Frankfurt» 13. Januar.

t " ,It Rcmach. Unseren Mitteilungen im Abend­blatt über den verstorbenen Geologen Dr. Phil. h. c Albert von Reinach sei noch folgendes nachgetragen: Albert von Reinach hat sich namentlich um die Senckenberaische sturforschende Gesellschaft, der er 34 Jahre als Mitglied angehorte, verdient gemacht. Von ernstem Knssenschastlichen Drang beseelt, hat er. neben der Wissen- schast, auch sein bedeutendes Berinögen in den Dienst der Gesellschaft gestellt. Im Herbst 1897' gab von Reinach die erste Anregung zum Museumsneubau, gleichzeitig stiftete er für den Neubaufonds 110,000 Mk. Später war er ein reger Mitarbeiter in der Baukommission. Mit dem Ex- kurstonshainmer. den er ein Menschenalter lang zu seinen ; geologischen Arbeiten benutzt hatte, wurden im Mai 1904 die Weiheschläge des Museumsneubaus ausgeführt. Seit März 1883 war von Reinach »arbeitendes Mitglied" der Gesellschaft. Ein Fahr später errichtete er die von Rer- n a ch - S t i f t u n g für Museumsarbeiten, aus deren Er« trägnissen die verschiedenen Abteilungen des Museums nach und nach geordnet und katalogisiert wurden; in den letzten Fahren diente die Stiftung einer Anzahl wissenschaftlichen Sammelreisen an die Adria, in dre Lybische Wüste und an die norwegische Küste. Eine weitere Stiftung, der von R e i n a ch - P r e i s zur Förderung der Geologie. Palä­ontologie und Mineralogie in der weiteren Umgebung von Frankfurt am Main, erfolgte im April 1890. Der Preis . tarn in den Fahren 1893, 1895, 1900 und 1904 zur Ver- < ' teilung; zum Oktober dieses Jahres ist er wieder ausgeschrie­ben. Ms Mitarbeiter der kgl. preußischen geologischen Lan- desanstalt war von Reinach mit den geologischen Aufnahmen im Taunus betraut, die er größten­teils .vollendet hat. Erst vor kurzem wurde er beauftragt, Vorschläge für die Wasserversorgung der Saalburg auszu- aröeiten. Eine Reihe von Reinachs wissenschaftlichen Ver­öffentlichungen wurde schon genannt. Neuerdings ist von ihm eine hervorragende, Arbeit überDie Wasserverhält­nisse des Taunus" erschienen und in derFrankfurter Zei­tung" eingehend besprochen worden. Von seinen weiteren Schriften seien noch besonders hervorgchoben:Die Schild­kröten des Mainzer Terttärbeckens" undSchildkrötenreste aus dem eghptischen Tertiär"; das letztere Werk war grund­legend für die systematische Erforschung des eghptischen Ter­tiärs. Außerdem stammen von Reinach zahlreiche Publi­kationen und geologische Karten in den Abhandlungen der geologischen Landesanstalt. Die Beerdigung erfolgt Sonn­tag Vormittag 9 Uhr vom Portal des Frankfurter Fried­hofs aus.

