Arten ganze Wurzelschöpfe aus vielen feinen Nadeln oder nur eine einzige slarke Pfahlnadel entwickelt. Die Kiesel- schwämme kommen in allen Meeren vor, die Glasschtvämme bevorzugen die größeren Tiefen, bis über 5000 Meter. Eine Gruppe, die sogen- Süßwasserschwämme, lebt mit etwa 80 Arten im Sußwasfer aller Weltteile.
Die Glasschwämme gehörten noch vor 30 Jahren zu den größten Seltenheiten und Kostbarkeiten. Erst die Chak- ^ lenger-Expedition und die deutsche Tiefsee-Expcdition brachten eine große Ausbeute an vielen Neuen Arten und zier- .lichen Formen heim. In Japan, in der Sagamibucht, fand Prof. Jjima einen Fundort mit geradezu herrlichen Exemplaren. Bon dort hat unser Museum durch Herrn Tr. nied. K. Ger lach, der lange Jahre in Hongkong lebte, eine hervorragende Kollektion der größten und präch- ! tigsten Arten als Geschenk erhalten. Diese Zierftücke, die 'früher nicht zu bezahlen waren, bilden in ihrer sachgemäßen Aufstellung unter Glasglocken, auf entsprechender Unterlage, die hervorragendsten Objekte der Ausstellung.
'Das Skelett der Hornschwämme besteht aus einer hornähnlichen Masse, die, in unregelmäßigen, dicht gefloch-
tenen Fäden abgelagert wird. Die Fasern verwachsen untereinander wieder zu einem Gerüstwerk und dieses Horngerüst wird beim eigentlichen Badeschwamm zum Waschen benutzt. Tie Schwämme werden mit Schleppnetzen, mit Haken oder von Tauchern gefischt; die Weich, teile werden durch Abwaschen entfernt, sodaß nur das reine Horngerüst übrig bleibt. Die Preise der Badeschwämme richten sich nach der Feinheit der Hornsasern. Ter Baoe» schwamm des Mittelmeeres, mit seinen verschiedenen Varietäten ist besonders geschätzt. Tie nördlichsten Fundpunkte sind die nördliche Adria und der Golf von Neapel, die hauptsächlichsten Fangplätze sind die dalmatische Küste, die griechischen Inseln, Kreta, die syrische Küste und die Küste von Nordafrika. Weniger wertvolles Material liefern die Antillen und die Bahamainseln
Eine hervorragende Kollektion von den hauptsächlichsten im Handel vorkommenden Arten und Sorten des Badeschwammes hat das Museum in den letzten 3 bis 4 Jahren zusammengebracht. Zur Komplettierung dieser Gruppe hat auch das hiesige Schwamm-Importgeschäft von I u l iw s T h o m s e n schöne Stücke geschenkt. Ferner hat der In» Haber dieser Firma Herr C. R o m p e I eine große griechische Amphora, die mit Badeschwämmen und vielen an- deren Tierarten bewachsen ist, — ein geradezu erstklassiges Schaustück — zum Vortrag geliehen. Ein weiteres Prachtstück war ein ringförmig gewachsener Badeschwamm von 4,50 Meter Umfang und 1,70 Meter Höhe. Wenn es gelingen sollte, diese Amphora dem hiesigen Museum zu erhalten, dann würde wohl kaum irgend ein Museum eine vollständigere und schönere Schaustellung von Badeschwämmen aufweisen können.
Von einem Nutzen der Schwämme kann man,s wenn nian von den Hornschwämmen absieht, nicht sprechen, da ■ sich wohl kaum irgend ein anderes Tier von Schwämmen nährt. Ebensowenig verursachen die Schwämme irgend einen nennenswerten Schaden.
Noch lange besichtigten die Mitglieder die ausgestellten Schwämme und äußerten ihren Beifall nicht nur zu den schön gewählten Schaustücken, sondern auch zu der Art der Aufstellung, Etikettierung und Erklärung. v
gobühreusaHlmik einverstanden zu errraron."
* In der Senckenbergiscken Siatursorschcndcn Gesell. schaft wird am 34. d. an. etwas aus der neuen Schausamm- iHitft gezeigt. Ans der Tagesordnung der lvi,senschaftllch-n Sitzung steht ein Vortrag des Herrn Dr. F. R dm er ube „Die Schwömme der nenen Schausammlung", womit eme Ausstellung verbunden ist.
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Wissenschaftliche Sitzung der Sencken- bergischen Natnrforschenven Gesellschaft.
Frankfurt a. M., den 3. März 1906.
Vorsitzender: Dr. A. Jassoy.
Dr. E. Wolf spricht über:
„Biologie der Krebse unseres Süßwassers".
