Alle diese Umstände gaben Veranlassung und Gelegenheit, für die Museen zu arbeiten und zu sammeln. Dazu mehr­ten sich noch in Deutschland die Museumszoologen, wie die Privatzooloaen, welch« die Eingänge ans den fremden Ländern bestimmten, die neuen Arten niit dem Namen des Sammlers benannten uich damit immer wiederum zu neuen Beobachtungen und zu neuen Sammlungen an- regten. So ist ja auch die Repiiliensammlung des Sencken- berglscben Muieums, die viele Hunderte von Originalen und Typen enthält, in der Hauptsache dadurch zustande ge­kommen, daß Prof Tr. O. B o e t t g e r, ber Verwalter der Sammlung, die zahlreichen Frankfurter, die im Aus­land« leben, viele deu'sche Konsuln u. a. zum Sammeln an- zuleilen und anzuregen wußte.

So wuchsen in den achtziger imd neunziger Jahren alle .Museumssammlungen rapid an und es machte sich schr bald Platzmangel geltend. Zu diesen äußeren Gründen für die Vermehrung kamen nochwissenschaftliche", die ebenso ein Anstauen des Matenales bedingten. Die Systematik har sich in den letzten Jahrzehnten ungemein vertieft. Nach L i n n 6 hiel en wir die Tierarten für fest, siebende, wobl charakterisierte und scharf von einander un­terschiedene Einheiten. Bei dieser Auffassung genügten lvemge Vertreter einer Art; die übrigen Eremplare wur­den als Toubleiten an andere Museen abgegeben und auf Angabe der Fundorte legte man keinen Wert. Seit Da r- lr i n und H a e ck e l haben wir uns die Arten aber vor­zustellen als einige wenige uns bekannte Bruchstücke eines einzigen zusammenhängenden Reiches. Wenn wir alle For­men kennen würden, di« existieren und früher existiert ha­ben, also alle lebenden und ansgestorbenen Tiere, dann würden Artgrenzen nicht vorhanden sein. >Jede einzelne Forni würde ohne scharfe Grenze in die andere übergehen und jede Gruppe einen lückenlosen reich­verzweigten Stammbaum bilden, in dem natürliche scharfe 'Abgrenzungen nicht vorhanden sind.

Mit dieser Erkenntnis wurde die so oft verachtete, trockene Systematik zu einer tieferen stammesge- s ch i ch t l i ch e n Forschung, aus derbeschreibenden" Maturwistenschast wurde eineerkennende". Dieses Ein- drinoen basiert aber aus einem größeren Material und macht immer wieder neues Material notwendig. Es er­fordert über auch ein sorgfältig gesammcl cs Material mrt genauest.r Fundortsangabe, da manche Arten an bestimm­ten Orten eine besondere Form oder Färbung annehmen und zuL o k a l f o r m e n" werden können. Um das zu ert'cbeiden, sind reckt viele Bert e er einer Art von mög­lichst vielen Lokalitäten notwendig. So verlangen die | Konchologen von jeder Schneckenart ein ganzes Kästchen voll Exemplare und die Spezialkollegen, die sich mit der I Systematik der Hummeln befassen, bei Lenen die Varüd, stonsbrcite der Art außerordentlich groß ist, legen für jede , Art einen besonderen Kasten an und halten ihre Samm- lung nicht für reichhaltig, wenn nicht jede Art mit wenig-: stens Hunden Exemplaren vertreten ist. Für eine wissen­schaftliche Vogelsommlnng genügt es nicht, von jeder Art Männchen und Weibchen zu besitzen, sondern diese müssen ebenso wie die Jungen im Sommerkleid, Winterkleid, Hoch, zeitskleid und in allen Uebergangsfärbungen vorhanden sein.

Solche irmfcmgreichew Sammlungen lassen sich nicht mehr in der früher üblichen breiten Weise aufstellen; sie zwingen die Museen, eine Trennung einzuführen zwischen einer Sch a usam mlung und einer Wissenschasl. pichen Sammlung, zumal auch solche Reihen von Tieren bei dem größeren Publikum, welches die Mickaen; in den kurzen Besuchszeiten besichtigt, Ermüdung hervor- > rufen und ein tieferes Eindringen unmöglich machen wür° den Solche ausgedehnten Sammlungen verführen leichi zu einer oberflächlichen Betrachtung und flüchtigem Vor­beigehen Die Schausammlung darf daher nicht zu groß sein; sie soll nur einen Auszug aus dem Tierreich darftellen, in der nur die wichtigsten Tierarten, besonders hervorra­gende, schädliche und nützliche usw. Vertreter zur Anjchau- ung gebracht werden. Tiefe wenigen Eremplare sind aber in'modernen Glasschränken, in übersichilicher Weise, wo­möglich mit biologischer Umgebung, Nester, Eier, Junge ujiv. awszustcllen. Besonderen Wert muß auf eine klare und kurze Etikettierung gelegt werden, die neben dem wis­senschaftlichen auch den deutschen Namen enthält, wo ein solcher vorhanden ist. Zur leicht faßlichen Darstellung der Verla eitung der Tiere dienen kleine Kärtchen mit der Umrißzeichnung der Erde, auf denen das Verbreitungs­gebiet mit roter Farbe eingelragen ist.

