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Von hervorragendem Interesse für die ganze Biologie ist das von dem ordentlichen Professor der Botanik und Direktor des botanischen Gartens in Graz, Dr. G. Haber landt im Jahre 1901 herausgegebene Buch: „Die Sinnesorgane im Pflanzenreich zur Perzeption mechanischer Reize, Leipzig, 1901", an das sich lveitere, ebenso interessante Untersuckmngen auf diesem Gebiet anschlkeßen. Von Sinnesorganen kann man ja bei Pflanzen nur in
der Bedeutung sprechen, daß man darunter eigene Perzep
tionsorgane zur Aufnahme bestimmter äußerer Reize versteht, Reize, auf die die Pflanzen mit mehr oder weniger raschen Bewegungen reagieren. Als solche Organe sind folgende bekannt: Zunächst bilden eine besondere Gruppe die, welche zur Wahrnehmung von mechanischen Reizen im engeren Sinne des Wortes dienen und demnach den Tast» organen der Tiere vergleichbar sind. Hierher gehören die Borsten auf dem Blatt der Venusslreaenfalle und der Aldrovanda, einer anderen insektenfressenden Pflanze, die steifen Haare an den Gelenkpolstern der Sinnpflanze, Miuosa pudica, die sogenannten Fühltupsel an den Flanken der Rankengewächse und an den Drüsenköpfchen des Sonnentaus und die Fühlpapillen an den bewealichen Staubgefäßen, wie an denen der Berberitze. Für die zweite Gruppe kommen in Betracht die Pflanzenteile, die sich in bestimmter Richtung zur Wirkungsrichtung der
Schwerkraft einstellen: hier läßt sich Nachweisen, daß in
den Zellen gewisser Gewebe die Stärkekörner die Rolle von Statolithen spielen und durch den Druck auf die eine oder
andere Seite des Protoplasmaschlauches der Pflanze so
zusagen das Gefühl der gegen die Schwerkraftsrichtung eingenommenen Lage beibringen und eine Korrektion dieser Lage bewirken, was wir geotropische Krümmung nennen. Die dritte Gruppe bilden die Sinnesorgane der Pflanze für Lichtreize. Bei gewissen mikroskopischen freibkw-g- lichen Pflanzen oder Entwicklungszuständen von Pflanzen fungiert der sogenannte Augenpunkt und das ihm angelagerte Plasma als solches Sinnesorgan. Bei den Gras- ikeimlingen ist die Spitze der Keimblattscheibe ein Licht- perzeptionsorgam Die Laubblätter vieler Pflanzen nehmen eine bestimmte Lage zum einfallenden Lichte ein und hier sind cs die Zellen der Epidermis, deren Plasma infolge ihres an eine Sammellinse erinnernden Baues zunächst empfinden, in welcher Richtung das Licht einsällt und darnach die meistens im Blattstiel ausgeführte Krümmung veranlasscm Ueberall ist die Reizwahrnehmung eine Funktion des lebenden, sensiblen Protoplasmas: wie dieses im Tier- und Pflanzenreich von gleicher Beschaffenheit ist, wie die Zelle der Elementarorgamsmus in beiden Reichen ist, so zeigt sich nun auch, daß zur Reizwahrnehmung besondere Organe nicht nur bei den Tieren, sondern auch bei den Pflanzen ausgebildet werden.
Ausgestellte Pflanzen, Wandtafeln und mikroskopische Präparate erläuterten den Bericht.
Zum Schluß dankte der Vorsitzende der Preiskommission für die uneigennützige Mühewaltung, der sie sich durch Prüfung der gewaltigen Literatur unterzogen hat, und dem > Referenten für die prägnante Darstellung des Ergebnisses der Beratung.
C-iw Regenwurm im Quellwaffer. ^
/ Gestern überbrachte uns ein Abonnent einen faden- ^förmigen etwa dreißig Zentimeter langen Wurm, der aus dem Wasseikrahncn seiner Küchenleitung gekommen war. Das Tierchen hat abwechselnd rote und durch- fchimmcrnd weiße seine Glicdergruppen und steht zwar ganz sauber, aber, wenn man an den Genuß des Wassers denkt, wie alle Würmer doch nicht allzu appelitlich aus.
Es handelt sich um einen der selteneren deutschen Regen Würmer, den schlanken kbreor^otes Men- kenn us, wie ihn die Wissenschaft gelaüsOMt. Die^Tiere halteiüstch,' so heißt cs in Brehms Tierlcben, am liebsten in Brunnen auf, vorzugsweise 'in Süddeutsch land. In der Winlerzcit scheinen sie sich gleich den in der Erde lebenden Regen- Würmern zurückzuzichen, am hänsigsten sind sie im^t a i und I » n t zu haben. Lchdig hat die Würmer genauer erforscht und sagt einmal: „Im Aquarium, dessen Schlammboden mit Steinen bedeckt ist, hielten sie sich längere Zeit gut. Meist hatten sie sich unter die Steine zurückgezogen und zwar gern gesellschaftlich und in einander gewirrt. Bei recht warmen Tagen und bei Gewitterluft krochen sie regelmäßig hervor und unruhig hin und her." Vielleicht hat das Gewitter dieser Tage allo auch einen Teil der Schuld, daß die Tiere, die gern in reinem Quell- Wasser leben, sich mit dem Leitungsstrom haben sortireiben lassen. Das Fadcntier lebt sonst auch in seichten Wassergräben.
