studien wieder aufcegten. Aber immer noch blieb er seinem Vorsatz, den Kaufmannsstand nicht zu verlassen, getreu. Er trat im Sommer des Jahres 1816 als Commis in ein bedeutendes Handlungshaus in Livorno, Lucas Dünner nachmals Johann Samadet. Seine Gesundheit fing an sich mehr zu befestigen; allein die sitzende Lebensart war der schwachen Constitution seiner Brust zuwider. Zur Thätig- feit gewöhnt fing Rüppell an Besorgnisse für seine Zukunft zu schöpfen.
Da eröffnet« sich ihm in seinem Posten auf einmal die Aussicht zu einer Handlungsreise nach Egypten, in Geschäften seines Hauses, welches einen ansehnlichen Getraidchandcl mit Alexandria unterhielt. Cs gesellte sich hierzu die entferntere Hoffnung, nach einigen Reisen, auf welchen er den levantischen Handel von Grund aus kennen zu lernen wünschte, sich irgendwo in dem ihm zum anderen Vaterland gewordenen Italien, am liebsten in Livorno niederlassen zu können und eigne Speculationen damit zu verbinden. Dir Abfahrt geschah bald, die Reise war glücklich; nach einer schnellen Fahrt von dreizehn Tagen schrieb er am 21. Januar 1817 am Bord seines Schiffes seine glückliche Ankunft an der Küste von Egypten in die Heimath, und am 24. in demselben Briefe seine Ankunft in Alexandria. Hier seine eigenen Worte: „Glücklich bin ich gestern morgen hier angelangt. Alles was mich umgibt, sind für mich neue Gegenstände, und diese Neuheit macht mich unfähig zu sagen, wie es mir hier in Afrika gefällt. Ich möchte den gestrigen Tag mit einer Stunde vergleichen, die ein Landmann vor einer Zauberlaterne zubringt: durch Beschreibung war ihm alles, was er sehen würde, bekannt; mit gespannter Aufmerksamkeit kam er hin, selbst zu sehen, doch das rasche Wechseln der Bilder zerstreut ihn ganz; er möchte ein jedes genau und mit Muße ansehen; dieß kann er nicht, und nur mit der Zeit wird ihm alles klar und deutlich. Es sind jetzt Menschen von beinahe ollen Nationen Europens hier, größtentheil um Getraide einzukaufen. Gegen vierhundert Schiffe liegen im Hafen, um solches nach allen Gegenden zu verführen." — Durch die weit- ausgedehnten Geschäfte seines Hauses in Livorno fand er auf sciner ferneren kaufmännischen Reise nach Kairo in mehreren fränkischen Handelsleuten freunde und Bekannte, welche seinen verschiedenen 'Planen behülffich waren, und nachdem er seine Geschäfte beseitigt, konnte er euch seiner Wißbegierde und feinem Vergnügen nachhängen und eine Reise
tiefer ins Land, zuerst nach Memphis, dann eine größere Reise nach Oberägyptcn, nach Thebe, Syene :c., unternehmen. Er hatte das Glück in Kairo mit dem englischen Gesandten bekannt zu werden und in seiner Begleitung die Nilreise nach Oderägypten zu machen, auf der er gegen fünf Monate zubrachte und diesen Strom bis Affnan (Syene) befuhr. Cr schrieb hierüber nur Weniges nach Hause nnd verschob die näheren Nachrichten auf die mündlichen Mirtheilungen aus seinem pünktlich geführten Tagebuch«. „Ich befinde mich," berichtet er unter andern noch aus Kairo, „voll, kommen wohl; die Sorgfalt der Gesundheit betrachte ich als das wichtigste. Angenehm ist cs mir, daß niich ein Landsmann auf meiner Reise begleitet *), es ist ein deutscher Mameluck, den mir der Pascha als militärische Beschützung mitglbt. l8«rs hiesige Gouvernement ist äußerst energisch; man reist jetzt überall mit der größten Sicherheit; und wohin man vor 10 Jahren nicht wagte bei Tage unter einer Begleitung von 10 Soldaten zu gehen, schläft man jetzt ruhig allein des Nachts. Ich bin fünf Tage an den Pyramiden gewesen. Bereits glaubte ich alles Merkwürdige der hiesigen Gegend gesehen zu haben, als mich gestern «in Kapuziner mit Verwunderung fragte: ob ich noch nicht in der 6rotta della Madonna gewesen wäre, nämlich in derjenigen Höhle, wohin Maria mit ihrem Kinde während des Kindermordes von Bethlehem ge- stohen seyn soll. An diese Curiosität hatte ich wirklich nicht gedacht. Die Ruinen von Memphis schienen mir interessanter."**) — Auf seiner Nt'reise, auf dem Nil selbst, hatte er den Unfall von den Blattern heimgesucht zu werden, in deren Folge er blatternarbig nach Europa zurückkam. Seine Gesundheit nahm übrigens bei sehr mäßiger (ebensweise in Egypten zu; das gewöhnliche Uebel der Augenkrankheiten betraf ihn nicht. — Aber sein innerer Gesichtskreis erweiterte sich hier; verlangend blickte er im Geiste schon nach den fernen Küstenländern Asiens: „Ich werde wahrscheinlich," schreibt er, „noch manche große Reise wachen. Von hier aus könnte ich mit der größten Leichtigkeit nach Indien gehen, da der alte Handelsmeg durch das rothe Meer wieder in Gang gekommen ist; doch ich will erst ins Vatecland zurückkehren." Bestimmter ließ er sich über die Plane seiner Zukunft nicht aus. — Im April 1818 wollte er in Frankfurt cintreffen, sich hier nur kurz aufhalten, um im Juni wieder in Italien seyn zu können. —■ ImOctvber trat ec seine Rückreise zur See an, verweilte noch bis zuni Carneval 1818 in Livorno und kehrte dann über Genua, Mailand und
«) Sonderbar ist es, daß er durch Zufall das Erstemal fand was ihm die Wahl das Zweitcmal zu führte — einen zuverlässigen Landsmann als Begleiter, wenn auch zu verschiedenen Zwecken.
**) Man steht au« diesem kleine» Zuge, wie streng sich der Sinn unseres Reisende» aufs Praktische und aus di«Natur wandte.