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T. Wissensckiaftliche Sitzung -er Senckenbcrgischen Nairrrforschenden ItzeseKschaft.
Frankfurt a. M., 22. Oktober 1904.
Vorsitzender: Dr. med. August Knoblauch.
Der Vorsitzende begrüßt zunächst die zahlreich erschienenen Mitglieder und ihre Damen zu Beginn des Wintersemesters. Wie im Vorjahre sind wieder» um nahezu alle acht Tage wissenschaftliche Sitzungen geplant, für die ausnahmslos hiesige und auswärtige Mitglieder der Gesellschaft Vorträge in Aussicht ge st eilt -haben. Sodann gedenkt der Vorsitzende der schweren -Verluste, die die Verwaltung in den letzten Wochen durch i den Tod der arbeitenden Mitglieder Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Karl Weigert, Carlo von Erlanger und Friedrich Heynemann erlitten hat.
Pros. W e i g e rb gehörte seit seiner Uebersiedelung nach
Frankfurt im Jahre 1885 der Verwaltung an, und wenn
er sich auch meist von den Verwaltungsgeschästen fern gehalten hat, so war er doch stets ans dem Platze, wenn es galt, wissenschaftliche Fragen zu erörtern. So hat Weigert namentlich in den Kommissionen zur Erteilung des Sömmerring- und Tiedemann-Preises eine eifrige Tätigkeit entfaltet und seit seinem Eintritt in die Verwaltung den st ä n d i g e n Vorsitz in diesen Kommissionen geführt. Eine seiner hervorragendsten Arbeiten, seine epochemachenden „Beiträge zur Kenntnis der normale i menschlichen Neuroglia", ist in dem HL. Band der Abhandlungen der Senckenbergischcn Naturforschenden Gesellschaft erschienen.
Carlo von Erlanger hat nur 5 Jahre dem enge- ! reu Kreis der arbeitenden Mitglieder angehört; aber er > hat in dieser kurzen Zeit Außerordentliches für das Museum * geteiftet. Voll Begeisterung für die unmittelbare Beobachrung der Natur ist er in jungen Jahren ausgezogen nach T u n e s i e n und den A t l a s l ä n d e r n; er hat als erster . Europäer N ord o st afr i k a durchquert von Abessinien bis zum indischen Ozean und von seiner reichen zoologischen Ausbeute hat er die wichtigsten und interessantesten Stücke dem hiesigen Museum übertviesen. Was Eduard
ü p p e t l für die Gesellschaft zur Zeit ihrer Gründung
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gewesen ist, das war Carlo von Erlanger in der Gegenwart; seine reichen Sammlungen afrikanischer Vögel und Säugetiere tverden dem neuen Museum der Gesellschaft zur bleibenden Zierde gereichen.
In Friedrich Heyne mann hat die Verwaltung ihr ä l t e st e s Mitglied verloren; am 10. Dezember 1859 wurde er zum arbeitenden Mitglied« ernannt. Zu seinem Arbeitsfeld hat sich Heyne m a n n, von Beruf Kaufmann, frühzeitig ein bis dahin von den Gelehrten fast ganz vernachlässigtes Gebiet erwählt, das Studium der Nacktschnecken, und in diesem Gebiete, auf dem er sich durch eine große Anzahl hervorragender Arbeiten ausgezeichnet hat, ist er zu einem Systematiker von anerkanntem Rufe geworden. 1869 übernahm er die Verwaltung der MolluskermSammlung des hiesigen Museums, nachdem er ein Jahr zuvor diedentscheMalako-Zoologische Gesellschaft ins Leben gerufen hatte, deren Präsident er bis zu seinem Tode geblieben ist. Eine besonders ersprießliche Tätigkeit hat H e y n e m a n n in der Redaktions-Kommission für die Abhandlungen entfaltet, in der er von 1884—1895 und seit 1899 den Vorsitz führte; auch in der Bau-Kommis- s i o n war er unablässig tätig. In zwei Amtsperioden, 1884 und 85 und 1888 und 89 bekleidete er das Amt des II. Direktors; er war, selbst Numismatiker, der Begründer und Förderer der Medaillen- Sammlung der Gesellschaft. Bis in die letzten Tage seines Lebens war ihm wissenschaftliches Arbeiten ein freudiges Bedürfnis; hat er doch zwei druckfertige Manuskripte hinterlassm. von denen eins, eilte Arbeit über die geographische Verbreitung d'er Nacktschnecken, bestimmt für den XXX. Band der Abhandlungen, bereits im Druck ist, während eine zwecke Arbeit, die Beschreib'.! na der Medaillen-Sammlung des Museum s/im nächstjährigen Bericht der Gesellschaft er-
biftfrT- ber Vorsitzende eingehend über
die Tätigkeit der Gesellschaft in dem ab-
gelaufenei^ arbeitsreichen Sommerhalb-
kahr. Ter Mufeums-Neubau an der toria-AIee, zu dem am 15. Dien
Vik-
worden ist ist inzwischen mächtig i/dck Höh'e gewachen, fodaß die beiden Seitenflügel und der Hintere Ouertrakt voraussichtlich noch vor Winter unter Dach kommen werden. Ganz besonderen Dank verdient eine hoch- herzige Schenkung, die einen wichtigen Teil der inneren Einrichtung des Museums
. - betrifft; die h resiae
Firma G. Hoffmann, Kaiserstraße 39, hat
> t<ä & il eT -V f erfIärf ' sämtliche Waschtische uni) Toilettenanlagen für das neue Museum kostenlos zu liefern.
