Noch ollen bisherigen Erfahrungen müssen die genannten Blutparasiten einen Entwicklungsgang in einem I Zwischenwirt durchwachen. Tas ist in Bezug auf jdie Spirillen auch schotx für die Argasiden nach- gewiesen. Daß es eine zweite Tiergruppe geben sollte, die dasselbe zu tun imstande wäre, ist nicht wahrscheinlich und müßte erst nachgewiesen werden?

Heilmittel für die besprochenen Krankheiten gibt es bis­her nicht; man ist allein auf Schutzmaßregeln gegen An­steckung angewiesen. So kann man das Vieh gegen di: Piroplasmose n (durch Piroplasmen erzeugte Krank- hellen) durch Immunisierung der Tiere in ihrer Jugend schützen, wie sich das in Texas von selbst vollzieht. Beim Texasfieber braucht man den Kälbern nur einige Kubik­zentimeter Blut von einem schon kranken Tiere etnzu- spritzen, um mit Sicherheit die Krankheit zu erzeugen. Sie wird in der kühlen Jahreszeit leicht von den jungen Tieren übcrstanden, und dies um so sicherer, wenn man auch eine' Behandlung mit Jmmunserum nebenhergehen läßt. Für das Küstenfieber ist eine sichere Jmmunsierung noch nicht zur Genüge ausgeprobt.

Interessant ist, daß Robert Koch sich in Zentral­afrika gegen das Rückfallfieber zu schützen vermochte, indem er die Lebensgewohnheiten des Ornllhodorus in Betracht zog. Diese Tiere verstecken sich bei Tage in dem trockensten Erdreich, das sie finden können, also in der zu feinem Staub zerfallenen Erde in den Eingeborenenhütten und

unter den Schutzdächern längs der Karawanenftraßen, nie­mals aber dort, wo gelegentlich Regen hinkommt. Während nun die Europäer, welche die Schutzdächer zum liebernach­ten benutzen, sich regelmäßig anstecken, vermied Koch mit seinen Begleitern die Gefahr dadurch, daß er seine Zelte in größerer Entfernung von diesen Orten im Freien auf­schlug. Wie groß die Gefahr ist, geht daraus hervor, daß die Eier in den Gelegen des Ornllhodorus sich von 515 Prozent als infiziert erwiesen; an einzelnen Orten waren es sogar 50 Prozent.

Wegen der Spirillosen des Geflügels muß man unausgesetzt gegen die Ar gas zu Felde ziehen, ihre Brutplätze in Ritzen und Mauerfpalten, in den Nestern und Brutkästen vernichten, die Ställe ausräuchern und unter Umständen in der Nacht den Tieren die Zecken ein­zeln absuchen, oder sie durch Insektenpulver vertreiben.

YI. Wissenschaftliche Sitzung der Sencken- bergischen Naturssrschenden Gesellschaft.

Frankfurt a. M., den 2. Dezember 1905. Vorsitzender: Dr. A. Jafsoy.

Fischerei-Inspektor H. O. Lübbert aus Hamburg spricht über:

Die Entwicklung der deutschen Seefischerei". Während in unserer Zeit auch itn Binnenlande sich die Erkenntnis immer mehr befestigt, daß jede große Nation, die sich ihren Anteil am Welthandel sichern will, dazu einer großen Handelsflotte und deren Benutzerin, der .Kriegs­flotte, bedarf, sind die Ansichten über die Notwendigkeit des Besitzes einer bedeutenden S e e f i s ch e r f l o i t e für em seemächtiges Volk selbst an der Küste noch wenig geklärt. Schon die Geschichte der seefahrenden Nationen aber sollte Wen Zweifler belehren, denn sie zeigt uns, daß bisher noch kein Volk zur See mächtig gewesen ist, ohne auch be­deutende Seefischerei betrieben zu haben.

Wer nun die Geschichte der letzten 1000 Jahre auf eine ^Beteiligung deutscher Fischer an den großen Seefischereien der Erde Prüft, der wird wenig darüber berichtet finden; Holländer, Engländer, Franzosen, Skandinavier finden wir überall beteiligt, sei es an der großenSchonen"fischerei zu , Beginn unseres Jahrtausends, sei es an dem Walfang bei Spitzbergen und Grönland um 1600 oder der Herings­fischerei in der Nordsee, der Kabliaufischerei bei Island und den Neufundlandinseln. >

Einzig dre Hansastädte sind es gewesen, die Jahrhunderte hindurch Deutschland mit Erfolg bei der Ausbeutung ein zelner dieser großen Fischereien vertreten haben; Hambara ''"b Lübeck nahmen teil an der Heringsfischerei, die vom 11. Jahrhundert beginnend, 500 Jahre hindurch von ver- schredenen Orten der an der Küste des Oeresund gelegenen schwedischen Provinz Schonen belieben wurde und die cine der großartigsten Fischereien aller Zellen gewesen sein Mich. Es folgte die Beteiligung Hamburgs und Bremens an dem Walfang, der von 1600 ab in den Gewässern von Spitzbergen und Grönland namentlich von Engländern und Holländern betrieben wurde. Gegen Ende des siebzehntenI Jahrhunderts fuhr alljährlich eine Flotte von 60 bis 100 stattlichen Schiffen von der Elbe und der Weser auf den Walfang aus, reiche Beute heimbringend.

