leicht an das hohe Venn, das als Insel aus den Wellen herausraches; rechtsrheinisch im Norden ebenfalls ein flaches Meer wie im Unterdevon, im Süden aber offene tiefe See mit einer ganz abweichenden Tierwelt. Im jüngeren Mirleldevon ragrm an vielen Stellen mächtige Korallenriffe ans den Wogen empor, an denen eine reiche Fauna lebte. Zur Oberdevonzeit werden die Verhältnisse noch komplizierter. Zusammenhängend mit gewaltigen untermeerischen Ausbrüchen vulkanischer Gesteine fanden bedeutende Schwankungen des Meeresbodens statt und so kommt es, daß wir Tiefjee- und Flachineer- bildungen, Rifffauna und Tierwelt des offenen Meeres oielorts in geringer Entfernung neben einander finden. Zu Beginn der S t eink oh len z e it dauerten ähnliche Verhältnisse noch an; dann hob sich der Boden langsam, das Meer trat zurück und es entstand der Kontinent, auf dem sich die wichtigen Steinkohlenlager, besonders der Ruhr- und Saargegcnd in großen Sümpfen bildeten. Manchmal brach das Meer noch über seine Ufer herein und trug auch Meerestiere in diese Sümpfe. Gegen den Schluß der Steinkohlenzeit aber spielten sich die großartigen tektonischen Vorgänge ab, denen das Schiefer- gebirge als solches seine Entstehung verdankt. Zum erstemnale seit der Urzeit wurde unsere Gegend in ausgedehntestem, Maße von den Schrumpfungserscheinungen in Iber Erdkruste betroffen und so entstand ein riesiges Ge- Virge von alpinem Charakter, das man direkt fdie „paläozoischen Alpen" genannt hat. So wurde aus (einem Kontinent, der sich aus wcseiülich horizontalen Gesteinsschichten zusammensetzte, ein Gebirge mit wil- Den, zerrissenen Formen, deren Schönheit wobst den schroffsten und steilsten Felsengipfeln der Jetztzeit kaum machgestanden haben dürfte. Sofort aber mit. der Aufrichtung des Gebirges setzte auch die zerstörende Wirkung des Wassers ein und die Erosion bemühte sich, die alpine Landschaft wieder langsam abzutragen. In den nächsten Formationen blieb unser Gebiet von großen Revolutionen unberührt. Zwar mögen wohl die Wüstenstürme der Perm- und Trias zeit auch um die Gipfel der westdeutschen Alpen getost haben und gewaltige Eruptionen femcig-flüssigen Materiales fanden nanientlich noch im Saargebiet statt. Aber auch das Jurameer drang noch nicht wieder in das Innere des Schiesergebirges ein und erst zur jüngeren Kreidezeit verließ im Norden das Meer seine User; es brach weithin über das Land und seine Brandnngswoge ebnete hier das ohnchin durch die Erosion flacher gewordene Gebirge vollkommen ein. Eine reiche marine Tierwelt zog wieder in unser Gebiet ein; aber diese Herrlichkeit war nur von kurzer Dauer. Zu Beginn der Neuzeit der Erdgeschichte war ganz Norddeutschland wieder Festland. Später erfolgte dann der legte Meereseinbruch; ein breiter Arm verband Nord- und Südmeer, er folgte etwa dem Ost- und Südrand unseres Gebirges. Schon bald nachher trat das Meer wieder zurück und der Meeresarm löste sich in eine Anzahl sich langsam aussüßender Becken auf, deren bedeutendstes gerade unserer Gegend durch die zahllosen Versteinerungen, die es hinterließ, zu ihrer geologischen Be- rühnitheit verhalfen hat. Auch die großen B a s a l t a u s - brüche des Westerwaldes, der Rhön, des Vogelsberges stammen aus jener Zeit; sie geben uns Zeugnis von einer überaus großen Steigerung der vulkanischen Tätigkeit. In den Sümpfen mit ihren riesigen Urwäldern lebten das Dinotherium und das Mastodon unter einem fast tropischen Klima. Aber bald wurde es kälter; die nordische Eiszeit rückte heran und obwohl die Eisniasse unser Gebirge nur am Nordrand direkt berührte, brachte sie doch ein kaltes, unwirtliches Klima mit sich. Nach dem Rückzug des Eises entwickelte sich in Norddeutschland ein Tundren- und Steppengebiet; Tiere, die jetzt in den weiten Steppen Asiens heimisch sind, siedelten sich neben dem Mammut, dem wollhaarigen Rhinozeros, 'dem Riesenhirsch und anderen gewaltigen Tieren der Eiszeit bei uns an. Mehr und mehr nähern sich die Verhältnisse den jetzt herrschenden und aiteh die ersten sicheren Spuren des Menschen beweisen, daß er zur D i l u v i a l z e i t unser Gebiet bewohnt hat. Er kämpfte mit den wilden Tieren; er .tötete sie aus oder machte sie sich dienstbar und damit tritt die Geologie ihre Stelle als forschende Wissenschaft der Archäologie und der Geschichte ab.
