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heit getro1 gebiet und Pflanzenleben. i° u n g des

Tie schweflige Säure, die nicht etwa den Boden vergiftet, wie man vielfach annahm, sondern durch die Oberhaut der Blätter in das Parenchymgewebe einbringt und die Chlorophyllkörner zerstört, ist durch zahl­reiche, nach verschiedenen Richtungen sich erstreckende Ver­suche als ein Pflanzenverderber ersten Ranges erkannt lvorden. Schon in einer einmiltionfachen Verdünnung ist sie im stände, Pflanzen zu vernichten, wenn sie während einiger Wochen täglich etwa V/o Stunde auf sie einwirkcn kann. Sie wirkt am nachteiligsten, wenn der Chlorophyll- apparat der Blätter in lebhafter Tätigkeit ist, also be­sonders im Sommer und bei Sonnenschein. Nicht alle Pflanzen sind indessen gleich ernpfindlich gegen sie; die immergrünen Nadelhölzer werden am nachteiligsten beein­flußt. Laubhölzer stehen in der Mitte und krautartige Pflanzen scheinen verhältnismäßig am wenigsten dartinter zu leiben. Aeußerlich erkennt man die Einwirkung der schwefligen Säure an allerhand Flecken und Verfärbungen der Blätter und krautartigen Pflanzenteile, die auf den ersten Blick leicht mit Frostschäden oder mit den Einwir­kungen pflanzlicher und tierischer Parasiten verwechselt Werden können, aber bei genauer Untersuchung sich mit Sicherheit auf ihren wahren Ursprung zurücksühren taffen- Das zeitige Abfallen der Laubblätter an Bäu- imen und Sträuchern, ehe der Herbst da ist, muß neben der Trockenheit in der Hauptsache der schwefligen Säure zur Last gelegt werden; daß die Nadelhölzer in der Nähe her Stadt kaum zwei Jahrgänge ihre Nadeln zu halten vermögen, rührt ebenfalls davon her. Die Beein­trächtigung der Blattorgane hat bei den be­treffenden Pflanzen eine mangelhafte Ernährung des Hol- zes zur Folge, die Jahresringe bleiben klein, ja es kann zum Absterben ganzer Zweige und Aeste kommen und schließlich der Tod des Individuums eintreten.

Ferner wirken die zur Erleichterung des Verkehrs und zur Hebung der Gesund- fenen Maßnahmen im Stadt- andere Einrichtungen nachteilig auf das Durch die Vorkehrungen zur Absüh- Tagwassers (Dächer, Dachrinnen, ötraßenpflaster, Kanäle) tvird verhindert, daß im Stadt- gebiet Niederschlagwasser in erheblichen Mengen in den Boden gelangt, durch die Gräben der zahlreichen Leitungen (Kanäle, Gas- und Wasserleitungen, Kabel) entsteht ein weitverzweigtes Drainagenetz,, das ein erheb- liches Sinken des G r u n d w a s s e r st a n d e s zur Folge hat. Die Pflanzen leiden daher in der Stadt sehr durch Trockenheit.

Bei der Herstellung der Gräben werden ihre Wurzel­organe vielfach erheblich beschädigt. Auch bringen manche Leitungen, insbesondere, die Gasleitungen, Stoffe in den Boden, die giftig für die Pstanzen sind. Leucht­gas ist sehr gefährlich, wenn es aus den niemals ganz dichten Leitungen in den Boden gelangt und mit Pflanzen­wurzeln in Berührung kommt. Schon geringe Menge töten in kurzer Zeit große Bäume.

Flugstaub und Ruß lagern sich auf die Blätter ab und kleben, wenn Feuchtigkeit hinzutritt, als schmieriger lleberzug auf ihnen, die Spaltöffnungen verstopfend und die Funktion der Blätter erschwerend. Die feste Ober­fläche der Straßen und Wege schließt den Boden über den Baumwurzeln von der Luft ab; es wird der Austausch der Luft im Boden behindert und die Arbeit der Wurzeln dadurch nachteilig beeinflußt. Die Schäd­linge, Raupen und Käfer, Pilze und Krankheit, befallen die Pflanzen leichter und sind in ihren Wirkungen Verderb- licher als bei Pflanzen, die unter normalen Existenzbedin­gungen sich befindem

Ta es unmöglich erscheint, die Pflanzen im Bereiche der Stadt vor all diesen nachteiligen Einflüssen zu bewahren, fo muß die Bekämpfung der Schädlichkeiten auf indirektem Wege angestrebt werden. Es müffen die Existenzbedingungen der Pflanzen nach Möglichkeit ver­bessert und gehoben, die Pflanzen durch ausreichende Er­nährung, künstliche Bewässerung und dergleichen gekräftigt werden, sodaß sie im stände sind, die schädlichen Einfllisse einigermaßen zu überwinden. Trotzdem wird auf manchen typischen Vertreter unserer heimischen Pflanzenwelt ver­zichtet werden müssen, manchen kann man nur in schwäch­lichen und künrmerlichen Exemplaren eine Zeitlang er­halten. Die Buche, die Linde, die Weißtanne, die Kiefer kommen teils gar nicht, teils nur in besonders günstiger Lage fort. Eingeführte Ausländer scheinen stellenweise besser auszrchalten als einheimische Arten; von allen aber gilt, daß selbst chre besten Vertreter im Bezirk der Groß­

stadt nicht heranreichen an ihre Artgenossen draußen in Lagen, die nicht dem Einfluß derStadtluft" ausgesetzt sind.

