86

Ausgestohfte Tiere.

Von der Direktion der S e n ck e n b e r g i s ch e n natur­forschenden Gesellschaft erhalten wir die folgende Zuschrift: Der interessante Aufsatz über einNeues Verfahren zum A u s st o p f e n von Tieren" in der letzten Sonn­tagsnummer derKleinen Press e" (Nr. 190, vom 14. August d. I.) gibt uns zu nachstehenden Bemerkungen Veranlaffung:

Der Besuch des Frankfurter n a t u r h i st o r i - schen Museums zeigt am besten, welche Wandlungen die Technik des sog.A u s st o p f e n s" von Tieren im Laufe der letzten Jahrzehnte durchgemacht und welche Ver­vollkommnung sie allmählich erlangt hat. Zur Zeit der Grr-'-;wq unserer N'aturforsch enden Gesell- schafi (1817) wurden selbst große Tiereausgestopft" in des Wortes eigentlicher Bedeutung, d. h. es wurde die abgebalgte Haut des Tieres bis in die Gegend des Schwanzes zugenäht, und buchstäblich mit Werg, Stroh u. dergl. ausgestopft, bis nichts mehr hineinging, dann wurde W letzteLeffnung durch eine Naht geschlossen, kunst-, liche Augen'wurden eingesetzt üno oasaüsge stopfte Tier" war fertig. Treffliche Beispiele für diese primitive Technik sind die beiden Nilpferde (weibliches Tier mit Jungem), die Eduard R ü p p e l l s. Zt. auf seiner abessvnischen Reise erlegt hat und die in der Eingangshalle des Museums Aufstellung gefunden haben. Andere Beispiele sind einzelne Antilopen im Säugeticrsaal, zahlreiche ,ausgestopfte Fische, kurz, alle Tiere, die aus R ü si­ch e l l s Zeit stammen.

Erst um die Mitte der 1860er Jahre wurde die bis dahin an allen Museen übliche primitive Methode verlassen. Es wurden nun zunächst die Skelette der Tiere, sofern sie .mitsamt den Bälgen ins Museum eiugeliefert wurden, prä­pariert und ausgestellt-, sie wurden alsdann mit Werg, Stroh u. s. w. u m w i ck e I t, wodurch ein Ersatz für die fehlenden Weichteile (Muskulatur, Fett) geschaffen werden sollte, und schließlich wurde die präparierte Haut des Tie­res übergezogen. Diese neue Methode hatte allerdings den großen Nachteil, daß die Skelette und namentlich die wertvollen Schädel für die wissenschaftliche Benützung ver­loren waren; sie ergab aber selbstredend wesentlich bes­sere Resultate als die ursprüngliche Methode des Ausstopfens", wenn auch immer noch nicht eine richtige Vorstellung von dem Wesen des Tieres, das zur Darstel­lung gebracht werden sollte. Denn in der damaligen Zeit 'war es üblich, sämtliche Tiere in den Schausammlungcn der naturhistorischen Museen in der stereotypen Haltung des ruhig dastehenden Tieres in Reih und Glied eng uneben einander aufzustellen, ohne zugleich ihrer natürlichen Umgebung im Freien Rechnung zu tragen. Beispiele für

r

0 *

diese zweite Methode der Technik des Konservierens von ! .Säugetieren und Vögeln sind ebenfalls zahlreich im hiesigen Museum vorhanden.

Erst in den letzten fünfundzwanzig Jahren hat man mit diesem Brauch gebrochen und ist bestrebt, die Tiere nicht nur in verschiedenen, möglichst lebenswahren Stellungen, sondern auch gruppenweise in ihren biologischen Verhältnissen zur Dar­stellung zu bringen. Das hiesige Museum war eins der ersten Museen des Kontinents, das dieses Ziel erstrebt und die biologische Aufstellung zunächst in der Sammlung einheimischer Säugetiere und Vögel (Lokalsammlung) dank der künstlerischen Befähigung sei­nes Konservators Adam Koch dem Frankfurter Publikum vor Augen geführt hat. Seit jener Zeit ist man in allen naturhistorischen Museen bemüht, in den Schausammlun­gen allmählich diese biologische Aufstellung durchzuführen, und zugleich durch eine Vervollkommnung der Technik der Natur immer näher zu kommen. Die in der letzten Sonn­tagsnummer derKleinen Presse" beschriebene Methode des Mr. Clark vom amerikanischen Museum für Naturge­schichte in Newyork ist eine der vielen, das gleiche Ziel er­strebenden und mehr oder weniger gleichwertigen Methoden derTaridermie" oderDermo- p l a st i k" wie das neue Verfahren genannt wird, die z. Zt. an den verschiedenen Museen üblich sind.