V. Wiffcnsck'aftliche Sih„ng der Sentkenbergischen Naturforschenden Gesellschaft.
Frankfurt a. M., den 26. November 1904
Vorsitzender; Dr. med. Angusl Knoblau ch. ■
Di.' ,'ned. Hans Sachs, Assistent am Kgl/'Institut für experimentelle Therapie, spricht
' „Ueber einige tierische Gifte."
Unter den in fast allen Klassen des Tierreichs verbreiteten Giftstoffen-haben in letzter Zeit besonders, diejenigen das Interesse der Forschung in Anspruch genvmmey, die zu den Torinen gehören. Es sind dies die Gifte der Schlangen, Spinnen, Kröten, der Skorpione und einiger F i sch tz. Ihnen allen kommt eine Reihe gemeinsamer Eigenschaften zu, die für dieErnppe der Toxine.charakteristisch sind. Was sind nun Toxine? Wer der Bezeichnung „Toxine" werden Gifte tierischen oder pflanzlichen besonders bafterielleu) Ursprungs zusammengefaßt, die in chemischer Hinsicht so gut wie unbekannt sind. Sie sind äußerst empsind- Uch. geg«n geringfügige physikalische oder chemische Eingriffe, besonders gegen Erwärmen und ausgezeichnet durch eine außerordentlich hohe Giftigkeit, die diejenige der übrigen Gifte bei Iveitem übertrifft. Von den chemisch bekannten Giften unterscheiden sie sich prinzipiell durch die Fähigkeit in dem durch sie vergifteten, aber die Vergiftung überlebenden Organismus die Bildung von Antitorinen sGegengiftenI auszulösen, die in das Blut gelangen und dort als Schützstoffe kreisen. Die Antitoxine haben nämlich die Fähigkeit, diejenigen Toxine, durch die sie erzeugt sind, in spezifischer Weise zu beeinflussen und ihre Giftigkeit ansznheben. Zu jedem. Toxin geil ö r t ein A n t i t o x i n. Tie größte praktische Bedeutung haben die Antitoxine des Diphteriegifies erlangt, deren denkwürdige Entdeckung durch Emil von Behring der Ausgangspunkt der serumiherapeutischen Bestrebungen geworden ist. Das D i P h t e r i e h e i l s e r u m stellt nichts müderes dar als die Blutflüssigkeit von- Pferden, chenen Diphterietoxin eingespritzt wurde und die dar-I auf mit der Produktion von Antitoxin reagiert haben, j Ten Mechanismus der Antitorinbildung. erklärt die von> Paul Ehrlich ausgestellte „Seiten kettcn-j t h e o r i e". Nach dieser Theorie stellen die Antitoxine normale Bestandteile des Zellprotoplasmas dar, die durch ihre chemische Eigenart befähigt sind, sich mit chemisch Vertvandten Stoffen , zu vereinigen. Man nennt sie in einer der Chemie entlehnten Ansdrnckswcise die „Setten- ketten" des Protoplasmas. Die Seitenketten dienen im normalen Sehen physiologischen Funktionen, insbesondere i der Nährstoffaufnahme, und vermitteln durch eine zufällige, für den Organismus verhängnisvolle chemische. Verwandtschaft zu einer Atomgrnppe des Giftmoleküls . die Gift- bindung und Giftwirkung. Durch die stattgehabte Bindung des Giftes sind sie aber außer Funktion gesetzt; durch den Funktionsverlust wird ihre Regeneratio.n und liebe rr ege ne r at i on (Karl Weigert) veranlaßt, die eine schließliche Abstoßung der übermäßig erzeugten Seitenketten in die Blutbahn zur Folge hat. Tie null im Blute befindlichen Seitenketten sind die Antitoxine, die Schutzstoffe des Blutes. Durch ihre chemische ■ Verwandtschaft zum Gifte fangen sie dieses schon in der, Blutbahn ab und lassen es gar nicht an die Zelle herantreten.
Die tierischen Toxine nun haben die erwähnten Eigenschaften mit der ganzen Gruppe der Toxine gemein, Was ihre Erforschung in letzter Zeit sehr gefördert har, ist der Umstand, daß sie auch B l u t g i f t e sind, deren Wirkungen man im Reagensglas studieren kann, ohne den komplizierten lebenden Tierkörper als Indikator zu t>e= nutzen. Man nimmt die zu untersuchende Zellspeztes, in unserem Falle also das Blut, ans dem lebenden Organismus heraus und unterwirft sie im Reagensglas der Einwirkung des Giftes. Tie Zellen des Blutes sind für derartige Uniersuchnngen besonders geeignet, weil man bei ihnen die Zellschädigungen äußerst leicht erkennen kann. Die torinartigen Gifte üben besonders zwei markante Wirkungen auf das Blut aus. Sie können die Blutzellen zu größeren Haufen zusammenkleben — man bezeichnet diesen Vorgang als A g g l u t i n a t i o n — oder aber sie töten die Blntzellen ab und der eingetretene Zelltod dokumen- ''ievt sich bei den roten Blutkörperchen in besonders aus-