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Ein Wunder der Natur.

Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht der auch in Frankfurt a. M. persönlich bekannte Afrikareisende und Zoologe C. G. Schillings imBert. Lok.Mnz." einen Artikel überraschenden Inhalts, dem folgendes entnommen sei: Erst seit wenigen Tagen ist es einem großen Kreise von Hippologen, Gelehrten und breiteren Schichten des Publikums bekannt geworden, daß ein in st iller, b escheidener Zurückgezogenheit im Norden Berlins

seines Besitzers williger und freudiger arbeitet als bei dritten Personen.' er verhält sich darin vollkommen wie Kinder, die. durch fremde Examinatoren geprüft werden sollen. Ich bin mir wohl bewußt, daß jeder, der die Leistungen des Hengstes nicht selbst gesehen hat, zunächst an das leider heutigentags allzu geläufige Wort! Schwindel", dann aber an einen Irrtum seitens der. Zuschauer denkt. Und das hat feine guten Gründe. Wider- > spricht es doch allen bisher feststehenden Ansichten über! die geistigen Leistungsfähigkeiten und den Verstand eines ! Tieres, und eines Pferdes im ganz besonderen. Wie ich schon an anderer Stelle ausführte, würde man diesen | Leistungen bei einem anthropoiden Äffen weniger skeptisch! gegenüberstehen. Aber mit Unrecht. Denn der Hengst! beweist uns deutlich, welch' große Summen, ich möchte I sagen dürfen,latenten Verstandes" in einem Pferd ver­borgen liegen, um unter der formenden Hand eines künst­lerischen und genialen Pädagogen denn ein künst­lerischer und genialer Mann ist der ehrwürdige Herr v. O. zu einer Höhe der Ausbildung und Leistung ge­langen zu können, die eben scheinbar keine Grenzen kennt. Hierzu bemerkt die Redaktion desBerl. Lok.-Anz.": Die im vorstehenden Artikel mitgeteilten Tatsachen klingen beinahe wie ein Märchen oder erscheinen zunächst unglaubwürdig schon in Rücksicht auf den Umstand, daß es in früheren Jahren öfters gelungen ist, Tieren gewisse mechanische Bewegungen einzustudieren, die sie dann aus geheime Zeichen ihrer Dresseure in einer Weise aus­führten, daß sie die menschliche Sprache zu verstehen und logisch zu denken schienen. In allen solchen Fällen wurde .schließlich entdeckt, mit welchen Mitteln der kluge Dres­seur die staunenden Zuschauer über das Geheimnis seiner Vorführungen hinweggetäuscht hatte. Im vorliegenden Falle aber übernimmt nicht allein der Herr Verfasser, | der bekannte Zoologe C. G. Schillings, wohl einer der besten Kenner der Tierpsyche, volle Gewähr dafür, son-l dern auch andere Autoritäten auf dem Gebiete tierischen Geisteslebens, so der bewährte Direktor unseres Zoologi­schen Gartens, Dr. L. Heck, haben den in Abwesenheit des Erziehers des Tieres vorgenommenen Versuchen wiederholt beigewohnt und lehnen jede Möglich- keiteinerTäuschungab. Danach ist die Arbeit des Herrn von Osten in der Tat geeignet, unsere gesamte Auffassung über das Zustandekommen der Geistestätigkeit bei allen Lebewesen neue Wege zu weisen. Wie wir hören, haben diese Versuche auch schon das Interesse unserer maßgebenden amtlichen Stellen auf sich gelenkt, worüber wir demnächst weiteres werden berichten können.

Ein Wunder dsr Natur.

I Jm Anschluß an einen unter obiger Spitzmarke vor einiger Zeit von uns nach den:Berl. Lok.-Anz." gebrachten Artikel, worin der bekannte Zoologe und Afrikareisende C. G. S ch i l l i n g s die allenthalben größtes Aufsehen erregenden Mitteilungen über die bisher unerreichten Erfolge methodischer Ausbildung eines Pferdes seitens des in Berlin lebenden Herrn von Osten macht, schreibt uns heute Herr Schillings selbst unter voller Ausrechterhaltung seiner bis­herigen Behauptungen :Die geniale Methode des Herrn von Osten (eines alten Herrn, früheren Mathematikers von Beruf) hat es fertiggebracht, daß sein HengstHans" voll­kommen methodisch ausgebildet (nicht dressiert) wurde. Er kann lesen (niit kleinen deutschen Buchstaben), rechnen bis in die dritte Potenz, kennt gegen 15 Farben, Münzen und tausende von Begriffen allgemein gebräuchlicher Gegen- ! stände, aber auch abstrakte Begriffe, wie: schön, häßlich (rechts, links), hoch, tief, Mitte, Rand, warm, kalt, mehr, weniger rc. re. Professor E. Haeckel in Jena schreibt mir (und kommt selbst dieser Tage) u. a.:Ich bin von der Wahrheit dessen, waS ich lese, überzeugt und stimme auch Ihrem Urteil über Herrn von Osten zu. Mir ist das alles nicht wunderbar, nachdem ich schon früher oft die un­gewöhnliche Intelligenz einzelner Pferde und Hunde be­wundert habe: sie stehen in geistiger Beziehung höher wie viele Menschen." Geh. Rat Prof. Dr. M o r b tu s, Direktor des K. Museums für Naturkunde in Berlin, gibt mir vollkommen recht und hat dies in derNqtional- Zeitung" niedergelegt. Ebenso viele andere Gelehrte, so Direktor Dr. L. Heck vom Zoologischen Garten. Die interessanten Versuche werden fortgesetzt und be­zwecken Prüfung der Sache durch eine wissenschaftliche Kommission in wochcn- langer Arbeit. Ich habe die Sache in die Hand

