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Ta sich die gewaltigen Aufgaben, die an eine natur- forschende Gesellschaft herantreten, wenn sie ihren wisse»' schaftlichen Zwecken gerecht werden will, von Jahr zu Jahr steigern, reichen begreiflicherweise die seither vorhandener^ Arbeitskräfte zur Erledigung dieser Aufgaben nicht mehr aus Zur Unterstützung des ersten Direktors wurde des» Halb am 15. Februar Frl. Ella Schupp als Bureau- gehülfin angestellt und dem Kustos zur Hülseleistung ein
> zweiter Lehrling beigegeben. Zum 1. April des ! laufenden Jahres ist die Stelle eines Assistenten der !geologis<h-paläo nt »logischen Abteilung
> des Museums neu geschaffen worden.
Der Vorsiyende gibt nunmehr den Bericht der Revisions-Kommission bekannt, wonach diese die bei | her Frankfurter Bank deponierten Wertpapiere und Hypo-i thelen der Gesellschaft, ferner die Bücher und Belege geprüft und richtig befunden hat. Die Gesamt-Einnahmen, und Ausgaben des Jahres 1904 gleichen sich mit den: Betrage von 81 703.16 Mark aus gegen einen Voranschlag von 59 203.74 Mark. Die Unterschiede zwischen beiden, Beträgen sind in der aufgelegten Aufstellung des Kassierers erläutert. Die Generalversammlung genehmigt die. Rech-, nungsablage von 1904, erteilt gemäß dem Anträge der Revisions-Kommission dem ersten Kassierer A. Andreae- von Grunelius Entlastung und spricht demselben für die gewissenhafte und sorgsame Wallung seines Amtes den Tank der Gesellschaft aus. Ferner genehmigt die Gene- j ralversammlung den Voranschlag für 1905, der in Ein-! : nahmen und Ausgaben mit 61978.52 Mark balanciert.
Nach dem Dienstalter scheiden aus der Revisions-Kom^ Mission Georg Minoprio und Wilhelm Rohmer aus. An ihre Stelle werden Robert Osterrieth und Direktor Wilhelm von den Velden gewähll. Vorsitzender der Revisions-Konimission für das Jghr 1905 ist Städte , rat A n t o n M e y e r.
; Mit dem Wunsch, daß das warme Interesse der Frankfurter Bürgerschaft an den Bestrebungen der Sencken- bergischen 3!atursorschenden Gesellschaft, das im vergangenen Jahre durch den außergewöhnlich großen Mi tglieder-Z uwachs, durch hochherzige ^Schenkungen und die gesteigerte Frequenz des Museums, der wissenschaftlichen Sitzungen und der Vorlesungen zutage getreten ist, auch in Zukunft nicht erkalten möge, und mit der Bitte an die zahlreich erschienenen Mitglieder, dieses wohlwollende Interesse in immer weitere Kreise der Frankfurter Bürgerschaft zu tragen, schließt der Vorsitzende die ordentliche Gene- ; ralversammlung.
XIII. Wissenschaftliche Sitzung der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. .
Frankfurt a. M., den 25. Februar 1905. Vorsitzender: Dr- August Jassoy.
Oberstabsarzt Dr. Brugg er spricht über:
„Wesen und Bedeutung der Kurzsichtigkeit".
Bei allen Kulturvölkern und zu allen Zeiten hat es eine Kurzsichtigkeit gegeben; schon Aristoteles berichtet, daß kurzsichtige Menschen die Augen zukneifen, um besser sehen zu können, und daß sie mit besonders kleinen Buchstaben schreiben; Theophrast erwähnt, daß der Tyrann Dionys kurzsichtig gewesen sei, und unter den Sklaven des Altertums waren besonders die auf den Bibliotheken beschäftigten Schreiber von diesem Leiden befallen. Vom Altertum bis in die Neuzeit wurde die Kurz, sichtigkeit durch eine „Schwäche der Innervation" erklärt, wie es schon Galen getan hatte. Die christlichen und arabischen Aerzte des Mittelalters hielten an dieser Auf- fassung fest und nirgends finden wir den Versuch einer p h y s i k a l i s ch e n E r k l ä r u n g des Phänomens, oder eine rationelle Behandlung desselben. Erst im 16. Jahr- hundert werden K o n k a v b r i l l e n für Kurzsichtige em. pfohlen.
Wir wissen von zahlreichen Mannen: der Geschichte, daß sie kurzsichtig gewesen sind, so von Papst Leo X-, Leonardo da Vinci, Zwingli, Gustav Adolph, Napoleon I., Goethe u. a.
