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Eduard Rüppell/

als Naturforscher und Mitglied der Senkenbergischen naturforschenden Gesellschaft.

Unser Landsmann Rüppell ist einer von den fette* tun Menschen, in welche die Natur den Beruf, Gro­ßes zu unternehmen und auszuführen, selbstständig «ingepflanzt hat. Was er vollbracht und was er zu vollbringen sich vorgesetzt hat alle seine Wissenschaft- lichen Leistungen und Unternehmungen sind aus sei­nem Innern ohne hinreichenden äußeren Grund her- vorgetreten, er hat gehandelt wie der Geist in ihm ihn unterrichtet hat.

Eh« wir von den Unternehmungen und Entdek- kungcn unseres ausgezeichneten Naturforschers reden, glauben wir es dem Vaterland« und der Wissenschaft schuldig zu seyn, den Lebenslauf des dreißigjährigen jungen Mannes in einer kurzen Skizze vorzuführen.

Wilhelm Peter Eduard Simon Rüppell ist gebo­ren zu Frankfurt am Main den 20. November 1794. Sein Vater war der Kurhessische Ober-Postmeister Herr E. S. Rüppell, Bürger und Kaufmann zu Frank­furt am Main, welcher außer ihm noch sechs altere Töchter und einen jünger» Sohn hatte. Als älterer Sohn wurde er zum Stande des Vaters bestimmt, welcher jedoch nicht versäumte, ihm eine umfassendere wissenschaftliche Bildung angedeihen zu lassen.

Seine Fähigkeiten entwickelten sich langsam, bis ^ der Barer den achtjährigenKnaben auf eine Geschäfts- reise nach Salzburg und Berchtolsgaden mitnahm. Die neuen Erscheinungen machten einen großen Ein« '«druck auf ihn; am meisten ergriff ihn eine mit voller Beleuchtung veranstaltete Fahrt in die Salzschachten. Seit dieser Reise gab er sich mit ausgezeichne­tem Fleiße der Erlernung aller Mittel hin, welche er zur Kenntniß der Stücke einer kleinen Mineralien­sammlung bedurft«, die der Vater ihm aus dringen­des Bitten in Berchtolsgaden gekauft hatte. In kur­zer Zeit gelangte er auf diesem Wege zu dem Besitz schöner Elemcnt arkenntrz jsse. und der Vater, durch die schnellen Fortschritte bewogen, gab ihm in der Person des Herrn Professor Stiehl (gegenwärtig am Lyceum zu Alzey) einen Hauslehrer, welcher ihn in Spra­chen, Geschichte, Geographie, Physik und Mathema­tik unterrichtete. Bei diesen Beschäftigungen cntwik- kelt« sich in dem Knaben ein ernster Charakter, der durch eine Cigenthümlichkeit noch besonders hervorge- h-oben wurde. Schon in den ersten Jahren seines Le­bens offenbarte sich in ihm eine so große Liebe zurWahr- heit, daß er sich nie eine Lüge erlaubte; auch in späte­ren Jahren ließ er sich nach dem einstimmigen Zeug- niß aller, welche Umgang mit ihm gehabt haben, nie eine Entfernung von der Wahrheit zu Schulden kom­men; ja es ergaben sich kurz vor feiner zweiten Reise nach Afrika merkwürdig« Beispiele, wie sein Haß ge­

gen den Lügner unbegranzt und selbst im Stande seyn könne, ihn, gegen seine Natur, zur Härte und Unbilligkeit zu verleiten.

Eine andere in seinem eilftcn Jahr« nach Ham­burg gemachte Reise hinterlicß einen eben so mächti­gen Eindruck in der Seele des Knaben. Die Schif­fahrt, das Seewesen und alles was sich daranknüpft, regten ihn so sehr an, daß er mit dem brennenden Verlangen in das väterliche Haus zurückkehrte, ein­mal Reisen in fremde Welttheile zu unternehmen, und diesem jugendlichen Entschluß nachhängend, fing er an mit einem solchen Eifer Reisebeschreibungen zu le­sen, daß ihn oft der Morgen noch bei dieser Lieb- llingsbeschäftigung fand, die er am Abend verstohlner Weise begonnen hatte.

In diese Zeit fällt die Versetzung seines Lehrers, Prof. Stiehl, nach Alzey. Der Vater übergab so­dann die weitere wissenschastliche Ausbildung und Erziehung seines Sohnes dem Herrn Professor Zim­mermann zn Darmstadt», der in kurzer Zeit seine eignen Lieblingsneigungen auf den wißbegierigen, zu ernsten Studien ganz geschaffenen Jüngling übertrug. Diesem verdienstvollen Lehrer gegenüber ward er schnell vertrauter mit der Mathematik und allen ihr zur Seite stehenden Wissenschaften und cultivirte die­selben mit solcher Anstrengung, daß sein ohnedieß ernstes Wesen einen Anstrich von Finsterkeit erhielt. Mit Leichtigkeit erlernte und vervollkommte er in einem Zeiträume von fünf Jahren die Kenntniß der lateini­schen, französischen, englischen und italienischen Sprache.

Im 16. Jahre trat der bisher für die Wissenschaf­ten erzogene Jünglmg vom Darmstädter Lyceum als Lehrling in dieComptoirffube seines Vaters. Ungeachtet er mit Ergebung und Fleiß seinem neuen Stand lebte, nährte er nicht minder insgeheim seine liebgewonnenen Wissenschaften, hatte aber in kurzer Zeit auch die Grundlagen derHandlung sich angeeignet,so daß er nach anderthalb Jahren, als des Vaters Tod erfolgte, im 17. Jahre seines Lebens dem hinterlasscnen Geschäft eine kurzeZeit mit vorzustehen im Stande war. Da die Hand- lung seines Vaters sich bald darauf durch eineTheilung austöste, ging er nach London, wo er fünfviertel Jahre in dem angesehenen Handelshause John Rapp arbeitete. Dieser Zeitpuncr schien fast der einzige, wo er den Handel wirklich lic bgew ann und sich den Geschäften mit voller Thäiigkeit widmete. Seine reizbaren Re­spirations-Werkzeuge konnten jedoch das neblige Clima ist lange vertragen, zumal da er dessen Einwirkungen nichts entgegensetzen konnte, indem er nie ein geisti­ges Getränk zu sich nahm. Auf den Rath der Aerzte beschloß er, das südliche Frankreich zu besuchen, vor­her aber wollte er seine Vaterstadt wieder sehen. Cr hielt sich hier jedoch nicht lange auf und ging dann nach Paris, Lyon, Montpellier, und da ihm derAufent- haN unter dem reinen heiteren Himmel wohl that, dehnte er seine Reise nach Genua, Turin, Mailand, Rom und Livorno aus. In Italien führte ihn die Anschauung so vieler Kunstwerke eines erlo-