Diese Erkenntnis muß dahiu führen,! daß man alle Vertreter der Pflanzenwelt! die sich von alters her noch hier und da. zu hal.ten vermocht haben, pietätvoll pflegt und hegt und sie nicht kurzerhand einen: manchmal kaum ins Gewicht f a l - senden Bcrkechrsbedürfnisse opfert.

Generalversammlung der Senckenbergischen Nalursorschenven Gesellschaft.

Frankfurt a. M., den 22. Februar 1905.

Vorsitzender: Dr. med., August Knoblauch.

Ter Vorsitzende, dem statutengemäß als 1. Direk.or des abgelaufenen Jahres die Leitung der Generalversamm-: lung obliegt, erstattet zunächst den Geschäftsbericht) über das Jahr 1904. Besonders zahlreiche und. schwere Verluste hat die Gesellschaft in diesen: Jahre durch den Tod langjähriger Mitarbeiter erlitten. Es sind ge­storben die arbeitenden Mitglieder: Carlo Freiherr von Erlanger, D. I. Heynemann und Geh. Mei dizinalrat Prof. Tr. Karl Weigert; die beitragenden Mitglieder: Dr. phil. L. Belli, Dr. med. C. Caffian, Dr. med. V. Cnyrim^ W- Coustol, P. Tontorf, Dr. phil. O. Gürcke, V. Hammerau, Fräulein Th. Hetzer, Baurat Ph. Holzmann, Geh. Regieruugsrat Prof. Dr. A. Lauben- heimcr, Dr- jur. S. Maas, I. K. Majer, P. H. von. Mumm, A. Siebert, Geh. Sanitätsrat Dr. A. Spieß, R- Sulzbach, Th. Trier und S. Una; das ewige Mit­glied W. Metzler und 6 korrespondierendq Mitglieder. In die Reihe dev ewigen Mitgliedes wurden eingetragen: Prof. Dr. E. Askenasy, Dr. O. Dyckerhoff, Freiherr C. von Erlanger, D. F. Heynemann, Baurat Ph. Holzmann, Amalie Kobelt, Prof. Dr- W. Ko­belt, Eugen Lucius, I. K- Majer, P. H. von Mumm und Rudolf Sulzbach. Zu korrespondierenden Mitgliedern wurden erwählt: Prof. Dr. A. Brauer in Marburg, R. Vicomte btt Buysson in Paris, Fürst Albert von Mo­naco, Apotheker A. Vigener in Wiesbaden und Dr. W. Wolterstorff in Magdeburg- >, Von Frankfurt verzogen sind 7 Mitglieder, ausgetreten ebenfalls 7 Mitglieder. Da­gegen sind in: abgelaufenen Jahr 113 Mitglieder der Ge­sellschaft neu beigetreten gegen 103 Mitglieder in: Jahre

1903. Tie Gesamtzahl der beitragenden Mitglieder be­trug zu Ende des Jahres 666 gegen 688 an: 1. Januar I

1904, die der ewigen Mitglieder 106.

Mit Ablauf des Jahres 1904 hatten den Statuten ge­mäß aus der Direktion auszuscheiden der I. Direktor Dr. med. A. Knoblauch und der I. Schriftführer Dr. phil. I. G u l d e. An ihre Stelle traten für die Jahre 1905 und 1906 Dr. A. I a s s o y als I. Direktor und Bankier W. Melber als I- Schriftführer. Zu arbeitenden Mit­gliedern wurden ernannt W. Dürer, Stadtbmlmeister | W. Sattler und Tr. phil. E. T e i ch m a n n.

Die Vorlesungen der Dozenten hatten sich im Berichtsjahre einer wesentlich regeren Teilnahme zu er­freuen wie früher und auch in dem zoologischen Praktikum waren wiederum sämtliche verfügbaren Arbeitsplätze besetzt. Die wissenschaftlichen Sitzungen fanden in gewohrrter Weise in den Win- Mrmonaten statt und zwar wiederum fast regelmäßig alle 8 Tage. Sie waren stets von einem ansehnlichen Kreise von Zuhörern besucht, sodaß sich die beiden Hörsäle meist als zu klein erwiesen. Gleich lebhaft war der Besuch des n a t u r h i ft o r i s ch e n Museums; es ist im laufen­den Jahre von 21 863 geqen 14 816 Personen in: Jahre 1901 besichtigt worden. Ein besonderes Interesse hat die Ausstellung der berühmten Pflauzeu-Aquarelle der Frank­furter Flora der verstorbenen Blumenmolerin Elisa­beth Schulz, mit der eine Ausstellung der Z w i p f °

? ch e n Schmetierlings-Aquarelle verbunden war, gefun­den. Tie^.' Sonderausstellung, die dem Publikum vom 21. August bis 11- September unentgeltlich zugängig ivar, ist allein von 7906 Personen besucht gewesen. Ter stärkste Besuch des Museums war Sonntag, 4. Septen:ber, mit 1223 Personen, der schwächste BesiuH Freitag, den 16. Dezember, mit 4 Personen.

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