ES bleiben also noch immer 8060 Thlr. für die Festgebtr des Balles. Und in dem Maße, wie diese Baukosten, haben sich auch sämmUiche Ausgabensätze dieses Festes gesteigert, so daß mit 50.000 Thlr. noch nicht Alles gedeckt seyn wird. Das wäre, wie die Berliner sagen,das dicke Ende", das bei jeder noch so fein gesponnenen Sache hinten nach kommt. Ein Nachwehe anderer Art stellt sich in dem Versehen der Festordner des von der Stadt gegebenen Gastnrahls ein, indem hiebei hie Gewerke und Innungen, welche doch, sowohl zur Einholung der Majestäten am 21. Sept., wie zur Huldigungspracht das Meiste beigetragen, gänzlich vergessen und nicht einmal Repräsentanten jedes Ge­werkes dazu geladen wurden, welcher Umstand nun, wie natür­lich, diese Corporationen, worunter sich die angesehensten Leute b. finden, schwer verletzt hat. Wenn diese Unterlassungssünde von Seiten der Magistratualen nun kaum wird zu sühnen seyn, so hat doch der überall rücksichtsvolle König, im Sinne seines öf­fentlich gesprochenen Wortes:offenes Äuge für das Verdienst zu haben", seiner Selts schon den verdienten Ehrenlohn der wackern Gewerkschaft zugcdacht und wird sic im Schlosse zu einem Abendfcste versammeln. Es fragt sich nur noch, wie die 11,000 Gäste unterzubringen, oder, da dieses unmöglich ist, wie hier die Auswahl ohne Zurücksetzungen zu treffen wäre. Was in diesem Falle der König auch thun wird, man wird es als daS Richtige und Möglichste mit unbedingtem Danke aufnehmen, und daS Resultat wird nur ein höchst freudiges seyn.

(München, 25. Okt.) Eine Denkschrift deS Grafen von Gicch an Se. Maj. den König, in welcher derselbe weitläufig und in ehrerbietiger Freimüthigkeit die Gründe entwickelt, welche ihn nach und nach bewegen mußten, die ihm übertragene Prä­sidentschaft der Regierung von Mirtclfranken niederzulegen, macht fortwährend Aufsehen. Daß Graf von Giech eine Stelle im Ausland erhalten werde, wie behauptet worden ist, scheint sehr dahingestellt bleiben zu müssen. Hier weiß man wenigstens nichts davon. Eben so unrichtig ist die Behauptung mehrerer Blätter, daß unser noch sehr rüstiger Erzbischof zu refigairen gedenke. (S. M.)

(Leipzig, 23. Okt.) Die Hoffnungen auf eine neue Blüthe der Wissenschaften in Preußen, welche durch die königl. Ver­heißungen angeregt sind, fangen an, sich zu verwirklichen. Es ist gewiß, daß Professor Stahl von Erlangen an die Berliner Universität berufen ist und diesen Ruf angenomincn hat. Die Behauptung öffentlicher Blätter, daß Dahlmann den Ruf nach Bern abgelehnt habe, ist, wie seine Freunde versichem, ohne allen Grund; er ist vielmehr entschlossen, ihm zu folgen, eS müßte denn eine deutsche Regierung es für wohlgelhan er­achten, ihn für eine einheimische Universität zu gewinnen, bevor die kurze Zwischenzeit, die ihm für die Entscheidung noch frei geblieben, verflossen ist. Dem Schmerz, den er empfinden muß, sein Vaterland zu verlassen, und den Viele, wenn sie ihn auch nicht persönlich kennen, mit ihm thcilen werden, wird das erhe­bende Bewußtseyn zur Seite stehen, überall, wo er wirken konnte, in Holstein, wie in Hannover und Götkingen, der Er­haltung des Rechts, der Gerechtigkeit und Ordnung seine besten Kräfte gewidmet zu haben. Die Geschichte Dänemarks, deren zweiter Theil der Vollendung nahe, wird die letzte Frucht des vaterländischen Bodens seyn. Das ist ein Werk, das innere Lebendigkeit mit der gelehrten Forschung vereinigt, und den Stoff selbst cha, wo er am sprödesten ist, durch den Geist be­zwungen hat. (K. A. Z.)

(Karlsruhe. 27. Okt.) Die fortgesetzten französischen Rüstungen, die Errichtung der Lager bei Strasburg und Bel- fort und die große Truppen-Vorrückung an unsere Gränze be­schäftigen dermalen die diesseitigen Rheinbcwohner viel.

(Karlsruhe, 28. Okt.) Vorgestern begab sich der geh. Referendär Regenauer von hier nach Berlin, um als großherzogl. Bevollmächtigter an den daselbst statlfindenden Konferenzen der Kommissarien der Staaten des deutschen Zollvereins Theil zu nehmen.

