der SenckenHergischen NaLursorschenden Gesellschaft am 23. Mar 1965.

Zunächst begrüßte der derzeitige Vorsitzende Dr- Au­gust Jassoy in dein reich geschmückten Vogelsaale, dem einzigen nicht durch Sammlungen völlig in Anspruch genommenen größeren Raum des alten Museums, die Erschienenen mit solgenden Worten:

Wir feiern heute die 88. Jahresfeier unserer Gesellschaft, vielleicht die letzte in dein alten Museum; denn wenn auch im nächsten Mai der stattliche Neubau an der Viktoria-Allee noch nicht bezogen sein kann, so haben doch in dieser Zeit aller Voraussicht nach der Umzug und die Neuaufstellung der Sammlungen ihren Anfang genommen und in dieser Uebergangszeit werden die alten Museumsräume ganz oder wenigstens zum Teil geschlossen bleiben müssen. Es liegt unter sol­chen Umständen nicht fern, einmal zurückzublicken auf den durcheilten Weg, und da kann ich mit froher Genugtuung feststellen, daß unsere Gesellschaft eingedenk der Erfah­rung, daß Stillstand Rückschritt bedeutet, in stetiger, ge­deihlicher Fortentwickelung begriffen war und ist, wie Ihnen im Jahresbericht noch näher dargelegt werden wird. Dieses rüstige Vorivärtsschreiten verdanken wir dem unermüdlichen Bienenfleiße zahlreicher für die Na- ' turwissenschaften begeisterter Frauen und Männer, die Tag für Tag einen großen Teil ihrer Kraft freiwillig in den Dienst unserer Gesellschaft gestellt haben, sowie den fachmännisch gebildeten Gelehrten, die wir dank der Mu- nifizenz unserer Gönner in den letzten Jahren mit der Museumspflege betrauen konnten; aber ihnen nicht allein. Ein großer Anteil an dem Aufbllihen unserer Gesellschaft gebührt der tatkräftigen, wohlwollenden Unterstützung durch die Frankfurter Bürgerschaft, die .mit der Liebe und Anhänglichkeit an die von den Vätern ererbten Einrichtun­gen Opfermut und praktischen Sinn ver­bindet !

Was Du ererbt von Deinen Vätern hast,

Erwirb es, um es zu besitzen" findet hier volles Verständnis. Wenn dazu ein Beweis nötig wäre, gerade die letzten Jahre hätten zeigen müssen, wie eng unsere Gesellschaft mit dem Frankfurter Bürgertum verwachsen ist. Aus nah und fern kamen und kommen fast täglich Ge­schenke, Einladungen, Aufforderungen jeglicher Art, die dartun, wie in allen Ländern der Erde Frankfurter in rührender Anhänglichkeit an das alte Museum neben dem Eschenheimer Turm denken! Wir werden fort und fort bestrebt sein, uns dieser treuen Gesinnung würdig zu erweisen! Für die zahlreichen neuen Beweise der Zu­neigung, die Sie im Jahresberichte im einzelnen beschrie­ben finden werden, auch an dieser Stelle zu danken, ist mir Bedürfnis und Pflicht. Weiteren Tank schulden wir den hohen staatlichen und städtischen Behör- d e n, die unseren Anliegen bereitwillig ihr Ohr und ihren starken Arm leihen, den F ü r st e n, die der Bitte, aus ihren herrlichen Jagdgebieten unsere Sammlung der Hei­mattiere zu vermehren, gern nachgekommen find, den aus­wärtigen und ausländischen Gelehrten und Ge- sellschaften, die uns fortlauftnd die Resultate ihrer Forschungen im Austausche der eigenen übermitteln. Ich schließe mit der zwar schon oft ausgesprochenen, aber im­mer gleich dringenden Bitte an Sie, hochverehrte Anwe­sende, mit uns tveiter zu wirken wie in der ernsten, hinge­benden Pflege unserer in stürmischen Fortschritten be­griffenen Wissenschaften so in der Erhaltung und Förde­rung der herzlichen Beziehungen, die uns heute mit Stadt,

' Staat und Ausland verknüpfen und die uns tragen ließen, trotz sehr schwieriger finanzieller Verhältnisse eine als notwendig erkannte, geräumigere, den neuzeitlichen An­forderungen entsprechende Pflegestätte der Naturwissen­schaften zu erbauen. Denn nur wenn Ihre Mithülfe uns sicher ist, können wir ruhig und zuversichtlich weiter ar­beiten. In dem Vertrauen aber,daß wir wie stets bisher so auch heute nicht ver­geblich bitten, heiße ich Sie herzlich willkommen!"

Hierauf hielt Prof. Dr. August Brauer aus Marburg den hochinteressanten, durch künstlerisch ausge­führte Tafeln illustrierten und mit großem Beifall aufge­nommenen Festvortrag

Die Leuchtorgane der Tiesseesische."

