* Frankfurt, 27. Mai.
Neubau Des Seuckeuvergiauums.
Vor Jahresfrist, am Gründungstag der Sencken- ffergtschen Naturforschenden Gesellschaft, ist der G rundst e i n für die neuen Ästuseumsdauten an der Viktoria-Allee gelegt worden. Heute ist der Rohbau bisnntersDach gediehen, sodaß die Senckenbsrgische Gesellschaft mit der Feier ihres Jahrestags — der 2 7. M a i — eine offizielle Besicht i g u n g ihres neuen Heims verbinden kann. Ucbers Jahr — so hofft der Architekt ^ Baurat Ludwig Rehe r — soll die Uebergabe des Museums erfolgen.
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st ische A u s st a t t u n g. Hyr gvanplpymuo. zwölf Meter breites und dreieinhalb Meter hohes Giebel relief, das von Bildhauer I. Belz modelliert und in Stein ausgcführt wird. In der Mitte tritt plastisch das Wappen .Senckcndcrgs hervor, flankiert von^ zwei idealen Frauengestaltcn: forschende und lehrende Wissenschaft. 2t* seitlichen Gruppen beziehen sich auf das Museum u>id stellen im Löwen, Adler, Krokodil die Reihe der Wirbeltiere dar. Das Ganze wird in pietätvoller Erinnerung an das alte Senckenbcrgianum von einem drei Meter hohen S a- t u r n mit Sense und Zeitglas gekrönt. An den Giebelanfängen reihen sich links und rechts Kinderfigurcn, an deren eine die Fischerei, die andere beit Vogelfang zur Darstellung bringen. Die seitlichen Ecken des Mittelbaues werden durch zwei große Gruppen abgeschlossen: die Bekämpfung der Tierwelt durch die mvraltsche und die physische Kraft des Menschen. Die Figur des Saturn und die übrigen Gruppen außer-dem Giehelrelies werden in Kupfer getrieben und von der Firma K n o d t -- Bockeitheim aus geführt. Die Fensterbrüstungen des Miitelrisalits zeigen vier Embleme: Acker- und Gartenbau, Jagd und Fischerei, Kunst und Wissenschaft.
Durch das Hauptportal gelangt matt zunächst in eine weite Vorhalle. Zweiunddreißig Sandstein-Säulen mit Reichen, jonischen Kapitalen, tragen die Decke. Von hier führt eine sechs Meter breite Freitreppe nach dem großen L i ch t h o f, um deit sich in günstiger Anordnung die Mu- .foumsräumc gruppieren. Seitlich führen breite Treppen in drei hintereinander geschobenen Läufen nach dem Haupt- und ersten Obergeschoß zu einer größeren Halle, die dem Festsaal als Dorraunr dient. Heber dem Mittelbogen nach dem großen Lichthos wird auf Höhe des ersten Treppenpodestes in einer Kartusche aus Muscheln und Früchten, ein Medaillon Senckcnbergs angebracht. Darüber -sein Wappenwahlspruch: „Ehrlich von Geblüt, aufrichtig von Gemüt und von Herhen trew: das ist ntci Liberey!"
Die Anlage läßt jetzt schon den großartigen monumentalen Charakter des Vestibüls mit Trcppenanlage und dem reizvollen Durchblick nach dem inneren Lichthof. erkennen. Tie freien Felder zwischen den Wandpilastern der Vorhalle sollen mit paleontologifchen Darstellungen belebt werden. Die ganzen Decken werden nach System Eckert mit Eisen- anlage hergeftellt. Die freie Tragfähigkeit konnte dadurch so gesteigert werden, daß man in der Vorhalle eine Spannweite von 8,10 Metern erreichte; damit ist die größte freitragende Decke in Frankfurt geschaffen.
Die Räume für das Museum gruppieren sich, wie bemerkt, u m d c n L i ch t h o s. Die Mitglieder des Senkten- bcrgianums werden,. wie uns der Bauleiter Stefan Simon verriet, bei der heutigen Jahresfeier bereits mit .einer fertigen Probekoje überrascht. Die Tiere werden darin, wie sie in der Freiheit leben, mit Bäumen und Fclspartien, untergebracht. Der Beschauer steht ähnlich, wie bei den Scewasser-Aquarien in einem dunklen Gang, während die Koje ihre Beleuchtung durch hohes Settenlicht erhält. Im Obergeschoß ist außerdent das Modell der Gtebelgruppe zu sehen und im Lichthof, auf einem Postament, steht fertig, in Kupfer getrieben, Saturtt mit Sense und Sanduhr.
Die Erd- und Maurerarbeiten werden von der Bauftrma Gebrüder Seeger ausgeführt. Beteiligt sirtd weiter: die Firmen Holzmann, an den Steinmetzarbeiten, B u ch - heim u. Heister, Deckenkonstruktion, G r u m b a ch, Zimmerarbeiten, 2B. Beendet, Eiscnlieferung und Montage, K. Vogt, Dachdeckerarbciien. Die Bildhauerar b e i t e n sind, wie schon erwähnt, zum Teil von Johann Belz, ginn Teil von Enianuel Hartherz modelliert.
* Frankfurt, 24. Mar. Die Neubauten Des Senckenbergianums.
