fälliger Weise durch den Vorgang der Hämolyse. Das! abgestorbene Protoplasma wird nämlich für den von chm eingeschlossenen roten Blutfarbstoff, das Hämoglobin^ durchlässig. Das Hämoglobin diffundiert hindurch uno löst sich in der die Zellen umgebenden Flüssigkeit mit durch­sichtig roter Farbe. Das vorherdeckfarbene" Blut ist lackfarben" geworden. Das Lackfarbenwerden des Blutes (die Hämolyse) kann also direkt als Indikator für den eingetretencn Zelltod gelten. ,

Zu den in dieser Weise als Blntgifte wirkenden tierischen Toxinen gehört zunächst das Gift einiger Spinnen. Wahres und Falsches ging gerade auf diesem Gebiet im Volksglauben und in der Wissenschaft vielfach durcheinan­der. In der Volksmeinung hat besonders immer die in Süditalien einheimische Tarantel als sehr gefährlich gegolten. Tatsächlich erzeugt der Tarantelbiß nur eine ge­ringfügige Entzündung an der Bißstelle, ohne daß allge­meine Krankheitserscheinungen auftreten. Die Erschei­nungen der Tanzwut, des Tarantismus, haben allerdings im Mittelalter im größten Umfange bestanden. Nur sind sie nicht als Folge des Tarantelbisses anzusehen, sondern gelten heute als der Ausdruck einer nervösen Ueberreizcheit der Bevölkerung, die durch geringfügige äußere Anlässe wie den Biß einer -Spinne eine Art von Nervenkrankheit verursachte, die sich gleichsam epidemisch verbreitete. Als wirkliche G i f t s p i n n e n scheinen nur zwei Gattungen in Betracht -zu kommen, die Gattung I- u k h r o d ekles und die Gattung Epeira. Die wichtigsten Vertreter der Gattung L a t h r o d e k t e s sind die italienische Malmignatte (E. tredecim-guttatu-s) und die in Südrußland und Asien vorkommende Karakurte (E. ereb u s). Besonders sollen die russischen Spinnen nicht nur kleinere Tiere, sondern auch Pferde, Kamele und Rinder töten können. Selbst -über Todesfälle beim Men­schen wird berichtet. Ter wirksame Gifibestcmdteil ist ein echtes Torin. Ein ganz analoges Toxin enthält un­sere gewöhnliche Kreuzspinne (Epeira dia-i dem a). In diesem Fall hat also der alte Volksglaube! an die Giftigkeit der Kreuzspinne mehr Berechtigung, als' man gelten lassen wollte. Allerdings ist die Kreuzspinnei durch ihre schwachen Bißwerlzeuge und durch den Umstand, daß sie nur wenig oder nichts von dem in der Leibessub­stanz enthaltenen Gifte beim Biß von sich gibt, für den Menschen wenig gefährlich. Kinder soll man aber jedenfalls, wie Kobert meint, vor dem Anfaffen der Kreuzspinnen ivegen der leichteren Verletzbarkeit der Haut warnen. Das Spimiengift ist ein Blutgift von ganz außer­ordentlicher Wirksamkeit. Es bewirkt schon in -den ge­ringsten Mengen Hämolyse. So enthält eine einzige Kreuz- jj'imie im' Gewichte von etwa, li/_> Gramm genügend Gift, um 2hü Liter Blut vollständig zu zerstören. Das Kreuzspinnengift (Arachnolysin) wirkt aber- nicht auf alle Blutarjen in gleicher Weise ein. Tie Blutzellen der ver­schiedenen Tierspezies differieren außerordentlich sin ihrer Empfindlichkeit. Einige Blutarten erweisen sich überhaupt vollständig resistent; sie sind immun gegenüber dem Kreuz- svinnenaist. ^Als Ursache dieser Giftresistenz hat-sich-her- ! ausgestellt, daß diese Blutarten das Gift gar nicht aufzu»

> nehmen vermögen, sodaß letzterem gar keine Gelegenheit gegel>en wird, seine Wirkung zu entfalten. Es-fehlen diesen Zellen die giftvernnkernden -Seitenketten/ die - die 'gift-s empfindlichen Zellen eben besitzen. Der Mangel an geeig- rieten Seitenketten kann also eine natürliche I m m u« nität (Giftfestigkeit) bedingen. Das Vorhandensein der Seitenketten- und damit die Giftempfindlichkeit- kann auch bei derselben Trerspezies je nach deni Lebensalter verschie­den sein. So sind die Blutzellen ganz junger Hühner re­sistent gegenüber deni Kreuzspinnengift und erst die.wäh­rend des Lebens gebildeten Blutzellen erlangen allmählich ihre hochgradige Empfindlichkeit.