! Albert von Weirmch. |

= Frankfurt n. SB., 15. Fan. Vom Portal des Frank- i surier Friedhofs aus erfolgte heute Vormittag die Beisetz­ung des am Donnrrstag verstorbenen Geologen Albert von Reinach. Auch eine große Altzahl auswärtiger Gelehrter: nahm cmt Begräbnis teil. Tie Stadt war durch Oberbürgermeister Adickes und Bürgernreister Dr. Varren- trapp vertreten; die Landgräfin von Hessen hatte den Kam­merherrn von Bothmer entsandt. Die Grabrede hielt Pfar­rer Dr. Dechent. Reinach halbe selbst noch während seiner Krankheit der Wissenschaft gedient. In hohem Maße habe er seine Liebe der Vaterstadt gewidmet und sei würdig, daß ein Dankeskranz die Grabstätte schmücke. Fm Auftrag , der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft sprach > deren Direktor Dr. Fassoy. Er müsse befürchten, gegen die Bitte des Verstorbenen, um ein stilles Begräbnis, zu £>a;tbcln, wenn er die autzerordeinlicheu Verhierrste des sel­tenen Mannes um die Gesellschaft auch rrurkurz auSeiuan- dcrsetzen wollte. Eines könne er aber versichern: dauern­der wie das Monument aus Erz oder Stein, das sich bald über dem Grabe erhebe, werde das Andenken des Toten bei der Gesellschaft bewahrt bleiben. Bei jedem RütPlick auf 1 die Geschichte der Senckenbergtschen Naturforschenden Ge­sellschaft loerde man in Dankbarkeit und Verehrung des Ätannes gedenken, der den größten Teil seiner Arbeitskraft in ihren Dienst gestellt habe. Jahr für Fahr werden die von Reinach-Stiftung und der von Reinach-PreiS den Na­men deS ewigen Mitgliedes neunen und niemand werde geo- ' logisch oder paläoutologisch rmsere Landschaft bearbeiten können, ohne sich vorher mit den bedeutenden Abhandlungen von Reinachs vertrant zu machen. Ferner sprachen: Prof. ; Hartmann für den Physikalischen Verein, dessen Vor- j standsmitglied von Reinach war, General von Chap- < puis für den Verein Krregerheim, Bankdirektor K o tz - m a n n für die Allgemeine Elsässische Dauigesellschaft, Prof. P e t e r s e n für den Alpenverein. Kräirze lvidmeten noch: Die Landgräfin von Hessen, der Vevein für naturwis­senschaftliche Unterhaltung, die Neue Zoologische Gesellschaft, die kgl. geologische Landesanftalt Berlin, das belgische Kon­sulat, die Kirchen^ und Zibilgemeinde Eppstein, das Chor Frankonia in Freiberg i. S. und andere Korporationen und Private. Mehrere Eppsteiner Vereine hattcll Vertreter ! entsandt.' __ t

121

:: Albert v. Reinach t. Gestern wurde auf dem Frank- ssurcer Friedhof die sterbliche Hülle Albcrr v. Reinachs, Rit­ters des Eisernen Kreuzes, Mitarbeiters der kgl. gcologi- fck'u Landcsanstalt und Ehrendoktors der Universitär Mar­burg zu Grabe gctrageir. Obwohl die Beerdigung ans Wunsch des Berstorbeneir i» der Stille stattfand, hatten sich tbic Leidtragenden sehr zahlreich cingefunden, unter ihnen Herr Oberbürgernrcister. Adickes und Erz. General S t ü l p n a g e l. Nach einem Trancrchor trat Herr Pfarrer Dr. D e ch e n t an die offene Gruft und widmete dem Ver­storbenen einen warmen Nachruf. Ausgehend voir den Bibel- WortenSelig sind die Toten, die im Herrn sterben" und Haltet mich nicht auf. der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben", gcdachre der Rcdirer der Leidcnszeit, in der dem Verblichenen, dessen Kräfte langsam schwanden, die Welt imincr enger und kleiner zu iverden schien. Mit christlicher Geduld habe der Verstorbene diese letzten Prü­fungen hingenominen. Von dem vielen, loas ihm während seines Erdenillande ls zu genießen bcschiedcn ivar, hatten mich anderen reichlich mikgcrcilt. Vor allem ist ihm seine Paterstadt zum Tanke verpflichtet. Obwohl seiner Jugend die gelehrten Studien fremd geblieben, hat sich der Ver­storbene später in die Erforschung der ersten llrkunden des Menschengeschlechts vertieft und auf diesem (Gebiete Dau-z vrndcs geschaffen. -Ihm lag ferne, im Ranreu der Reli- ßicit die Freiheit der Wissenschaft zu bekämpfen, doch ivar! fer midererseits der llcverzcngiing, daß Religion neben der j Wissenschaft sehr ivohl bestehen könne. Wer in solchem Sinne wirtt, waltet als Priester im Heiligiuui der Wissenschaft.

