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-s Dr. Achill Andreae -s. In Hildesheim starb gestern, wie schon kurz telegraphisch gemeldet wurde, nach langem Leiden der Direktor des dortigen Römer-Museums, Dr. Achill Andreae im Alter von 45 Jahren. Er war am 14. November 1859 zu Frankfurt a. M. als Sohn des Bankiers Achill Ändreae geboren. Schon als Schüler ent­faltete er, angeregt durch die Vorlesungen im Senckenbcrgi- schen Institut, eine rege Sammeltätigkeit. Er studierte in Straßburg und Heidelberg Paläontologie, Geologie und Mi­neralogie. Nach beendeten Studien, die auch der Kunst gal- ' ten, unternahm er längere Reisen und wurde dann Privat­dozent und bald außerordentlicher Professor an der Heidel­berger Universität. Nach fast zehnjährigem Warten auf eine ordentliche Professur erhielt er von dem Gründer des- mer-MuseumS, Senator Römer in HildcShenn, den Auftrag ur Leitung eines Kunst- und Wissenschaftsmuseums, das iesor hervorragende Gelehrte eingerichtet und seiner Vater­stadt zu überlassen gedachte. Nicht e i n Museum war eS, dessen Verwaltung Andreae übernahm und glänzend durch­geführt hat, es war eine ganze Anzahl von Museen, eine kleine Stadt, die in ihrer ungleichen Anlage etwas an das germanische Museum in Nürnberg erinnert. Hrer hat An, dreae seinen eigentlichen Wirkungskreis gefunden, als Pfle­ger der Kunst und Wissenschaft, in einem behaglichen und kunstsinnigen Bürgertum von ruhmreicher Vergangenheit. Manche treffliche Leistung hätte man von der eminenten Be­gabung dieses seltenen Künstler-Gelehrten noch erwarten dürfen, wäre er nicht in kräftigem Mannesalter einer schwe- ren Krankheit, an der er lange litt, erlegen.

(Nachdruck der mit Originalzeichen versehenen Artikel ist nur mit genauer Quellenangabe gestatict.)

Frankfurt a. M., den 18. Januar 1903.

? Achill Andreae ß. In Hilde sheim starb gestern nach langem in Geduld ertragenem Leiden der Direktor des dortigen Römer-Museums, Dr. Achill Andreae im Alter von 45 Jahren. Am 14. November 1859 zu Frankfurt a. M. als Sohn des Bankiers Achill Andreae geboren, entfaltete er schon als Schüler, angeregt durch die Vorlesungen im Senckenbergischen Institut, eine rege Sam» mleltätigkeit. Seine Universitätsstudien in Straßburg und Heidelberg waren vor allem ans das Studium der Pa­läontologie, Geologie und Mineralogie gerichtet. Aber Mich Kunststudien wurden nicht vernachlässigt und auf Reisen in Frankreich uud Italien, England,, Rußland und Nordame­rika, Griechenland uud Türkei, Algerien, Tunis und Egyp- l ten vervollkommt. Als Privatdozent und bald als außer-! ordentlicher Professor an der Heidelberger Hochschule war er schriftstellerisch überaus tätig. Besonders übermittelte er auch nordamerikanische Forschungen. Keiner war durch seine Vertrautheit mit den modernen Sprachen eng­lisch, französisch und italienisch sprach und schrieb er wie seine Muttersprache so geeignet, den Studenten diese Fülle des Neuen mitzuteilen. Keiner war auch so befähigt, mit dein Stift, dem Pinsel, der photographischen Platte und dem Modell seine Referate und Forschungen so anschaulich zu rnachen wie er. Aber die Verhältnisse in Baden waren zu klein. Nach fast zehnjährigem Warten auf eine ordent­liche Professur erhielt er von dem Gründer des Römer- Museums d«eu Auftrag zur Leitung eines Kunst» und Wissenschaftsmuseums, das dieser hervorragende Gelehrte eingerichtet und seineir Vaterstadt zu überlasten gedachte. Und Senator Römer zu Hildesheim hatte in Andreae den richtigen Mann erkannt. Wer hätte auch sonst für die Kunst des Altertums und der Moderne, für den Hildes- heimer Silberfund, für die reichen Münzschätze der Bi­schöfe, für die wunderbaren Sammlungen aus prähistori­scher Zeit das gleiche Verständnis und warme Interesse gehabt, wie für die kostbaren, einzig dastehenden Kollektio­nen von Versteinerungen aus deutschen Gebirgen, wer hätte endlich daneben noch Liebe und Verständnis gehabt für die selten reichen Kollektionen an Schmetterlingen, Vogeleiern, Schnecken und Muscheln usw., die Andreae in Hildesheim unter seine Obhut bekam. Nicht e i n Museum war ß freilich, dessen Verwaltung er übernahm und glänzend durchgeführt hat, es war eine ganze Anzahl von Museen, eine kleine Stadt, die in ihrer ungleichen Anlage etwas an das germanische Muscuin in Nürnberg erinnert Hier hat er seinem eigentlichen Wirkungskreis gefunden, als Pfleger der Kunst und Wissenschaft in einem behaglichen und kunst­sinnigen Bürgertum von ruhmreicher Vergangenheit, in einer Stadt von berückender Schönheit. Ein gerader Cha­rakter, tolerant gegen anders Denkende in der Wissenschaft wie der Kunst, Fortschrittsmann vom Scheitel bis zur Zehe und gerade durch diese Eigenschaften überall beliebt und geehrt. Große, weltmännische Ausfassung, Sinn für das Schöne, Sparsamkeit da, wo sie nötig war, aber niemals Knauserei, dieses Gepräge hat er dem Römer-Museum, eine

