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Bei Besprechung der inneren Ursachen wird besonders die Bedeutung der männlichen und weiblicher Keimzelle für die Entwickelung und die Eigenschaften des werdenden Keimes, die Fähigkeit der einzelnen Abschnitt! der befruchteten Eizelle und der ersten TeiiungLstadien iu 'ihren Grundzügen erörtert und es wird die Entstehung -einzelner Abnormitäten, Mißbildungen und Geschwulst- bildnngen gedeutet. Für den weiteren Verlauf der Entwickelung ist von besonderem Belang die Untersuchung der gegenseitigen Abhängigkeit bezw. Selbständigkeit der einzelnen organbildenden Zellgruppen und des oft überraschend großen Umbildnngs- und Anpassungsvermögens der ein. b r y o n a l e n Z e l l e n.
Im Anschlüsse an eine kurze Besprechung einzelner besonders merkwürdiger Regenerations- und Re. parationsvvrgänge,die von einzelnen Forschern als Ausgang für einen neuen Vitalismus und eine neue Teleologie des Organischen genommen wurden, charakterisiert der Vortragende die Aufgaben und Grenzen der Biologie überhaupt: . Neo- Vital i s m u s und T e l e o l o g i e s i n d .n u r N e u - enideckungen der uralten Wah rheit, da ß
uns der letzte Grund und die Zweckmäßig, keit des Organischen unerklärbar sind und bleiben müssen. Unsere biologische Aufgabe kann nur die Feststellung aller auffindbaren Gesetzmäßigkeiten und ihre Zurücksührung auf allgemeinere Gesetzlichkeiten sein. Wie weit hier eine Rückführung des Organischen auf Anorganisches möglich sein wird, ist eine Frage an die Zukunft, die heute weder durch ein mechanistisches noch durch ein vitalistisches Dogma entschieden werden kann.
Reicher Beifall der in überaus großer Zahl erschienenen Zuhörer lohnt den Redner für seinen hochinteressanten Vortrag. In seinem Schlußwort gibt der Vorsitzende einen kurzen Rückblick auf das ablaufende Jahr 1904, das sich für die Senckenbergische Gesellschaft zu einem besonders erfolgreichen gestaltet hat. In der nächsten wissenschaftlichen Sitzung am 7- Januar 1905, mit der eine reichhaltige Ausstellung verbunden sein wird, wird Kustos Dr. F. Römer „Einiges aus der Schausammlung des neuen Museums" Vorzeichen und besprechen. Morgen in acht Tagen, am Sonntag den 18. Dezember, wird die Uebergabe der von Freunden und Schülern des am 25. April 1903 verstorbenen langjährigen I. Direktors O b e r l e h r e r I. Blum gestifteten M a r m o r b ü st e desselben an die Scncken- bergische Gesellschaft erfolgen.
VIIk. Wrsscns kaftlrche SihttNst der Scnckenberaischcn NaturforschenÄen Gesellschaft.
Frankfurt a. M., den 7. Januar 1905. Vorsitzender: Tr. August Jassoy.
Ter Vorsitzende heißt die zahlreich erschienenen Mitglieder zum Jahresbeginn willkommen und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß sie das so stark gewachsene Interesse an der Gesellschaft auch weiterhin betätigen möchten. An Stelle des satzungsgemäß ausgeschiedenen I. Direktors Tr. A. Knoblauch ist für die Jahre 1905 und 1906 Dr. A. Jassoy getreten, da eine direkte Wiederwahl statu en° gemäß leider nicht möglich war; ferner trat an Stelle des I. Sekretärs Tr. I. Gulde, dessen Amtszeit gleichfalls abg.claufen war, Bankier W. Melber. Ter Vorsitzmde dankt den ausgeschiedenen Herren für ihre erfolgreiche Mühewaltung und konstatiert, daß die Gesellschaft runter der letzten Direktion einer ganz ungeahnten BI ü t e e n t g e g e n g i n g, die sich in einem großen Mitgliederzuwachs, einer starken Vermehrung der Sammlungen, in dem 'allseitig £<- friedigenden Abkommen mit der Stadt und der Dr. Senckenbergischen Stiftung wie in der raschen Inangriffnahme und Ausführung des dringend notwendig gewor- der-m Museumsnenbaus dokumentiert hat.