Das achtzehnte Jahrhundert endlich bringt nur cine Be­teiligung P r e u ß e n s an der Heringsfischerei in der Nordsee. Friedrich der Große war es, der im Jahre 1769 die erste deutsche Heringsfischerei-Gesellschaft in Emden gründen rmd ihr auch in der Folgezeit durch Ausrüstungs­und Fangprämien, durch Schutzzölle gegen die holländischen und schwedischen Heringe, mächtigen Schutz angedeihen ließ. Die Gesellschaft entwickelte sich aufs beste, bis sie, ebenso wie eine etwa gleichzeitig mit Hilfe der dänischen Regierung in Altona entstandene Heringssischerei-Eejell- schast, durch die napoleonischen Kriege zu Beginn des 19 . Jahrhunderts gezwungen wurde, ihren Betrieb einzu- stellen.

Inzwischen war, etwa um 1700 , in Blankenese, einen} am holsteinischen Elbufer unterhalb Hamburgs gelegenen Fischerdorf, eine Seefischerei entstanden, die als der An­fang unseres jetzt so gut entwickelten Jrischfischfanges in der Nordsee bezeichnet werden muß. Die Blankeneser Fischer befischten schon vor 200 Jahren mit ihremEwern" die Nordsee von der Elbmündung bis zur holländischen Küste aus Seezungen und Schollen. Ihren Absatz fanden sie natürlich in erster Linie in Hamburg und Altona, sie suchten aber häufig mit ihren Fängen auch die holländischen Häfen auf. Die Fischerei florierte so gut, daß uni 1790 dort etwa 150 seegehende Fischer-Ewer vorhanden gewesen sind, für dauialige Zeiten ein ganz bedeutende Flotte.

Auch diese Fischerei wurde durch die napoleonischen Kriege ^geschädigt. Die Blankeneser wandten sieh daher in der Folge mehr der Jrachtschiffahrt zu, ihre Fahrzeuge wurden zum großen Teil von den Bewohnern Jinlemvärders, einer zum Hamburgischen Staatsgebiet gehörenden, vor dem lin­ken Elbufer eben unterhalb Hamburgs gelegenen Insel, erworben; die Finkenwärder Seefischerei entwickelte sich im Lause des 19. Jahrhunderts zu großer Blüte und er­reichte ihren Höhepunkt im Jahre 1887 mit einer Flotte von 187 Seefischersahrzeugen.

Neben dem Zentrum des deutschen Frischfischhandels Hamburg-Altona hatte sich in den sechziger und siebziger Jahren auch in Geestemünde ein bedeutender Fischhandel entwickelt, der seine Zufuhren durch die Helgoländer und Norderneyer Angelfischer und hauptsächlich durch einen Teil der Finkenwärder Hochseefischer erhielt. Alle bis da­hin in der deutschen Seefischerei verwendeten Fangschiffe waren Segelfahrzeuge. Geestemünde ist dann im Jahre 1884 der Ausgangspunkt des ersten. deutschen F is ch da m p fers. geworden. Ter dortige Fischhändler Busse, ein tatkräftiger, weitausschauender Mann war es, der, trotzdem bis dahin in England mit einigen ähn­lichen Versuchen keine günstigen Erfahrungen gemacht wa­ren, dm FischdampferSagita" erbauen ließ und mit ihm Versuche an stellte, die Dampflraft auch der Seefischerei dienstbar zu machen. Tas kühne Unternehmen brachte, nach Ueberwindung der anfänglich bedeutenden Schwierig- keiieu, einen vollen Erfolg. Aber erst drei Jahre später, als Busse seinen zweiten Dampfer bauen ließ, fand sein Beispiel an der Weser und Elbe Nachahmung. Seit An­fang der 90cr Jahre wird die deutsche Fischdampferslotte alljährlich durch Neubauten erheblich vergrößert und zählte ^ 1896 schon 90 Schisse. Im Jahre 1306 wird die Zahl derselben 200 überschreiten.

Die Fänge dieser großen Flocke werden angebracht in .Geestemünde, Hamburg, Altona und Nordenham. An den ersten drei Platzen werden die Ankünste sogleich öfsentbch meistbietend versteigert Geestemünde besitzt einen von der preußischen Regierung ut den Jahren 1882 lus 1886 Mi! einem Kostenaufwande von 8 Millionen Mark neuerbautcn Fischereihafen mit mrrstergültigen Anlagen. In Norden-