Zierde der Wnnderstadt Hil-desheim, aufgedrückt und hin­terlassen. Gleich harmonisch wie sein Charakter war sein Familienleben. Seine Gattin, eine geb. von Wasner, aus vornehmer Offiziersfamilie, war ihm eine treue, verständ­nisvolle Gefährtin und während der langen unaufhaltsam fortschreitenden Krankheit eine rührende Pflegerin. Mit ihr und ihren Kinderir trauern zwei Städte, das alte Frankfurt, dem Andreae seine harmonische BiEmng ver­dankt, und Hildesheim, dem er so viel Davon geben konnte. Wie manche reise Frucht hätte man von der eminenten Be­gabung dieses selteiren Künstler-Gelehrten erwarten dürfen, hätte uns nicht ein tragisches Geschick ihn so srüh und jäh­lings entrissen.

Frankfurt a. M., den 22. Januar 1905, I

§ Naturdenkmalschutz im Frankfurter Wald. Wie aus! fcent Von rag ersichtlich ist, den Pros. Dr. H, Conmentz aus Tauzig geistern abend m der Senckenbergischen Gesellschaft (Bericht stehe in heutiger Nummer) gehol­ten hat, liegt es in der Absicht der Negierungen, auch den heimischen Naturdenkmälern den Schutz und die Pflege an­gedeihen zu lassen, die man den Kunstdentmälcrn schon lange zngewende! hat. Die Materie ist in Hessen bereits gesetzlich geregelt und wird über kurz oder lang auch die preußische Gefltzgebung beschäftigen. Zu ersprießlicher Ar- beit auf diesem Gebiet sind vor allem die. Korporationen berufen, denen in den betreffenden Landesleilen die Pflege der Naturwissenschaften obliegt. Zu einer Jnvenlarisie- ruug der Naturdenkmäler in unserer Provinz hat die Sen- ckenbergische Gesellschaft bereits die Vorarbeiten vollendet.! Dies« mühevolle Arbeit der Registrierung war die Vorbe­dingung zur Pflege. Al>er die Gesellschaft ist auf dem Wege der Praxis noch einen Schritt weiter gegangen, den alle Naturfreunde mit Jrende begrüßen werden. Sie hat zur Erhaltung einiger besonders interessanter Teile des Frankfurter uud Schwanheimer Waldes in ihrem jetzigen Zustand die ersten Schrille getan, indem sie beim Frank- surter Magistrat und der Schwanheimer Gemeindeverwal­tung die Pflege und den Schutz dieser Reviere im Sinne des Naiurdenkmalschutzes beantragt hat. Willfahren die Behörden den Wünschen der Gesellschaft, woran ja kaum jii zweifeln sein dürste, so werden wenigstens einige in botani­scher und zoologischer Beziehung in unserer nächsten Nach­barschaft einzig dastehende eng begrenzte Gebiete den For» schcrn und Naturfreunden unberührt in ihrer charakteristi­sche» Eigenart zmn Studiuni und zur Jrende erhalten blei­ben. Es ist hohe Zeit, über sie dastabu" zu sprechen, denn unsere aus das Materielle, Nützliche gerichtete Zeit hat wenig Sinn für die Naturschönheiten, wenig Achtung vor ihrer Ehrwürdigkeit; selbst der modernen Forstwirt- schast ist im großen Ganzen der Idealismus frenw, der doch gerade ihr jo schön zu Gesicht und Gewand stehen würde. Es handelt sich vorerst um drei Reviere, die geschützt werden sollen, die vollkommen bleiben sollen, wie jedes Stück unberührter Natur,wo der Mensch nicht hin- koinmt mit seiner Qual". Im Frankfurter Wald han­delt cs sich unl das Gelände uim den Mörderbrunnen lind die Försterwiese, zwischen Försterwiesenweg und tzaincr- weg. Es ist von den» Luderbach, den> einzigen Wasserlaus in unserem Stadtivald, durchflossen und mit gemischteiu Laubwald und Nadelwald bestanden. Zur Zeit befindet es sich in Schmlung. Als Schutzgebiet eignet es sich des­halb besonders, weil es infolge der Boden- und Wasscr- verhältnisse zu den in Bezug aus die Vegetationsverhält­nisse interessantesten im ganzen Sladtivald gehört. Sumps- gcbiet und trockene Flächen liegen dicht beieinander. Da­her die Mannigfaltigkeit der Flora. Hier Sumpf» und Moorpflanzen, unter ihnen der bekannte heimischefleisch- ircffcnte" Sonnentau (l)rosera rotundifoüa), dort Ver­treter der Heidcslora, wie Erika und Heidelbeere. Uud diese reiche Pflanzenwelt bringt die Bedingungen für eine, Fauna, wie sie scnst im Stadtwald nicht vorhanden ist. Auf der Försterwicse fliegen Schmetterlinge, schaukeln sich Libellen, sumiitcn Hummeln, schwirren andere Insekten, die nur hier ständige Bewohner, Heimatbürger sind. Hier! ist auch der einzige Distrikt des Waldes, wo neuerdings wieder der Fetiersalamander, der seit 30 Jahren als in> Gebiete ausgestorben galt, wieder aufgefunden wurde. Be­züglich des Schutzes dieses Geländes wünscht die Sencken- bergische Gesellschaft eine Einzäunung, da sich durch an­dere Maßnahmen an djsftm oielbesuchen Punkte eine wirk­same Einrichtung ufc Erhaltung des jetzigen Zustandes i nicht erreichen ließe. Im Schwanheimer Wald sollen

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