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Sein eigentliches Fachstudium hat zur Veröffentlichung zweier Notizen über die Influenza und einer Ab­handlung über den Descensus und Prolapsus Uteri Veranlassung gegeben, welch letztere als Doktordisser­tation gedient hat. In demselben Jahre, wo sie erschien, nämlich 1891, gab der Verfasser auch ein umfang­reicheres ornithologisches Werk heraus, welches den Titel trägt:Fremde Eier im Nest. Ein Beitrag zur Biologie der Vögel. Dasselbe ist mit grossem Fleifse und ausserordentlicher Gewissenhaftigkeit gearbeitet und verrät bereits das Talent Leverkühns, ein umfangreiches literarisches Material einheitlich zu behandeln, sowie seine Vorliebe für sorgfältige bibliographische Zusammenstellungen und historische Mitteilungen, deren er später zahlreiche geliefert hat. Daneben hat er sich aber nicht minder als guter Beobachter und kritischer Forscher in der Ornithologie erwiesen und dazu zahlreiche Reisen unternommen, deren Resultate er in einer Menge von einzelnen Aufsätzen und zum Teil auch vom rein geographischen Standpunkte aus verwertet hat. Leverkühns Reisen sind keine der heutzutage so gewöhnlichen grossen Expeditionen in fremde Erdteile, sondern erstrecken sich nur auf die meisten Gegenden Deutschlands und Österreich-Ungarns, auf Dänemark, Belgien, Frankreich, Italien, Schweiz, Holland, Rufsland, Finland, Rumänien, Montenegro, sowie auf die europäische und asiatische Türkei; jedenfalls haben sie nicht wenig dazu beigetragen, seinen Gesichtskreis zu erweitern und den persönlichen Verkehr mit namhaften Fachgenossen zu pflegen. Seine Vorliebe für die historische Seite der Wissenschaft und die Würdigung der Verdienste derer, die nicht mehr unter den Lebenden weilen, liefs ihn besonders geeignet erscheinen, um bei der Neuherausgabe von Naumanns Natur­geschichte der Vögel Mitteleuropas die Lebensgeschichte der beiden Naumanns und die Bibliographie ihrer Werke zu bearbeiten; eine Aufgabe, die er nicht nur in ausgezeichneter Weise gelöst hat, die ihn auch bei der ihm eigenen Gründlichkeit und Begeisterung dazu führte, sich in diesen Gegenstand viel weiter zu ver­tiefen und ein Material zu sammeln, welches weit über den Rahmen der neuen Bearbeitung jenes klassischen Vogelwerkes hinausging.

So fafste er den Plan zur Herausgabe einer umfassenden Naumann-Biographie, die ihn während der letzten Jahre in hervorragendem Mafse beschäftigte und die zu vollenden ihm vom Schicksale nicht vergönnt war. Im Zusammenhänge mit dieser Arbeit hat Leverkühn vielfach mit mir korrespondiert, und es ist mir eine Freude gewesen, ihn gelegentlich durch bibliographische Nachweise unterstützen zu können, wo ihn die Hilfsmittel in seiner neuen Heimat im Stich liefsen. Als es mir gelungen war, eine kleine Notiz Naumanns in einer alten Zeitschrift aufzufinden und ich auf seine freudige Erwiderung meiner Mitteilung rechnen durfte, erhielt ich von fremder Hand, aber in seinem Aufträge folgenden Brief:Meine schwere Erkrankung an Typhus wirft mich und meine Naumann-Studien auf ein Jahr zurück. Seine kräftige Natur hatte ihm die Hoffnung gegeben, zu genesen! Am 5. Dezember um 1/ 2 Uhr nachmittags ist er in seinem 39. Lebensjahre sanft entschlafen, viel zu früh für seinen Wirkungskreis, für die Wissenschaft, für seine Angehörigen und sehr zahlreichen Freunde. In Ausführung seines Wunsches ist sein Leichnam nach Gotha überführt worden, um im dortigen Krematorium verbrannt zu werden. Vorher war er im fürstlichen Museumsgebäude aufgebahrt, von wo aus er unter sehr zahlreicher Beteiligung und unter den Klängen des Beethovenschen Trauermarsches in die deutsch - evangelische Kirche geleitet wurde, um eingesegnet zu werden. Hier hat auch der Fürst seinem treuen Diener die letzte Ehre erwiesen.

Als bleibendes Denkmal seiner Tätigkeit in Sofia hat Leverkühn das von ihm gegründete und mit besonderer Liebe gepflegte naturhistorische Museum hinterlassen. Als er 1904 zum Mitglied der Leo- poldinischen Akademie ernannt war, schrieb er in seinem Dankbriefe an den Präsidenten:Es ist eine schöne Anerkennung meiner Tätigkeit im Auslande, welche mir seitens des deutschen Vaterlandes in dieser Form zu teil wird. Seit etwa zehn Jahren arbeite ich an der Ausgestaltung eines von mir ins Leben gerufenen naturhistorischen Museums, welches, so Gott will, im nächsten Jahre dem grofsen Publikum eröffnet werdem soll. Es würde für mich eine besondere Freude sein, wenn die deutsche Akademie einen Delegierten zu dieser Eröffnungsfeier entsenden wollte, um ein Urteil darüber zu gewinnen, ob Ihre Wahl auf keinen Unwürdigen gefallen ist.

Aber auch im Andenken derer wird er fortleben, die ihm persönlich näher getreten sind; denn im seltenen Mafse war ihm die Gabe verliehen, sich die Herzen zu erschliefsen. Die deutsche Kolonie und die deutsche Schule verlieren durch seinen Heimgang ihren treuesten Berater. Gleicher Hochachtung erfreute er sich bei der bulgarischen Bevölkerung.

An äufseren Ehrenbezeichungen hat es ihm nicht gefehlt; seinem Sarge wurden auf zwei Sammet­kissen einundzwanzig hohe Orden vorangetragen. Im Jahre 1901 erhielt er die goldenen Palmen der französischen Akademie.