An der Hand vortrefflich ausgcsührter Tafeln, die den anatomischen Bau und den dioptrischen Apparat des Auges veranschaulichen, von anat >omischen Model- len, mikroskopischen und makroskopischen Präparaten
von gesunden und kurzsichtigen Augen erläutert der Vortragende das Wesen der Kurzsichtigkeit. Sie ist die Folge einer Achsenverlängerung des Augapfels an seinem Hinteren Pol oder von abnormen Brechungsverhältnisscn der Linse. Während im normalen Auge parallel auffallende Strahlen in der Netzhaut zusammenfallen, treffen sie sich bei dem kurzsichtigen Auge schon vor der Netzhaut, sodaß auf dieser Zerstreuungskrcise zustande 'kommen- Exakte Untersuchungen haben ergeben, daß das Auge des Neugeborenen weitsichtig ist und daß «es erst durch das Wachstum normalsichtig wird, indem sich der Längsdurchmesser des Auges allmählich vergrößert. Unter bestimmten Einflüssen, die bis jetzt nur zum Teil erkannt sind, unter denen aber zweifellos die Naharbeit in der Schule eine wichtige Rolle spielt, überschreitet das Wachstum des Augapfels im Längsdurchmesser die Norm, sodaß aus dem ursprünglich weitsichtigen Auge des Neugeborenen erst ein normalsichtiges und schließlich ein kurzsichtiges Auge wird- Statistische Ermittelungen haben ergeben, daß die Kurzsichtigkeit in der ersten Kindheit nur in einen! geringen Prozenisah vorhanden ist; mit der Naharbeit in der Schule nimmt sie rasch zu, schließlich sind 50—60 Prozent aller Gebildeten bei uns in Deutschland kurzsichtig. Man hat deshalb in der Naharbeit eine wesentliche Ursache des Entstehens der Kurzsichtigkeit erkannt; daß sie aber nicht die alleinige Ursache sein kann, geht daraus hervor, daß von anderen Forschern, so auch von dem Vortragenden bei Bauern, die niemals eine Schule besucht haben, bei polnischen Dienstmädchen und Spreewaldcrinnen, die nicht lesen und schreiben konnten, sehr hohe Grade von Kurzsichtigkeit festgestellt worden sind- Geringe Grade von Kurzsichtigkeit sind für den Träger ohne besondere Bedeutung, da sie durch entsprechende Kon- kavgläser vollständig korrigiert werden können. Eine geringgradige Kurzsichtigkeit wird sogar vielfach als ein gewisser Vorteil empfunden, insofern sie ein sehr scharfes Sehen in der Nähe ohne Anstrengung der Akkomodation ermöglicht und das Eintreten der Fernsichtigkeit tm höheren Alter hinausschiebt. Stärkere Grade der Kurzsichtigkeit führen jedoch häufig zu einer Abnahme des Sehvermögens und — glücklicherweise nur in seltenen Fällen — zur Erblindung. Wenn also auch die Kurzsichtigkeit von einem gewissen Vorteil für alternde Gelehrte sein mag, so ist sie doch zweifellos eine schwere Schädigung, die, wenn ihrer Verbreitung kein Einhalt getan wird, die Wehrhaftigkeit der Sffalion ernstlich bedroht. In jedem Fall ist es unzulässig, die Kurzsichtigkeit als eine zweckmäßige Anpassung an die Kultur und an das kulturelle Leben aufzufassen, oder, wie es S t i l l i n g in einer geistvollen, aber namentlich von anthropologischer Seite angegriffenen und in manchen Punkten widerlegten Hypothese versucht hat, in ihr ledig- lich eine Rassenfrage zu erblicken. Vielmehr muß mit allen Mitteln der Hygiene, insbesondere in der Schule, j der wir unser Teuerstes, unsere lieben Kinder, anvertrauen, darnach gestrebt werden, einer weiteren Verbreitung der Kurzsichtigkeit entgegen zu arbeiten. Glücklicher- j weise ist auch bereits durch hygienische Maßregeln, wie 1 sie in der neuesten Zeit in den von mancher Svite be-. spöttelten „Schulpalästen" eingeführt sind, der Prozent- j satz der kurzsichtigen Schulkinder in einigen größeren! Städten Deutschlands erheblich zurückgegangen.!
Eine prachtvolle Kollektion von Handzeichnungen des infolge der Kurzsichtigkeit krankhaft veränderten Augen» ( Hintergrundes, die Oberstabsarzt Dr. Brugger^ in wahrer Künstlerschast selbst angefertigt hat, erläutert den hochinteressanten Vortrag, der von den zahlreich erschiene- j nen Zuhörern mit lebhaftem Beifall ausgenommen wird. !
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