TaS ganze große Material wird dann in den höheren Stockwerken des Museums in dich ere magazinartige Auf­stellung als wissenschaftliche Sammlung rereinigt und dien: zu speziellen Forschungszwecken. Diese Magazin« sind für gewöhnlich dem größeren Publikum nicht geöffnet, können aber natürlich von jedem, der sich dafür interessier! oder der darm. arbeiten will, benützt werden.

Ein anderes Prinzip ist für die Sammlung der ein­heimischen Tiere, die sog.L o k a l s a m m l u n g" einge- sichrt werden. Hier sollen möglichst alle in der nähe.en Umgebung oder in Teurschland vorkomn enden Arten aus­gestellt sein, wenn dieses Ziel auch bei den niederen Tieren, bei dem großen Heer der Insekten, niemals zu erreicher. ist. Tie Lolalsammlung unseres Museums, die vor 20 Jah­ren von unserem Kon-ervalor Adam Koch gegründet wurde und anderen Museen als Muster gedient Hai, cnr- HM in den Säugetieren und Vögeln schon recht interessante Vertreter und viele hübsche biologische Gruppen. Aber selbst das Sammeln einheimischer Tiere erfordert große Zeit- räume, da die meisten Stücke Gclegenheitssunde sind. Noch > viel mehr gilt dies für die marinen und exotischen Tiere,| deren Erwerbung von dem Zufall und dem Glück abhängt.

Ben den Krebsen hat das Museum in den letz en Jah­ren durch ein Zusammenwirken mancher glücklichen Um­slände eilte Menge von schönen Schaustücken erhalten und deshalb werden von! Vortragenden auch die Krebse für die heutige Schaustellung gewählt und als Musterbeispiele für Schaustücke vorgeführt. Ein prächtiger Hummer aus Helgoland, den das Museuni der Güte des Herrn Moritz Eppe v. heim verdankt, und ein Präparat von emer ab. gelegten Hummerhaut geben dein Vortragenden Veran- lasiung, ausführlicher über den Hummer und Hummerfang, über seine Fortpflanzung und Entwickelung, von der noch recht wenig bekannt ist, zu sprechen und darzulegen, wieviel aus der Geschichte eines solchen Tieres auf den den Prä- parmeu bcigc gebeuen Erklärungskarten gesagt werden kann. Vom Taschcnlrebs, der in den Nordseestädten einen stän­digen Marktartilel bildet, von der Meersvinne, Maja sr-uinado. bi« in den Hafenstädten des Mittelmeeres das ganze Jahr über als Volksnahrung zum Verkaufe ange­boren wird, von der nordischen Steinkrabbe, besonders aber vom japanischen Jnselkrebs, Macrocheira kaempferi, der mir i,6C Meer langen Scherenbeinen über 3 Meter klas'.ert, sind herrliche Schaustücke in vorzüglicher Montie­rung ausgestellt und geben einen kleinen Einblick, wie es in der Cchausammlung des neuen Museums ausschcn wird. Mächtige Schaustücke, wie sie kaum in anderen Mujsen zu ftnden sind, präsentiert die Gruppe der R a n k e n k r e b > e, der Eruenmuscheln, die an Balken und allerlei schwimmen­den Gegenständen angewachsen sind und von den Strö­mungen in alle Meeresteile fortgeführt werden. Solche Stücke sind natürlich Seltenheiten und können nur im Laufe der Jahre zusammcnlommen.

Eine andere Methode, die Cchausammlung des Museums durch schöne Präparat« zu bereichern, besteht darin, daß das Museum selbst S a m m e l r e i s e n ausrüftet. Die Senckenöergische N atu r forschende Gesell-! s ch a s t ist in dem glücklichen Besitz der R ü p pe l l°S t i f° tun fi, aus deren Zinsen ausschließlich solche Wissenschaft- j lichen Reisen veranstall'et werden sollen; sie verfügt außer-! dem über die Tr. von R e i n ach - S! i f t u n g, de en Erträgnisse ebenfalls wiederholt zu Sammelreisen verwandt worden sind. 1802 berichtete Tr. F. Römer über seine für das Museum an die Adria unternommene Reise und führte die Ausbeute in einer großen Schaustellung vor 1903 unternahm Tr. Stromer von Reichenbach aus München im Austrage der Gesellschaft eine geologisch- Paläomologische Forschungsreise in die Libysche Wüste, die dem Museum ein reiches Material an fossilen Schild- kröten und interessanten Wirbelüerresten zugsführt hat. Im Juli und August 1804 betraute die Ver­waltung der Gesellschaft Dr. Römer wie- hemm mit einer Sammslreise an die norwegische Küste, um aus der Fauna des Nordmeeres eine größere ; Sammlung zu konservieren. Hauptsächlich galt es den Jischreichtum der norwegischen Käste zur Dar- I stellung der Anatomie - der interessanten Vertreier wie Haifisch, Seekatze, Dorsch, Ceewolf usw. nutzbar zu machen. Eine Fülle von schönen, in geschliffenen Gläsern auf entsprechendem Hintergrund montierten Prä­paraten aus der Entwickelung und Anatomie der Fische, Leber, Magen, Spiraldarm usw., resullieren aus dieser Reise. Ter Vortragende verbreitet sich auch über die Art