Die Arbeiten der Sektionärc und Beamten innerhalb des Museums waren vorwiegend der Einrichtung des Neubaues gewidmet, besonders der Herrichtung einer neuen Schausammlung, für die zahlreiche Mitglieder der Gesellschaft in dankenswerter Weise bestrebt gewesen sind, Material sowohl an niederen Tieren wie auch an einheimischen Vögeln und Säugetieren zu beschaffen. Gerade die heimische Fauna soll ja im neuen Museum besondere Berücksichtigung finden und in großen biologischen Gruppen zur Anschauung gebracht werden. Allein das hierzu erforderliche Material zu gewinnen, ist nicht leicht. Es ist tatsächlich weniger schwierig, z. B. eine Giraffe oder einen Eisbären zu erlangen wie unser einheimisches Rotwild, dessen Geweihe unsere Jäger als Jagdtrophäen zu bewahren pflegen. So ist es besonders erfreulich, daß dem Museum in den letzten Wochen ein prachtvoller Spessarthirsch, ein Zehnender aus dem Taunus und ein alter, fetter Dachs aus Oberhessen als Geschenke überwiesen worden sind. Gerade jetzt in der Jagdsaison sei deshalbeinApPellan falle hochherzigen Freunde des edlen We:d- werkes /gerichtet, das hiesige Museum in neinem Vorhaben zu unterstützen und ihm einheimisches Wild zur Aufstellung in der nquen Schausammlung zu überlassen. Besonders erwünscht sind im Winterkleid: Edelhirsch (Männchen), Damhirsch (Männchen und Weibchen), R e h b o ck! und Fuchs (Männchen); im Sommerkleid: Edelhirsch (Weibchen und Junges), Reh (Männchen und Junges), Dachs (Weibchen mit Jungen) und Wildschwein (Männchen und Weibchen mit Jungen). Ebenso isl es ein besonderer Wunsch der Gesellschaft, im Hinblick auf das' neue Museum in den Besitz einer vollständigen Geweih- sammlung unseres einheimischen Rotwil- h e s zu gelangen, durch die die Eeweihbildung und Geweihentwicklung vom Spießer bis zum Achtzehnender zur Anschauung gebracht werden könnte.
Denselben Zweck, reiches Material besonders an Fischen und niederen Tieren sowie an anato< mischen Präparaten fiir die Neue Schau- und! Anterrichtssammlung zu beschaffen, Hot eine Sammel- reise an die norwegische Küste verfolgt, die Knstos Dr. Römer in den Monaten Juli bis September, im Aufträge der Gesellschaft und aus den Mitteln der < v. Reinach-Stiftung unternommen hat. So hat diese hochherzige Stiftling, die Herr v. R e i n a ch am 4. April 1899 errichtet chi, auch in diesem. Jahre wie stets reiche Früchte getragen und darum hat es die Gesellschaft mit besonderer Freude .begrüßt, daß der verdiente Geolog ihres Musenras und hochherzige Förderer ihrer wissenschaftlichen Bestrebungen Albert von Reinach ftl gerechter Würdigung seiner hervorragenden. LeistWM,
0 Juli d. Js. von der philosophischen Fakultät der
am
Universität Marburg zum Ehrendoktor ernannt worden ist.
Schließlich legt der Vorsitzende den soeben erschienenen „Berich t" vor, der neben einer Schilderung der Grundsteinlegung eine ausführliche Beschreibung des neuen Museums von Baurat L. Ne her mit zahlreichen Plänen und einer perspektivischen Ansicht sämtlicher wissenschaftlichen Institute an der Viktoria-Allee enthält.
Hierauf hält Gerichtschemiker Dr. G. P o p p anziehenden Vortrag, über: -
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