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Aber in mannigfachster Weise hat Albert von Reinach aufserdem für die Wissenschaft gewirkt und insbesondere innerhalb der Senckenbergischen Naturforschenden (Gesellschaft sich betätigt. Er stellte seine reichen Mittel in den Dienst der Wissenschaft, gründete aus eigenstem Antriebe und nach seiner trefflichen Einsicht reiche Stiftungen. Diese kamen der Ordnung der Sammlungen des Senckenbergischen Museums im höchsten Grade zu Gute, und besonders dessen geologisch-paläontologischer Teil hat sich in hohem Mafse der freigebigen Förderung Alb. von Reinachs zu erfreuen gehabt. Das trat ganz besonders bei der Deutschen Naturforscher-Versammlung 1896 und bei der Versammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft 1900 hervor, als die Senckenbergischen Sammlungen mit Recht durch die Ordnung und durch die Bedeutung ihrer Erweiterungen Aufmerksamkeit und Freude erregten.
1897 war es Albert von Reinach vor allem, der mit einem anderen Mitgliede der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, Herrn C. Albert Keyl den ersten Anlafs zum Museums-Neubau gegeben hat, den er späterhin nicht nur durch seinen wertvollen Rat, sondern auch durch mehrmalige grofse Beisteuern gefördert hat. Frankfurt a. M. steht durch die Großartigkeit und die Bedeutung seiner wissenschaftlichen und künstlerischen Anstalten unter den deutschen Städten in erster Reihe. Bürgersinn und Bürgertugend haben so Großes geschaffen. Ein Vorbild solchen edlen Geistes war Albert von Reinach. Unter Frankfurts Söhnen werden solche Männer auch in Zukunft nicht fehlen, auf die ihre Vaterstadt wie das gesamte deutsche Vaterland stolz zu sein das Recht haben.
Hofrat Dr. Paul Leverkühn t»
Ein Wort der Erinnerung von Otto Taschenberg’, A. M.
In der Blüte des Mannesalters, mitten aus einem reichen Wirkungskreise und aus dem Glücke der Schaffensfreudigkeit ist durch den Tod ein Mann herausgerissen worden, dem das unleugbare Verdienst gebührt, deutscher Gelehrsamkeit und Gründlichkeit im Osten unseres Kontinents eine Stätte bereitet zu haben. Fern von seinem Vaterlande ist am 22. November / 4. Dezember 1905 in Sofia, wo er eine zweite Heimat gefunden hatte, Herr Dr. Paul Leverkühn, Direktor der wissenschaftlichen Sammlungen und der Bibliothek seiner kgl. Hoheit des Fürsten von Bulgarien, nach kurzem, aber schwerem Krankenlager aus dem Leben geschieden.
Er war am 12. Januar 1867 in Hannover geboren, wo sein Vater Karl Georg Christian Geheimer Regierungsrat und Schulrat war, und hatte bei der Taufe die Vornamen Paul Georg Heinrich Martin Reinhold erhalten. Seine Mutter Louise stammt aus dem Geschlechte Griesebach und ist im fast vollendeten 82. Lebensjahre erst im Frühjahr dieses Jahres verschieden, während der hochbetagte Vater, der nach seiner Pensionierung in Hildesheim seinen Wohnsitz genommen hatte, Gattin und Sohn überlebt. Der letztere hat seine Schulbildung erst auf dem Lyceum I zu Hannover und dann noch für ein Jahr auf dem kgl. Gymnasium zu Clausthal (im Harze) erhalten und hat 1886 die Universität bezogen, um Medizin zu studieren. Dies geschah zunächst in Kiel, wo er bis 1888 blieb und das Tentamen physicum bestand, dann (von 1888 bis 89) in Strafsburg i. E., 1889 in Freiburg i. B. und von 1889 bis 1891 in München. An letzterer Universität absolvierte er im Februar 1891 das medizinische Staatsexamen und wurde er wenige Monate später (am 9. Mai) in derselben Fakultät zum Doktor promoviert, war daselbst auch noch einige Zeit als praktischer Arzt und Assistenzarzt tätig, bis er im Juni 1892 vom Fürsten Ferdinand von Bulgarien engagiert wurde, in die persönlichen Dienste desselben zu treten. Ehe dies geschah, machte er noch eine militärische Übung im Frühjahr 1903, die ihm den Rang eines Reserve-Sanitäts-Offiziers einbrachte, und nun siedelte er am 1. Mai desselben Jahres in die bulgarische Hauptstadt über, wo er zunächst die Stellung eines Privatsekretärs des Fürsten einnahm, aber schon einen Monat später den Titel als Direktor der wissenschaftlichen Sammlungen usw. erhielt. Im Jahre 1897 übernahm er von neuem die Obliegenheiten eines Privatsekretärs, denen er sich auch ferner unterzogen hat, und wurde am 24. Juni 1904 durch die Ernennung zum Hofrat geehrt. In seinen heimatlichen militärischen Verhältnissen war er während dessen zum Stabsarzt der Reserve befördert.
Leverkühn war eine sehr begabte und vielseitig beanlagte Natur. Seine literarische Tätigkeit ist eine bedeutende, und zwar ganz besonders, aber doch nicht ausschließlich, auf ornithologischem Gebiete.