(Freibürg, 28. Oktobcr.) Die hiesige Zeitung berichtet: Reisende, welche in der Nacht vom 26. auf den 27. über Alt- Breisach aus Frankreich hier ankamen, haben von einem neuen, gelungenen Mord-Attentat auf das Leben des Königs von Frank­reich erzählt und dadurch um so größere Unruhe und Besorgniß erregt, als gleichzeitig noch ein anderes Gerücht von ernsthaften Unruhen am 26. d. in Strasburg verbreitet wurde. Trotz der Unwahrscheinlichkeit wenigstens des ersten Gerüchtes dauerte die ängstliche Spannung bis Mittag, wo man kheils in den fran­zösischen Journalen, theils in unserm Blatte, in den Nachrich­ten vom 23. aus Paris einen Erkjärungsgrund dieses Gerüchtes fand, das an jenem Tage in der französischen Hauptstadt eben­

falls große Bewegung veranlaßt, aber dann durch den Moni­teur parifien widerlegt wurde. Man sieht daraus neuerdings, wie behutsam man die Nachrichten aus Frankreich aufnehmen muß, wo die verschiedensten Partei-Interessen zu jedem Mittel greifen. Man will ausregen und wenn dies nur auf wenige Stunden gelingt, so ist oft der Zweck schon erreicht. Jedenfalls sind eS nicht die Ressenden, durch die wir so wichtige Nachrich­ten zuerst und am sichersten erhalten; im Gegentheil ist gerade gegen diese eine gewisse Behutsamkeit um so mehr am Platze, da manche Leute sich ein Vergnügen daraus machen, auf ein paar Stunden Angst und Schrecken zu verbreiten, was in kri­tischen Zeiten nur gar zu leicht gelingt. Und in der That sind im gegenwärtigen Augenblicke die politischen Verhältnisse in un. serm Nachbarlande von ernster Bedeutung. So vernehmen wir aus zuverlässiger Quelle, daß zum Theil schon jetzt, zum Theil in den nächsten Tagen die Fabriken, namentlich im Elsaß, wenn auch nicht geradezu geschloffen werden, doch zahlreiche Ärbeiter in denselben entbehrlich sind. Es ist eine natürliche Voraus­setzung, daß von den vielen unbeschäftigten, brodlosen Arbeitern sich manche nach Deutschland wenden werden, was zu einige» Vorsicht auffordern dürfte. Unsere heutigen Nachrichten aus Strasburg vom gestrigen erwähnen keinerlei Unruhen, die da­selbst stattgcfunden.

(Baden, 26. Okt.) Gestern wurde daS Spiel- und das Konversations-Haus geschlossen, und somit wäre die dießjährige Saison geendigt. Es ist auch die höchste Zeit, denn der Win­ter ist bei uns im eigentliche.-» Sinne vor der Thüre, indem im nahen Hochgebirge schon tiefer Schnee liegt. Mit dem Ergeb- niß der Saison kann man im Ganzen nur zuftieden scyn. Wenn auch im Anfang des Sommers die Klagen laut wurden, so hat sich dies doch durch die längere Dauer der Saison wieder aus­geglichen, und diese steht so wenig einer vorhergehenden an Glanz nach, als sie dieselben alle an Fremdenzahl übertrifft. Die besten Geschäfte hat unstreitig die Spielbank gemacht. Ihr Gewinn muß enorm scyn und dürfte eine halbe Million Gulden weit übersteigen. Wie nahe wir auch der franz, Grenze sind, so sieht es doch bei uns ganz friedlich aus, und das Trommeft gerassel und Kleingewehr-Feuer der exerzirenden Truppen, die ganz deutlich zu uns herüberschallen, beunruhigen Niemand; nur treiben leider die beträchtlichen Aufkäufe an Fourage und Lebensmittel für jenseils diese Dinge in bedeutende Preise.

(Schw. Merk.)

(Darmstadt, 29. Okt.) Se. Durchl. der Prinz von Witt­genstein, großh. Generallieutenant, Generaladjutant S. k. H. des Großherzogs, großh. Gesandter am kaiserlich russischen Hofe, ist, nach einem Aufenthalte von einigen Monaten dahier, heute wieder nach St. Petersburg abgereist.

Die Commission unserer ersten Kammer der Stände hält fleißig Sitzungen zur Berathung der in der zweiten Kammer gefaßten Beschlüsse, den Straf-Gesetzentwurf betreffend, und wird wohl bald darüber Bericht erstatten. Die Sitzungen un­serer zweiten Kammer finden dazwischen ziemlich selten statt und bieten wenig Interesse dar.

(Mainz, 27. Oktober.) Diesen Morgen wurde hier der durch seine Geschichte der christlichen Kirche und seine kurze Geschichte des Mittelalters, m.hr aber noch als früherer Re­dakteur deS AhaSvcrus und des Rheinlandes bekannte, als Mensch wie als Gelehrter gleich geachtete Hr. A. Rehner in seiner Behausung von drei jungen Männern, Wst, Ksch und Schr, welche sämmtlich sich im Zustande der Trunken­heit befunden haben sollen, meuchlings überfallen und nur mit Mühe auS deren Händen errettet, da er, durch Lähmung und das Bedürfniß einer Krücke geschwächt, sich gänzlich ! wehrlos befand. Die Ursache jenes empörenden UeberfalleS ! soll ein, im Ganzen sehr wahrer und gerechter, Artikel Reimers über den Zustand der hiesigen Literatur in einem auswärtigen ' Blatte gewesen seyn. Man ist allgemein indignirt über jene ! drei Individuen, und hofft, da die Sache ohne Zweifel ge- ' richtlich anhängig wird, auf strengstes Einschreiten der Behörde. * Schon verlautet, daß was uns nur sehr erfreulich seyn könnte die Thäter unsre Stadt verlassen werden. ;

(Rh.- u. Mos.-Ztg.)

(Bon der hessischen Gränze, 28. Okt.) Gestern hatten sich abermals eine Anzahl Waidmänner vereinbart, um ; den Wolf, der schon längere Zeit in unserer Gegend Unfug treibt, zu erlegen. Die Treiber hatten das Terrain, wo er sich aufhal- ten sollte, eingekreist, aber das schlaue Thier hatte bereits seine Lagerstätte verlassen. Zwei Landleute haben ihn weiter abwärts sich flüchten sehen.