j genommen, weil Herr von Osten jahrelang nicht ge­hört worden ist, trotz vieler Bitten,, die Sache zu prüfen. Einige unberufene Kritiker, ferner Pferdedresseure, die sich in- ihrem Metier durch einen genialen Mann gestört sehen, Hetzer ' (crstcre aus Sensationslust) in teils höchst unanständige: Weise, während die Männer der Wissenschaft mir zur Sein stehen. Das Pferd hat auch niit dem Prinzen Friedrich Karl Hohenlohe, dem Generalmajor Zobel und anderen allein alle Fragen beantwortet, die ihm gestellt wurden."

Aus alledem dürfte zur Genüge hervorgehen, daß man die Angelegenheit desgelehrten Pferdes" nicht lediglich von der heiteren Seite aufzufassen hat, sondern daß cs sich um Erscheinungen handelt, die in ernsten wissenschaftlichen Krstsen Gegenstand lebhaften Interesses und Studiums sind. .

Für die aber, die sich mit der Erklärung begnügen, ist kein rechter Ersatz der Sphinx zu finben>< Man könnte an Hans, das Berliner Wunderpferd, denken. Aber mit feiner Herrlichkeit geht's schon abwärts. Ein paar Pfiffikusse glauben dem Dressiertrick auf der Spur zu sein, der aus Hans den wunderbaren Rechenmeister ge­macht hat. So lang ihm nämlich sein Dresseur aus die Hufe sieht, so heißt's jetzt, scharrt der kluge Hans; und sobald sein Dresseur den Kopf wendet, unter- läßt er's. Es genügt also, daß eurer von beiden scharrer kann Hans. Und einer zählen der Dresseur. Wunderlich, daß der Trick nicht früher gefunden wurde. Nahe lag er ja. Denn es gibt doch schließlich auch in der Klasse des homo sapiens Exemplare genug, die nur arbeiten, so lange ihnen einer auf die F i n g e r sieht.. Schade ist's übrigens, daß es nun wieder nichts sein soll mit dem PferdeverftandZ^Man denke: welche Perspek- tiven hätten sich aufgetam>Zum Beispiel in einem Krieg ist bei einer großen Reiterattacke der Oberst gefallen, der vorher mit seinem Leibpferd den Angriffsplan durchye- sprochen hat. Das edle Roß behält nun die selbständige Führung, bis der Feind geworfen und nützt, ohne Reiter hinsausend, alle Chancen des Gespensterpferdes aus ...

Eine Musikprüfung desklugen Hans". Aus Berlin, 27. August, wird berichtet: Derkluge Hans" wurde heute von Fachmännern auf sein musikalisches Ge­hör hin geprüft. Die Kommission bestand aus dem Pro­fessor Max Schillings, dem Komponisten von Jngwelde", der eigens zu dieseui Zwecke aus München hieher gekommen war, und dem bekannten Psychologen der' Berliner Universität. Professor Max D e s s o i r. 'Nachdem Hexr v. Osipi die Ziffern angegeben hatte, mit .welchen Hauff die einzelnen Töne bezeichnet je 1,h = 7, a '= 6 u. st w.s, zogen sich die dem Tiere bekannten Herren für den größten Teil der Zeit vollständig in den Hinter­grund zurück/ Prvfeffor Schillings gab auf einjr kleinen ,Klapphärmonika einen Ton'an,/Hans tippte sofort mit dem Huf iu den Sand, welcher Ton es war. Nach zahlreichen, zumeist gelungenen Versuchen wurde Hans auf eine schwerere Probe gestellt. Es wurden ihm durch gleichzeitigen Gebrauch mehrerer Klappen verschiedene Töne auf einmal an die gestützten Ohren geblasem Hans gab richtig an, wie viel Einzeltöne zusammengeklungen hatten. Der Examinator wiederholte dasselbe Experiment mit einer anderen Variation von Tönen und fragte dann die Zunächststehenden, wieviele Töne es gewesen seien. Einige. Herren beantworteten die Frage richtig, dann aber wollte Professor Schillings von denselben Herren wissen, welche Töne denn eben zusammengeklungen hatten. Keine Antwort. Hans aber wußte eff! Er gab zuerst die Zahl der Töne und dann unter der Verblüffung der ganzen Gesellschaft der Reihe nach ihre Namen e, h und t an!