Als Menschenfreund ivar der Percivigte viel bemüht. die Wunden der Leidenden zu heilen. 1870 ist er von diesem edlen Streben beseelt mit ins Feld gezogen. Zur Gründung eines Altersheims Hai er in hochherziger Weise Veigeiragen.

Bei all scineni Wohltun ivnßre die Reckte nicht, ivas die Linke gab. Seiner Gattin ivurdc er »ach OOjährigem Ehe­stand durch den Tod entrissen. Hernach ergriff der erste Direktor der Senckenbcrgischcn Nariirforschendcn (tzescllschast Dr. August Jassoy das Wort zur folgende» Ansprache:

^,Fin Anträge der S e n ck e n b e r g i s ch e n N a r u r for­sch e n d c n Kiesel Ischafr ividmc ich diesen Kranz un­serem zu früh dahingeschiedenen Mitgiiedc und Freunde.

Ich müßte befurchten, gegen: den Willen um stilles Begräbnis hcs teueren Verstorbenen zu handeln, iucnn ich Ihnen au diesem ofseucn Grabe die außerordentlichen Verdienste deS seltenen MauncS um die Senckenbergilche Naturforschendc Ecscllschait ausciuauder setzen ivolltc. Eines darft ich Sic über versichern. '/^auernP'x Ivic das Monument aus Erz oder Stein. welches sieh all dieser Stelle erheben wird, wird' das Andenken des Verblichenen bei tinsercr Gesellschaft be­währt bleibe». Bei jeden: Rückblick ^ auf unsere Geschichte werden wir in Taulvarteir und Verehrung des Mannes ge­denken, der den größten Feil feiner ungeheueren Arbeitskraft in rnrseren Dienst gestellt harte. Jahr für Fahr ivird uns die v. Reinachs Stiftung, der v. Reiuach-Preis den: teuere!: Painen unseres ewigen Mitgliedes nennen, zahlreiche Sninmluugsobjckte rufen ihn uns täglich zu und niemand wird geologisch unsere Landschaft vearbciten können, ohne sich mit den bedeutenden Abhandlimgen v. Reinachs vcr- itrant zu inachcn. Die Senckenvcrgische Raiurforscheiide Ge­sellschaft hat mit unauslöschlichen Züge» dei: Namen von Reinach in ihr ErinncruugSbnch eingetragen: sie ivird seiner Koch gedenken, ivenu von uns, den Zeitgenossen des Hinge­schiedenen, keiner mehr diese Sonne schant.'^/ Außer dc>: , Genannten legten ain (tzrabe noch Kranz- m:d Blnmcnspen- j dei: nieder: Herr Dr. Sack als Vertreter des Vereins für , naturwissenschaftliche linterhaltung, für die Verwaktung der ^ i Renen Zoologischen Gesellschaft Herr Dr. Reiß, Herr Di- j rcktor Coßuiauu von der Allgemeinen Elsässische» Bant,., i Herr Professor Dr. Hart manu in Vertretung deS Phy- ^ i iikalischci: Vereins, dessen Vorstandsmitglied der Verblichene ^ :

lange Jahre gcivesen, ein Vertreter des Corps Frankonia in Freiburg, der hiesige belgische Konsul Behrens als Nach- , folger deS Verstorbenen in diesem Amte, im Namen der, ^ belgischen Regierung, je ein Vertreter der philosophischen l Fakultät der llnivcrsität Marburg, deren Ehrendoktor der Verstorbene ivar, und der geologischen Lai:dcsanstalt in Berlin, Herr Professor Dr. P e r e r s c n als Vorsitzender I

der Sektion Frankfurt a. M. des Deutschen und ;

Ocsterreichischeu Alpeuvercins, deren Vorstand v. Reinach j

'früher ebenfalls augehört hat, ein Vertreter der Zwilgc- :

meiude Eppstein, deren Ehrenbürger der Verblichene war, ! ein Vertreter der evangelischen Kirchengemci>:de Epppei», \ Kammcrhcrr Frhc. v. Bo dm er im Aufträge der Lm:d- ^ gräfiu von Hessen, der Nacbbar des v. Rciuachschcn Oluke» | j Fuhr. v. V i u ck e u. a. - j