Vor Jahresfrist wurde'auf dem Gelände zwischen Viktoria- Allee und K c t t e n h o f w e g m!t dem Neubau der wiffcnschafi- lichen Institute begonnen und heute schon steht d:r Mittel- und Hauptbau, das Museum, in seiner äußeren Erscheinung fertig da. Die eigentliche Front dieses Gebäudes wendet sich nach der Viktoria-Allee. In rötlichen, geflammten Mainsandstcin. mit der dreifachen Gliederung und den drei Stockwerken, ausschließlich dem Dachgeschoß, wirkt die Fassade mehr behäbig Franksurtisch, als wuchtig mouumciital. Eine Hinneigung zum barocken Baustil des alten Senckenbergianums am Eschenheimer'Tor ist unverkennbar, wenngleich nur in dem seitlichen Bibliotheksgebäude, am Audi- toriumsgebäude und an der Sternwarte direkte Baumotivc mit übernommen worden sind.
Die Räume des Museums, die bereits jetzt ihre günstige Anordnung und ihre vorteilhaften BeleuchtungsverhAtnisse erkennen lassen, gruppieren sich um den L i ch t h o f und dieser ermöglichte es, daß in dem neuen Bau doppelt so viele Aus- stellungsräume geschaffen werden konnte», wie im alten Museum am Eschenheimer Tor. Besonders hübsche Räume sind für die Abteilungen der Geologie und der Mineraliensammlungen bestimmt, die beide bisher nur sehr ungünstig plaziert werden konnten. Im Borderbau gewahren , wir groß angelegte Räume, die als H ö r s ä le ihre Bestimmung sinken werden; der größere davon wird etwa ein Viertel Tausend Zuhörer saffen können, die kleineren halb soviel. An der plastischen Ausgestaltung der Fassade und des Lichthofs i wird der Bildhauer mannigfache Aufgaben finden. Charaktc- * ristische Tierköpfe über den Bogenschlußsteinen werden auf den ' Zweck der Sammlungen Hinweisen, eine künstlerische Widmungs- tasel über der Eingangshalle nimmt auf die Vergangenheit des Senckenbergianums und auf seine Gönner Bezug. Der Festsaal reicht durch zwei Stockwerke, enthält Galerien und wird wohl auch infolge seiner vorteilhaften Lichtverhältnisse für vorübergehende Ausstellungszwecke dienen können.
Rechts vom Museum, etwas nach Westen gerückt, erhebt sich dasAuditoriumsgcbäude, dessen Rohbau ebenfalls bereits die Art der Anlage erkennen läßt. Die beiden genannten Bauten werden nach Baurat N e h e r s Plänen hergestellt, während die B i b l i o t h e k an der nordwestlichen Ecke des Baublocks und das PhysikalischeJnstitut. deffen Hauptfront sich am Kettenhosweg entlang zieht, vom Baurat v. Hoven entworfen wurde. Von diesem letzteren Bau sind zur Zeit nur die Grund- arbeiten zu sehen. Zahlreiche Erdarbeiter bewegen die gewaltigen Erdmassen, um Raum für die Fundamente dieses langgestreckten Baues zu schaffen, der zweifellos eine Zierde des Kcttcnhoswegs Werden wird.
Das vierte Gebäude, die A k a d e m i e, hängt mit den Hauptbauten des Senckenbergianums zusammen, wird aber als durchaus selbständige Schöpfung von derChristofJügel-Stiftung errichtet und ist als Heim der jetzt in der Vörsenstraße unter- gcbrachten „Akademie für Sozial- und Handelswiffcnschasten" bestimmt.
Ueberblickt man die ganze architektonische Schöpfung, die sich aus dem neuen Gelände erhebt, so kann man schon jetzt von einer wesentlichen Bereicherung des architektonischrnBildes unsererStadt sprechen. Das neue akademische Viertel ist auch außerdem durch eine Reihe besonders schöner Straßenzüge umrahmt. Die Viktoria- Allee, der neue Kettenhosweg mit der Ncuanlage des botanischen Gartens und den Villenbauten der .bevorzugten" Bauzone; der Hohenzollernring mit der neuen Matthäuskirche, die uns ein Darmstädter Bauproseffor nach neuestem Stil beschert hat — man sicht, daß Neu-Frankfurt unter dem Zeichen einer Vorwärtsentwicklung steht, die der Altstadt-Bewegung durchaus nichts nachgibt. — ntft—
In dem Bericht im ge^rigmWendblatt über die Einweihunge» seier der Technischen Hochschule in Dresden war als einer der honoris causa zum Doctor ing. Promovierten R. Bitterhoj in Biebrich a. Rh. aufgeführt. Infolge eines Hörfehlers ist der Name falsch geschrieben worden, es mußte Rudolf Dyckerhofs in Biebrich heißen. —v ai ,lB
* Senckenbcrgische Gesellschaft. TaS Jahresfest der S e n ck c n b e r g i s ch c n G e s cl l s ch a ft findet Sonntag, den 28. Mai, im MnseumSgebäudei Bleichstraße 59, statt. Rach der Begrüßung durch den ersten Direktor Dr. Jas-, tut) hält Prof. Brauer-Marburg einen Vortrag über die Leuchtorgane der Tiefscefische. Zum Schluß wird der Jahresbericht vom zweiten Vorsitzenden Stabsarzt Prof/ Marx erstattet. ,