Ausbauend auf den Ergebnissen ihrer Vorgängerinnen, der Systematik und Anatomie, hat die Biologie in den letzten Jahrzehnten bedeutende Erfolge zu verzeichnen ge- habt. ^ Begründung und Ausbau dieser Wissenschaft ist hauptsächlich ein Verdienst deutscher Forscher. I o h. Müller wies auf die Schätze des Meeres hin, die zoologische. Station Neapel trügt voll und ganz deutsches Gepräge und ist noch heute das Vorbild aller ähnlichen ! Gründungen. Aber auch in der Erforschung des Süß. Wassers ist ein Deutscher mit der Gründung der biologischen Süßwasserstation am großen Plöner See bahnbrechend vorgegangen. Die Resultate dieser Forschungen zusammen Ach fassen, ist der Zweck des Vortrages. Einen Hauptbestandteil der Organismen in unseren Gräben und Teichen, Sümpfen und Seen bilden unzweifelhaft die Krebstiere. Allerdings kommen hierbei die höheren Formen, wie der Flußkrebs, unsere Wasserasseln und Floh- krebse kaum in Betracht, denn sie werden sowohl an Arten als namentlich an Jndividuenzahl bei weitem von den niederen Krebsen übertrossen. An der Hand von zahlreichen Wandtafeln, konserviertem und lebendem Material, sowie mikroskopischen Präparaten werden die hierher gehörigen Formen eingehender betrachtet.
An erster Stelle stehen die Phyllopoden (Blatifüßler). voll welchen Apus, Branchipus und verschiedene Wasser- flöhe als Vertreter erwähnt werden. Nicht geringer ist die Bedeutung der Copepoden (Hüpferlinge), die dlirch die drei Gattungen der Centropagiden (Diaptomus), Cyclo- Piden (Cyclops) und Harpacticiden (Canthocamptus) in unseren Gewässern vertreten sind. Die geringste Rolle spielen die Ostracoden (Muschelkrebse).
Bei den »leisten Formen der erwähnten Entomostraken ist ein sexueller Dimorphismus zur Ausbildung gekommen, das heißt die unterscheiden sich nicht nur durch geringere Größe von den §, sondern auch ihre Antennen und verschiedene Fußpaare sind nanlentlich für Kopula- twnsztoecke umgestaltet worden. Ihre gemeinsame Larveilform ist der Nauplius. Bei den Q findet sich eine mehr oder weniger ausgedehnte Brutpflege, die überhaupt bei den Krebstieren eine große Rolle spielt.
Die Körperbcschaffcnheit hängt wesentlich von dem Aufenthaltsorte ab, denn schon die Bewohner der Uferzone zeigeil einen scharfen Gegensatz gegenüber den sich sietS :m freien Wasser aufhaltenden Formen, die in ihrer Ge- sanithcit das Plankton bilden. Namentlich die Beobachtung und Untersuchung des letzteren hat eine Reihe interessanter Fragen aufgeklärt. So konnte konstatiert werden, daß diese Tiere hauptsächlich in größeren Seen lägliche, vertikale Wanderungen unternehmen. Bei Tag halten sie sich in 30 und tnehr Meter Tiefe aus, um bei Nacht an die Oberfläche zu steigen. Ein Hauptsaktor, der diese Waildernngen veranlaßt, ist die ivechselnde Temperatur. Diese übt aber auch einen Einfluß auf die Körperformen aus und wird so die Ursache des Saisondimorphismus. Solche Gcstaltsabänderuugen sind in noch weit ausgedehn- terein Maße von dem verschiedenen Salzgehalte abhängig. Durch allmähliche Verminderung desselben ist es sogar gelungen, früher für weit auseinanderstehende Arten gehaltene Formen vollständig in einander überzusühren. Die Menge des Planktons ist in den verschiedenen Jahreszeiten eine überaus wechselnde und vollständig abhängig von der Fortpflanzringsweise der betreffenden Organismen, aus welcher: sich dasselbe zusamnieirsetzt.
So ist es den Wasserslöhen ermöglicht durch ungeschlcchch liche Fortpflanzung, die durch unbefruchtete, sich rasch entwickelnde Eier, sogenannte Subitaneier, zum Ausdruck kommt, in kürzester Zeit sich in rmgemessenen Mengen lokal auszubreiten. Das Interessanteste dabei ist, daß diese Eier, solange sie im Brutraume verweilen, von dem Muttertiere mit Nahrung versorgt werden, sodaß es dem Embryo ermöglicht wird, die ersten Larvenstadien schon im Ei zu durchlaufen. Angestellte Versuche haben ergeben, daß sich ein erwachsenes Weibchen unseres gewöhnlichen, Wasserflohs in einem Monat auf über 200 000, in zwei Monaten aber auf über 1 Milliarde Individuen vermehren kann. Durch Nahruitgsmangel, niedere Temperatur oder Austrocknen des Aufenthalsortes roürde aber