Tintenfische und itn'er diesen gewandte Schwimmer und träge Tiere, sowie die interessante kleine Spirula <v. hören hierher. In der Vorzeit war auch diese Gruppe viel reicher entwickelt; ganz besonders die Betem- niten oder Donnerkeile kommen an manchen Owen in er­staunlicher Menge vor. Tie Tiere, deren letzte Res'e die Donnerkeile darstellen, sollen nach einigen Fordern im Boden seskgesteckt haben. Redner hält dies für nicht wabr- lcbeinlich, scl'«n aus dem Grunde, weil eine so große Menge fcstsitzender, gefräßiger Tiere garnicht die nötige Nahrung gesunden hätten. Ter Vortragende gibt noch andere Gründe an und zieht aus allem den Schlick'. daß die Tibranchiaten der Vorwelt zwei'ellos bewegnngssähige Tiere waren, wenn auch keine so vorzüglichen Schwimmer wie die Sepien der heutigen Meere.

Tie Mannigfalstgkeit der Lebensweise ist auch in d"r Vorwelt ein hervorstechender Charaktcrzug der Tierweck, selbst nahe verwandter Formen, und ein tieiereZ Eiudrin. gxn in die Kenn'.msse der ausgestorbenen Tiere wird rv wer mehr lehren, daß wir nur schrittweise Vorgehen dür- ! fen, daß jedes Verallgemeinern emes gewonnenen Resul­tates zu Fehllchlüsten führen muß.

Zahlreiche sehr schön präparierte und zweckentsprechend aufgestellte Ammoniten, Schliffe durch solche usw., wa en zur Erläuterung des interessanten Vortrages ausgestellt, der mit reichem Beifall belohnt wurde.

XI. Wisse,ischüMiche Sitzung der SenSen- bergischen Natursorschenvert Gesellschaft.

Vorsitzender. Tr. A. Jassoy.

Ter Vorsitzende teilt zunächst mit, daß Iran von M u m ni ein von ihrem verstorbenen Sohne vor toenigen Jahren in Kanada geschossenes Pärchen des gewaltigen Wapitihirsches zum Geschenk gemacht hat und begrüßt hieraus Herrn Prof. Dragendorff, den Direltor . der in Franlkfurt neu errichteten Abteilung des kaiser­lichen archäologischen Institutes, das bisher nur in Rom und Athen eine Zentrale besaß. Die Gesellschaft freue sich, eine neue wissenschaftliche Pflegestätte hier begrüßen zu dürfen. Hierauf spricht Prof. Dr. H. Dragen­dorff über:

Prähistorische Handelswcge".

Ausgehend davon,.daß schon in paläolithischen Funden sich Spuren von Warenaustausch Nachweisen lassen, z. B. Mittelmeermuscheln in Höhlen SüddeutschlanLs, sucht er den Wert der archäologischen Funde für die Feststellung solcher alter Handels- und Kulturbeziehungen klar zu legen und an einer Reihe von Beispielen, die namentlich den, mitteleuropäischen Forschungsgebiet entlehnt waren, Methode und Ergebnisse dieser Forschung zu erläutern. Es lassen sickp hier aus den Monumenten sichere Ergxb» wsse gewinnen, 'die weit vor aller schriftlichen Ueberliefe-! rung liegen. Und wenn uns aus späterer Zeit für die Verbindungen der klassischen Länder des Mittelmeergebie- tes mit dem Norden Europas vereinzelte Schriststeller- notizen zur Verfügung stehen, werden diese doch oft erst durch die sorgfältige Beobachtung der monumentalen Funde in klaren Zusammenhang gebracht und im einzel­nen ergänzt. So läßt sich eine uralte Straße von der Balkanhalbinsel hinauf nach Ungarn und Siebenbürgen, weiter von der Donau zur Elbe und bis an die nord­deutsche Küsle Nachweisen. Auf diesem Wege ist schon in frühesten vorgeschichtlichen Zeiten der Bernstein nach Griechenland gekommen. Noch greifbarer .sind die Spuren, welche der Zinnhandel hinterlüßt. Hier geht der Weg von der sudfranzösischen Küste, Rhone und SaSne, aufwärts zur Seine,' von deren Mündung man nach Brirannien übersetzte. Diese Straße spiegelt sich in den Funden deutlich wieder. Ja die keltische Kultur der zweiten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrtausends beruht zum guten Teil auf den Beziehungen, in die Gal- lien daniit zur Mittelmeerkultur, besonders der grie­chischen trat. Von dieser Hauptstraße zweigten Neben­straßen ab; solche lassen sich beispielsweise in die Schweiz hinein verfolgen, ferner von der oberen Mosel zur Nahe und an den Rhein, bezeichnet zum Teil sogar durch echte griechisch-ilolische Jmportstücke. Auch «ine Verbindung dieses Verlehrsgebietes mit den Bernsteingestaden Nord- deutschlands läßt sich erweisen. Interessant ist die Stel­lung, welche die Alpenübcrgäuge in dieser Jrühzeit für, den Verkehr einnahmen. Tie Funde zeigen deutlich, daß! sie für den geregelten Verkehr eigentlich garnicht in Be- j

