Im Winter 1904/05 wurden IS w isse n sch a ft I ich e Sitzungen abgehalten. Die Sitzungen erfreuten sich eines so regen Besuches, daß der Hörsaal öfters nicht im stände war, allen Mitgliedern Raum zu geben. Leider läßt sich im alten Hause eine Aenderung nicht treffen; doch wird die Gesellschaft wohl im Herbst 1906 die wissen­schaftlichen Sitzungen bereits im neuen Museum abhalten können nnd die Platzfrage wird alsdann in befriedigender Weise erledigt sein.

Am 7. April 1905 fand die Festsitzung zur Er­teilung des Soemmerring-Preises statt.

Durch Beschluß der Preiskommission, die aus den Herren Dr. E. A l b r e ch t, Prof. Dr. L. E d i n g e r, Prof. Dr. B. Lepsius, Stabsarzt Prof. Dr. E. Marx, Prof Dr. M. Möbius, und Prof. Dr- H. Reichenbach zusammengesetzt gewesen ist, wurde der diesmalige Soem- merringpreis dem ordentlichen Professor der Bo­tanik und Direktor des botanischen Gartens, Dr. G. Habcrlandt in Graz für seine wichtigen Untersuchun­gen überDie Sinnesorgane im Pflanzenreich zur Per­zeption mechanischer Reize", Leipzig, 1901, zuerkannt.

Von Publikationen sind im Berichtsjahre er­schienen:

I. Abhandlungen:

1. Band XXVII, Heft 4, H. Lenz, Ostafrikanische Dekapoden und Stomatopoden. Mit 2 Tafeln.

2. Band XXIX, Heft 2 (Anfang) E. Stromer. Geographische und Geologische Beobachtung im Uadi-Natrün und Jaregh in Egypten. Mit lj Tafel und mit 1 Karte.

H. Bericht für 1604,. im Herbst vorigen Jahres veröffentlicht.

HI. L. von Heyden,Die Käser von Nassau mw : Frankfurt a. M", 2. Auflage, 425 Seiten. (Im

Selbstverlag der Gesellschaft.) Preis 6 Mark.

IV. Das von der Gesellschaft gemeinsam mit den ande­ren naturwissenschaftlichen Vereinen der Provinz bearbeiteteForst botanische Merkbuch, Nachweis der beachtenswerten und zu schützenden urwüchsigen Sträucher, Bäume und Bestände im Königreich Preußen. III. Provinz Hessen-Nassau. Mit 26 Abbildungen, herausgegeben auf Veranlas­sung des Ministers für Landwirtschaft, Domänen und Forsten." 210 Seiten- (Im Verlage von Ge­brüder Borntraeger in Berlin.) Preis 3.60 Mark.

Mit diesen; umfangreichen Werk, das Forstn.eister Dr. A. Rörig bearbeitet hat, ist die Gesellschaft in die Be­wegung eingetreten, die sich den Naturdenkmal­schutz unserer Heimat zum Ziel setzt. Zu diesem Zweck hat sie ferner im Ja: uar d. I. an den Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. die Bitte gerichtet, die Distrikte 64, 65 und 66 (Hohebuchen) unseres Stadt Waldes, die sich durch eine besonders interessante Flora und Fauna aus­zeichnen, zum besseren Schutze gegen unbeabsichtigte oder mutwillige Beschädigung einfriedigen zu lassen, und hat zugleich auch an die Gemeinde Schwanheim und an die Königliche Forstaufsichtsbehörde eine Eingabe gerichtet, die die Erhaltung der urwüchsigen Distrikte des benachbarten Schwanhesimer Waldes mit ihrer eigenartigen Vegetation und Fauna im gegenwärtigen Zustand erstrebt. In dankenswerter Weise haben unsere städtischen Behör­den beschlossen, diese Bestrebungen der Gesellschaft nach jeder Richtung hin zu fördern, während ein Bescheid auf die Eingaben bezüglich des Schwanheimer Waldes noch nicht eingelanfen ist.

Auch die Vorlesungen der Dozenten erfreu»

' ten sich einer überaus regen Teilnahme. Folgende Vor­lesungen wurden im Winter 1904/05 gehalten:

Prof- Dr. H. Reichenbach:Bau und Leben der Krebse, Spinnen, Tausendfüße und Insekten".

Prof. Dr.' W. Sch auf:Petrographie". (Fortsetzung der Sommervorlesungen.)

Prof- D. M. M ö b i u s (im Aufträge des Dr. Sencken- bergischen Medizinischen Instituts):Anatomie und Morphologie der Pflanzen".

Im Sommer 1905 lesen:

; Prof. D- H. Reichenbach: Fortsetzung der Wintervor- ! lesungen.

Dr. F. Römer:Zoologisches Praktikum" (mikrosko- pisch-zootomischer Uebungskursus).