Ter Vorsitzende kommt sodann auf die augenblicklich mißlichen Raumverhältnisie im jetzigen - Museum zu sprechen, die dadurch verursacht sind, daß zur Schaffung un- > entbehrlicher Arbeitsräume die Sammlungen teils maga- zinortig zusammengedrängt, teils gänzlich geschlossen werden ! muß'en. Auch die Neuerwerbungen und Schenkungen ' mußten größtenteils einstweilen wohlrerpackt beiseite gestellt werden oder sie können, wie die prächtige Mineraliensammlung, die die Gesellschaft soeben erst dnrcb die Hochherzigkeit der Tr. Bellischen Erben erhalten hat, nur für kurze Zeit ausgestellt werden. Tie Verwaltung ist sich wohl bewußt, daß sie ihrer Pflicht gerade in der sichtbarsten ihrer vielen Tä.igkeiten zur Zei nicht genügend Nachkommen kann; aber sie muß noch gs- ! raume Zeit--um Nachsicht bitten. ^
Es handelt sich ja neben den Vorbereitungen für den U mzug, der etwa % Jahr in Anspruch nehmen wird, um die völlige Neuordnung der Sammlungen. Hierzu wird das ganze vorhandene Material in eine magazimer'e wissenschaftliche und in eine den Besuchern des Museums zugängliche S ch a u s a m m. l u n g zerlegt, welch letztere teilweise erst ge'chafsen werden muß. Diese Schauausstellung erfordert unser m ü d l i ch e Arbe it und große Geldmittel.
'Allein die Utensilien, große freistehende Spiegelglas- schränke, praktische Gläser für Spiritus- und Formal-! t Präparate, gedruckte Erläuterungen unb Verbreitung^-; karten zur Einführung in das Verständnis der Sammlun-' gen dürsten y± Million verschlingen, wenn der im Neubau : zur Verfügung stehende Raum vollständig ausgenützt werden soll. !
Trotz dieser Schwierigkeiten tritt die Gesellschaft voll Zuversicht in das neue Jahr; stehen ihr dochj .Mitglieder und Gönner, ja die ganze Bürgerschaft ^ I r a n k f u r t s voll Vertrauen und Opfermut zur Seite.
! Ganz besonderen Tank schuldet die Gesellschaft der Firma G. Hoff mann, Kaiserstraße 39, die sämtliche Waschtische und Toilettenanlageu für den Neubau schenkungsweise liefern will, ein bei der Größe des Museums fürwahr fürstliches Geschenk.
Hierauf hält Tr. Fritz Römer, der Kustos des Museums, einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag:
„Einiges aus der Schausammluug des neuen Museums."
In den letzten Jahren ist in den Berichten und Reden der Gesellschaft so oft von dem neuen Museum und desien Schausanimiung gesprochen worden, daß es nunmehr angebracht erscheint, einiges aus der neuen Schausammlung vorzuführen und zu berichten, wie sie werden soll und was sie bezweckt.
Ter Begriff „S ch a u s a m m l u n g" ist noch nicht sehr alt; denn unsere größten deutschen naturhistorischen Museen in Berlin und Hanlburg haben eine eigentliche Schausammlung erst seit e.wa 20 Jahren., Tie meisten deutschen ! Museen sind zu Anfang des vorigen Jahrhunderts oder wenig früher gegründet worden, in einer Zeit, als Deutschland arm war. Tie Mittel für die Museen waren knapp und Stellungen für Derufszoologen gab es nicht viele. Das Reisen war außerordentlich schwierig und kostspielig; die i Handelsbeziehungen zu überseeischen Ländern fehlen noch und somit gab es für die Museen wenig Gelegenheiten, Material zu erhalten. SOlcift waren die Museen froh, wenn sie überhaupt irgend etwas zum Aufstellen in den Schauschränken erwerben konnten, und es ergab sich von selbst, daß alles ausgestopft, montiert und zu Schaustücken ver- arbei et wurde.
Mit dem gewaltigen Aufschwung, den Deutschland seit 1870 genommen, mehsten sich mit dem zunehmenden Wohlstand nicht nur die Mittel, sondern auch die Interessen an den Wissenschaften, speziell an der Naturwissenschaft. Tie große Zahl der Handels- und Kriegsschiffe gibt jährlich tausenden Gelegenheit, in die weite Welt zu ziehen; zahlreiche Reichsbeamte schlagen im Auslande ihren Wohnsitz auf und unsere Kolonien führen alljährlich viele junge Lewe in die Pracht der Tropen und bringen sie in unmittelbare Berührung mit einer berrlichen Natur. Das Deutsche Reich rüstete mehrfach Erreditionen aus; Privatleute unternahmen aus eigenen Mit eln wissenschaftliche Reisen und seitdem Anton Tohrn im Jahre 18TC-: die zoologische Station in Neapel gegründet hat, sind nach. ihrem Vorbild an den Küsten Europas allein über drertzlg, zoologische Stationen entstanden.