Im Senckenbergianum wurde uns die Auskunft zuteil, daß alle vier bis sechs Wochen Exemplare deS kbreorxctes dorthin gebracht würden. Die Tiere seien durchaus unschädlich. Sie deuten eher darauf hin, daß das Wasser, in dem sie leben, sehr rein und gut ist. Aber selbst im reinsten Wasser finden sich noch winzige Schlammteilchen genug, daß diese anspruchslosen Würmer leben können. Manche haben überhaupt keinen Mund, sodaß sie im erwachsenen Zustand keine Nahrung ausnehmen. Verändern die Tiere ihren Aufenthaltsort, so gehen sie alsbald ein. Gefahr für die Gesundheit eines Menschen, wenn er wirklich einmal aus Versehen ein solches Tier aufnähme, besteht also in keiner Weise. Die Hauptgefahr wird die sein» daß sich der Laie einen Abscheu vor dem Wasser holt und ein Paar Tage ans dieses unentbehrliche Element verzichtet.
Da unsere Quellwasserleitungen keine Filtern besitzen, wird es wohl noch öfter Vorkommen, daß ein solcher fadenförmiger Wurm aus dem Krahncn fällt. Mit der Beseitigung des ungebetenen Gastes ist vorläufig aber auch alles geschehen, was geschehen kann, es sei denn, daß in Vorschlag gebracht würde, auch bei Quellwasserleitungen Mittel und Gelegenheit zu finden, Filter oder Siebe einzuschalten. Das wird freilich seine Schwierigkeiten haben. Aber die Techniker sollten die Möglichkeit prüfen, damit für die Folge auch der letzte Rest von Beunruhigung vermieden werden könnte.
Bei gegrabenen Brunnen aufdemLande findet man solche Würmer nicht selten. Nur mit dem Unterschied, daß dort auch kleinere und dickere Würmer herausgepumpt werden. Man achtet nicht weiter groß auf diese gewöhnliche Erscheinung, sondern schüttet das Wasser aus und pumpt sich neues. Der Mensch gewöhnt sich eben doch an alles!
Preisausschreiben. Ein Preis von 1000 M., der „Reinach-Preis", soll der besten Arbeit zuerkannt werden, die einen Teil der Paläontologie des Gebiets zwischen Aschaffenburg, Heppenheim. Alzey, Kreuznach, Koblenz, Ems, Gießen und Büdingen behandelt. Nur dann, wenn der Zusammenhang es fordert, dürfen andre Landesteile in die Arbeit hineingezogen werden Die Arbeiten, deren Ergebnisse noch nicht anderweit veröffentlicht sein dürfen, sind bis zum 1. Oktober 1907 in der üblichen Form an die Direktion der Senken- bergischen Naturforschenden Gesellschaft in Frankfurt a. M. einzureichen. Ueber die Zuerteilung des Preises -entscheidet die Direktion bis spätestens Ende Februar 1908.
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j — Ein schwerer Sturz. Gestern Nachmittag um sechs .Uhr stürzte der sechzehn Jahre alte Mrmrerlehrling Karl ' Auth aus Nieder-Kahlbach b. Fulda von dem Neubau des S e n ck e n b e r g i s ch e n Museums in der Bik- -toria-Allee etwa achtzehn Meter in die Tiefe. Er schlug in halber Höhe mit den Kops auf einen Gerüstbalken auf und erlitt einen schwerer: Schädelbruch. Außerdem stellte die Rettungswache.fest, daß der Unglückliche noch einige Rippcn- brüche uird andere schwerere innere Verletzungen davongetragen. In hoffnungslosem Zustand wurde er in das Elisabeth-Krankenhaus gebracht.
Frankfurt a. M., 7. April. Wie die .Frank, furter Zeitung" berichtet, erteilte die Sencken-. belgische n a t u r f o r s ch e n d e Gesellschaft ihren Sömmering - Preis, der zu Ehren des Frankfurter Naturforschers Samuel Thomae von Söm- mering 1837 gestiftet wurde und alle 4 Jahre demjenigen deutschen Naturforscher zuerkannt wird, der die Physiologie im weitesten Sinne des Wortes in dem verflossenen Zeitraum am meisten gefördert hat, diesmal dem Professor Dr. Haberlandt - Graz für seine Arbeit über die Sinnesorgane im Pflanzenreich zur Perzeption mechanischer Reize.
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