Prof. Dr. M. Möbius (im Aufträge des Dr. Sencken- bergischen Medizinischen Instituts):Physiologie der Pflanzen".

Prof. Dr. F. Kinkelin:Geologie von Südwest- Deutschland, besonders die Tertiär- und Diluvialbil- düngen mit Exkursionen".

: Sehr lebhaft war der Besuch des naturhistorischen Mu­seums- Es ist im abgelaufenen Jahre von 20 927 Personen! besichtigt worden. Ein besonderes Interesse hat die Aus-! stellung der berühmten Pflanzen-Aquarelle der Frank-' lUTter Flora der verstorbenen Blumenmalerin Elisa­beth Schultz, mit der eine Ausstellung der Zwipf. schen Schmetterlingsaquarelle verbunden war, gefunden. Diese Sonderausstellung, die dem Publikum vom 21. August bis 11. September zugänglich war, ist allein von 7906 Personen besucht gewesen. (Schluß folgt)

Neben der stets unermüdlichen Tätigkeit der Sek- tionäre nahmen die Arbeiten für die weitere Vervoll­ständigung der vergleichend-anatomischen Sammlung durch den Kustos Dr. I. Römer und Frau M. Sondheim ihren Fortgang. Die vorhandenen Bestände an Skorpio­nen und Krebsen wurden von Dr. I. Wilhelmi einer Bearbeitung unterzogen und sowohl Präparate für die Schau- wie für die Lehr- und Unterrichts-Sammlung hergestellt. Zu der Vervollständigung der ana- tomischen Präparate siir die Unterrichtssamm­lung war auch in diesem Jahre der Gesellschaft von dem Vorstand der Georg und Franziska <s p e y e r schen Studien-Stiftung in hochherziger Weise ein Betrag von 3000 Mark überwiesen worden.

Die Tätigkeit der Konservatoren war in erster Linie durch den Plan der Schausamnilung bedingt, und zwar wurde vornehmlich an der Herrichtung der Grup­pen für die biologische Aufstellung cin- heimischer Tiere weiter gearbeitet.

Im Auftrag der Gesellschaft hat Dr. Römer in den Monaten Juli bis September aus den Mitteln der von Reinach-Stiftung eine Sa mmel reise an d:e norwegische Küste unternommen, durch 'die ein reiches Material an Fischen und niederen Tieren so­wie an anatomischen Präparaten für die neue Schau- und Unterrichtssammlung dem Museum zugeführt worden ist.

Ende März schied Dr. Wilhelmi aus seiner Stelle als zoologischer Museumsassistent aus, um sich in Neapel weiter fortzubilden. An seine Stelle wurde Dr. Eugen Wolf aus Tübingen gewählt. Zu dem 1. April 1905 wurde eine neue Assistentenstelle an der geologisch-palä- -ontologischen und mineralogischen Abteilung des Museums geschaffen und mit Herrn Dr. Ir. Drevermann aus Marburg, bisher Privatdozent und Assistent am gco- logisch-paläontologischen Institut der Universität, besetzt ;

Sehr rege war tvie immer der Verkehr mit aus­wärtigen Gesellschaften und einzelnen Ge­lehrten. Auch die verschiedenen Teile der Sammlungen wurden von zahlreichen Forschern teils an Ort und Stelle, teils außerhalb benutzt.

In Schriften-Austausch gegen denBericht" ist die Gesellschaft mit folgenden Vereinen und Instituten weu eingetreten:

The Tokyo Botanical Society, Botanical Garden in Tokyo,

Societe Royale Malacologique in Brüssel,

The New York Botanical Garden in New Jork,

Mnseum of Natural History in Springfield in Mafl. U. S. A.,

Universität La Plata in Argentinien,

Kgl. Versuchs- und Prüfungsanstalt für Wasser-Ver­sorgung und Wwässerbeseitigung, Berlin.

Auch in dem vergangenen Jahre sind der Gesellschaft von Freunden und Gönnern zahlreiche und wertvolle Geschenke für das Museum zu teil geworden, die des genaueren in dem Museumsbericht aufgeführt werden sollen.

Die größte Bereicherung besteht in den durch Erbschaft an die Gesellschaft gelangten paläontologischen Samni- lungen und der Bibliothek Dr. A. von Reinachs; von besonderem Wert ist eine Kollektion der tertiären Schild­kröten, fast durchaus Originale zu seinen Abhandlungen, ferner die devonischen Fossilien vom Nord- und Süd­abhang des Taunus, endlich die von Dr. von Reinach aus dem hiesigen und auswärtigen Rolliegenden erwor­benen Fossilien. Durch die Bestimmung Frau von Reinachs, daß alle Bücher und Schriften ihres ver­storbenen Gatten, die schon im Besitze der Senckenbergischen Bibliothek sind, der paläontologischen Sektion zu uvei° weisen sind, ist ein bedeutender Grundstock strr eme sek- ^ tions-Bibliothek geschaffen worden. s'