Ein verschiedenes Verhalten der einzelnen Blut arten hat sich auch gegemiber d»:n Schlangengiften erweisen lassen. Jedoch hat sich herausgestellt, -daß es sich- hierbei mir um scheinbare Differenzen der Empfindlichkeit Han-, delt. In den Schlangengiften muß nran vier von einander­unabhängige Gistkomponenten unterscheiden:

1 . das Neurotoxin, das auf die Zellen des GchirnS wirkt und den -Tod der Tiere herbeisiihrt; '

2. das Hämorrhagin, das Riffe in den Wänden der Blutgefäße und starke Entzündungsreize an der Bißstelle verursacht;

3. das Hämagglnkinin, das die Blutzellen agglutmiert.

und - -

4 . das Hämolysin, das die Lösung der roten Blutkörper­chen bewirkt. ____

Alle diese Giftkomponenten sind Toxine; man fattrt mit dem Gifte inimnnisieren, d. h. man erhält ein wirk­sames Antitoxin. Das Schlangeng i f t an t-i tox i n ist bei der großen Verbreitung der Giftschlangen als wirk- samftes Gegenmittel zu praktischer Bedeutung gelangt. Man hat das zuerst von C a I m e t t e hergestellte Heilserum, das A n t i v e n i n", besonders in Indien, wo die Brillen­schlange (Cobra, Naja tripudians) eine so verheerende Rolle spielt, vielfach angervendet.

Besonders interessante Aufschlüsse haben die Unter­suchungen der letzten Jahre über die Wirkung desSchian- gengistes auf das Blut gebracht. Die Wirkung des' Schlan­gengiftes auf das Blut hat aber mit der tödlichen Wirkung des Schlangenbisses nichts.zu tun, . Die schweren Krank­heitserscheinungen und der Tod werden durch andere Gist- bestandteile, besonders durch das Nervengift verursacht. Man muß also die Giftigkeit im Tierkörper und die giftige Einwirkung auf das Blut streng auseinanderhalten. Es hat sich gezeigt, daß die Blntzellen nur einiger Tierarten durch das Schlangengift, gelöst werden, während bei den meisten Blutarten die Hämolyse ausbleibt. Ms-Ursache dieser Differenz haben sich ganz eigentümliche Verhältnisse ergeben. Es hat sich nämlich gezeigt, daß das Schlangen­gift an und für .sich überhaupt nicht die roten Blutzellen zu zerstören vermag. Es ist, so wie es die Natur liefert, eine unwirksame Substanz, die erst durch eine Art von Aktivierung zum Blutgifte wird. Ter aktivierende, die hä­molytische Wirkung des Schlangengifts bedingende Stoff ist das Lecithin. Das Lecithin ist ein komplizierter, phos­phorhaltiger chemischer Körper, der im Pflanzen- und Tier­reich weit verbreitet vorkommt. Dieses weit verbveitete Bor- konimen des Lecithins spricht schon filr seine hohe physiolo­gische Bedeutung. Und in der Tat wird dem Lecithin als Material zum Aufbau der phosphorhaltigen Zellsubstanzen für die Entwicklung und das Wachstum der lebenden-Or­ganismen eine bedeutungsvolle Rolle allgeniein zugespro­chen. Das Lecithin ist nun zwar, wie die chemische Ana- lyse gezeigt hat, tn den Zellen aller Blularten in gleicher Weise vorhaiiden. Jedoch komnit es in der Regel nicht frei vor, sondern in mehr oder weniger lockerer Verbindung rfrit anderen Stoffen, dem Eiweiß, Hämoglobin nsw. Aber die Festigkeit der Bindung schwankt bei den einzelnen Blutarten Bei inanchen ist sic so gering, daß das- Lecithin für das Schlangengift ohne weiteres zur. Verfügung steht; das Schlangengift. kann das Lecithin an sich - reißen und wird dadurch zum Blutgift. Bei anderen Blntarten ist das Lecithin so fest in der Zelle gebunden, Laß es für das Schlangengift nicht disponibel ist, und diese Blntarten er­weisen sich eben scheinbar' resistent. - In Wirklichkeit ober unterliegt jedes Blut in der gleichen Weise dem Schlangen­gift, wenn man nur in den Fällen, in denen das in der Zcllc befindliche Lecithin nicht verfügbar ist, dem Schlan­gengift etwas Lecithin hinznfngt. Durch diese merkwürdige Beziehung des. Lecithins znm Schlangengifte ist «ich eine Gelegenheit geboten, das Lecithin in den Geweben auf ! diese neue Weise zu untersuchen, die über die Art' der chemi­schen Bindiiiig dieser physiologisch wichtigen Silbstanz im Organismus Auskunft geben kann. So.-hat .sich bereits erweisen lassen, daß in Bezug ans die Empfindlichkeit des Bbites gegenüber dem Schlangengift auch bei derselben Spezies je nach dein Lebensalter Unterschiede bestehen. Das Blut des Rinderfötus wird durch Schlangengift an. uiid für sich gelöst, während das Rinderblut- nach der Ge­burt bereits unenrpfindlich gelvörden und erst mit Hilfe' des Lccithinzusatzes durch Schlangengift angreifbar ist- Das Lecithin muß also während des fötalen Lebens in den Blutzöllen lockerer gebunden und leichter disponibel sein,, als im Blute Erwachsener. Und diese Differeuz des fö­talen Lecithinstvfswechsels entspricht vollständig der Be­deutung des Lecithins als Aufbaumiüel für das Wachslüm des Körpers. Für diese Aufgabe muß es eben in der Periode schnelleren Wachstums durch eine lockere Bindung besser gerüstet sein.

Es ist auch gelungen, die Verbindung, zu der sich Schlangengift und Lecithin vereinigen, das sogenannte Schlangengiftlecithid, darzustellen. Die neu er- Haltens Substanz unterscheidet sich sowohl von: Schlangen­gift als auch vom Lecithin durch charakteristische chemische Eigenschaften. Da sie im Gegensatz zum Schlangengift in Chloroform löslich ist, kann nian sie aus der ivässerigen