tracht kommen, sondern daß man lieber den Umweg um die Alpen herum macht. Die Kultur der Schweiz und Süddeutschlcmds beruht nicht aus Zufuhr von Süden her, sondern auf Einflüssen, die teils von Westen, teils von Osten her die Alpen umgehen.

Auch für den Handelsverkehr vmi den römischen Pro­vinzen aus inS freie Germanien hinein lassen sich die Funde verwenden. Wir können nicht nur die Tatsache derartigen Verkehrs und seine Zeitdauer an römischen Jundstücken erweisen, sondern an der Verteilung der Funde die Wege genauer feststellen und an der Vereini­gung, in der dir Jundstücke austreten, die Ausgangspunkte dieser Wege ermitteln.

So läßt sich durch die immer feinere Beobachtung und sorgfältigere Bearbeitung der archäologischen Funde ein iinmer reicheres Material für die älteste Geschichte des Handels und damit zugleich der Kulturbezichungen ge­winnen und - mehr und mehr lichtet sich das Dunkel, das über der sogenannten prähistorischen Zeit liegt. Aus Vorgeschichte iv'rd Geschichte.

XII. WiffenschaftliÄe Sitzung der Sencken» belgischen Natnrfoischenden Gesellschaft.

Frankfurt a. M., den 10. Februar 1806. Vorsitzender: Dr. A. I a s s o y.

Dr. E. Naumann spricht über

die Entstehung der Erzlagerstätten".

Redner geht aus von der menschlichen Anatomie und vergleicht die Schnitte, welche nach der Nüdingerschen Me­thode durch den gefrorenen Kadaver geführt »oerden, mit den Durchschnitten in der Statur, wie sie z. B. an den Fels­wänden des AlpengebirgcS zu scheu sind. So wie die «r- steren über den verwickelten Bau des menschlichen Körpers belehren, liefern die letzteren reiche Belehrung über den Bau der Erdkruste.

Die Parallele zwischen menschlicher und terrestrischer Anatomie führt zu den pathogenen Gesteinen und zu einer Reihe von Erzlagerstätten, welche als pathogene Bildungen zu betrachten sind. Redner zeigt eine Reihe von chm ge­sammelter Erzstusen aus dem nördlichen Afrika, die Um­wandlungen von Dolomit und Kalk in Zinkkarbonat sGal­meis veranschaulichend. Der Vortragende behandelt dann eingehender die Erzgänge; er betont die Aenderungen in Ausbildimg und Adel mit der Tiefe. Als ein Beispiel, ivelches zu äußerster Vorsicht mahnt rmd die Notwendigkeit wissenschaftlicher Beurteilung der. Lagerstätten in sehr drastischer Weise beleuchtet, ist Lake View in Australien anzusehen, eine Goldgrube, deren Gang, nachdeni er in der Nähe der Oberfläche eiwrm« Neichtümer geschüttet hatte, schon in geringer Tiefe verarmte und vertaubte. Die Erz- gänge sind fast durchgehend durch' heiße Wässer oder Dämpfe gebildet, welche aus der Tiefe emporstiegen. Von ganz hervorragender Bedeutung ist nun der Unterschied ! zwischen den gangförmigen Lagerstätten der j>:ngen Ketten- j gebirge und den Erznicderlagen der sogenannteir erlösche- I neu Gebirge lNorivcgen, Canada usw.). In letzteren fin­den wir die Wurzeln des großen Erzbaumcs, den neuere Forschungen erkennen lassen Ausscheidungen von Nickel- niagnetkies, Titancisenerze usw. aus Eruptivmagma. Auch die vielumstrittenen Kieslagerstäik-n, ferner die alten Blei- Silbcrerzgänge (Frcibera, KongSberg usw.) und ganz be- sonders die hochinteressanten Broken Hill-Lagerstätten (Australien) sind als Bildungen der Tiefe, durch die Wir- kungen der Erosion entblößt, anzuschen. Mit einem Hinweis auf die sedimentären Lagerstätten, welche durch die Vorgänge am Grunde des Schwarzen Meeres erläu­tert werden, und mit der Demonstration mikroskopischer Präparate aus verschiedenartigen Erzlagerstätten schließt der Vortrag.

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