Da die eigenartigen Umbildungen, die das Auge vieler Fische, Krebse und Tintenfische der Tief- see zeigt, bisher nur in dieser Region gefunden worden sind, so muß man annehmen, daß hier besondere Lebens­bedingungen vorhanden sind, die in anderen Regionen fehlen. In diesem Fall wird man in erster Linie an die besonderen Lichtverhältnisse, den Mangel des Sonnenlichts und seinen Ersatz durch das phosphoreszie- | rende Licht der Organismen, denken und es schien deshalb wahrscheinlich, daß eine Untersuchung der Leuchtorganes auch einige Aufklärung geben tvürde über die Rätsel, die das Auge bietet. Ueber die Resultate dieser Untersuchung, zu der die Deutsche Tiessee-Expedition ein reiches Material geliefert hat, berichtet der Vortrag.

Der erste Teil behandelt die Morphologie der Leuchtorgane bei den Tiefsee-Knochen- fischen. In bezug auf die Lage, Zahl und Anordnung der Organe herrscht eine außerordentliche Mannigfaltig­keit. Sie finden sich an den Enden beweglicher Anhänge, wie Flossenstrahlcn, die von den anderen isoliert, beweglich und stark verlängert sind, oder an Bärbeln, oder, wie die meisten, unbeweglich in der Haut und zwar meist in die Unterhaut verlagert. Gewöhnlich zeigen sie eine für die Gattungen und selbst Arten verschiedene, aber gesetzmäßige Anordnung entweder in Längsreihen oder in Querreihen oder in Gruppen; ihre Zahl wechselt, oft finden sie sich zu Hunderten und selbst zu Tauserwen am Körper. In bezug auf den Bau hat sich als ein wichtiges Resultat er­geben, daß es sich nicht um augenähnliche oder elektrische Organe handelt, wie früher oft angenommen wurde, son­dern in allen Fällen um Drüsen, welche häufig aller­dings sehr stark modifiziert und zum Teil hoch differenziert sind. Die einfachsten sind Drüsen mit einer Form von Drüsenzellen, mit einem zentralen Sinus und einem Ausführungsgang; in anderen Fällen aber tritt eine wei­tere Differenzierung in der Richtung ein, daß der Sinus und der Ausführungsgang rückgebildet wird, ein Teil der Zellen zu lichtbrechenden Körpern sich umbildet, ein anderer nur den Leucht kör per darstellt. Ferner bilden andere cktodermale und mescdermale Zellen einen Reflektor, Pigmentmantel, einen Gallertkörper und eine cornea-artrge Membran und die höchste Stufe wird in den Fällen erreicht, wo Muskeln mit dem Organ in enge Be­ziehung treten und dasselbe drehen können.

Während hinsichtlich der morphologischen Verhällnisse die Untersuchung einigermaßen Klarheit hat schaffen kön­nen, bleiben die physiologischen in mancher Hinsicht nnaufgekärt. Als sicher kann hingestellt werden, daß die Erzeugung des Lichtes an das Sekret von Drüsenzellen gebunden ist und daß, da die meisten Organe geschlossene Drüsen sind, der Lichworgang intrazellulär verlaust. Die Frage, ob der notwendige Sauerstoff durch Blutgefäße zu­geführt wird, niuß für die meisten Organe verneint wer­den, da solche gar nicht oder, nur in sehr geringer Zahl.in die Organe cindringen; bei einigen Organen ist der Reich­tum an Gefäßen dagegen ein so großer, daß sie vor: ihnen wie umsponnen erscheinen und hier eine Bedeutung für die Erzeugung des Lichtes kaum abzuweisen ist. Ebenso läßt sich die Frage, ob die Lichtproduktion dem Millen des Tie­res unterworfen ist, auf Grund der morphologischen Be­funde zum Teil bejahen, zum Teil verneinen. Während in die meisienOrganeNervenfasern nicht eindrinaen oder wenn es der Fall ist, das Organ nur durchsetzen, ohne sich in ihm zu verästeln, und in den Fällen, in welchen die Lichtwir» kung willkürlich aufgehoben werden kann, dies offenbar nicht durch Unterbrechung der Lichterzeugung, sondern durch Abdrehung des ganzen Organs geschieht, dringen in die Organe der Scopeliden sicher Nervenfasern ein und" umspinnen den Leuchtkörper.

Da die Fische der Tiefsee in der Regel tot oder fast tot an die Oberfläche gelangen und daher bis jetzt Beobach­tungen und Experimente an lebenden Tieren nur in ganz unzureichender Weife gemacht sind, so lassen sich über die biologische. Bedeutung der Leuchtorgane nur Vernmtungen äußern. Die gewöhnliche Ansicht, daß das Licht zum Anlocken von Beutetieren oder zum Ab­schrecken von Feinden dient, mag vielleicht für die Organe, die an beweglichen Anhängen des Körpers sich finden, richtig sein; ebenso dürfte die Vermutung zutreffen, daß die suborbital oder postorbital liegenden, drehbaren Or­gane zum Absuchen der Umgebung dienen, wie Scheinwer­fer gebraucht werden; aber diese Deutungen pafsen nicht