Auch im hiesigen Museum werden seit langen Jahren zunächst Modelle der Tiere angefertigt, die, für die tSchausammlung ausgestellt werden sollen, und zwar Mo­delle aus Plastilin im Maßstab von etwa 1:10. Das Stu­dium des lebenden Tieres, zn dem der Besuch der zoolo­gischen Gärten unseren Konservatoren die beste Ge­legenheit gibt, die M o m c n t p h o t o g r a p h i c, insbe­sondere die photographische Aufnahme freilebender Tiere in der Wildnis, wie sic in den neueren zoologischen Werken, z. V. HeckLebende Bilder aus dem Reiche der Tiere". MarshallDie Tiere der Erde" u. a. enthalten sind, dieSw lb st a u f n ah m e n" wilder Tiere, die der Afrikaforschcr C. G. Schillings gelegentlich eines Vor­trages. auch einmal in Frankfurt vorgezeigt hat. und der­gleichen bilden die Grundlage, auf der sich die schönen Er­folge unserer Konservatoren ausbaucn.

Unter ständiger Benützung des kleinen Modells, daS bereits in der gleichen Stellung ausgeführt ist. in der das betreffende Tier in der Schausammlung aufgestellt wer­den soll, wird nunmehr der Körper des Tieres modelliert entsprechend den Maßen, die an der zuvor bearbeiteten und geschmeidig erhaltenen Haut desselben genommen worden sind. Um den für die vergleichend-anatomische Sammlung meist äußerst wertvollen Schädel des Tieres wissenschaftlicher Verwertung zu erhalten, wird aus Torf ein künstlicher vmtiirnrTW Kröne geschnitzt, er wird mit Zerasin

getränkt und glatt geraspelt; au Stelle der Extremitäteu- knochen werden der Stärke der Knochen entsprechende Eisen­drähte zugerichtet, und schließlich werden die übrigen Ske- lettcile und die oberflächliche Muskulatur, die als Grund­lage bei derDermoplastik" überall hervortreten müssen, künstlich ersetzt. Die hierbei üblichen Methoden sind in den verschiedenen Museen, wie gesagt, außerordentlich mannich- faltig; sie alle erstreben außer der vollendetstes Naturtreue das gemeinsame Ziel, das Gewicht des fertigem Präparates auf das größt,nögliche Minimum zu reduzieren. Treff­liche Beispiele dieser ruodernen Technik sind die große Drang - Itian - Gruppe, der Eisbär, das Gnu und viele andere in unserer Sammlung.

Leider sind die Präparationsräume in unserem alten Museum zu eng und unzureichend, als daß wir einem größeren Prchlikum einen Einblick in die interessante Me­thode der Herrichtung großer Säugetiergruppcn für die j Schausammlung und in die künstlerische Tätig- ' keit unserer K o n s c r-v at o r cn Adam Koch und; A n g u st Koch gewähren könnten. Nach Fertigstellung , unseres Neubaues an der Viktoria-Allee wird auch hierin ein Wandel geschaffen werden. In der zoologischen Abtei­lung unseres neuen Muse.ums beabsichtigen wir, der bio­logischen Schaustellung der deutschen Fauna besondere weite Räume anzuweisen; es ist ge­plant, die einheimischen Säugetiere, !vie Not- und Schwarz­wild, Fuchs, Dachs, Eichhorn, Marder u. s. w. sowie die größeren einheimischen Bügel in ihrer natürlichen Umgeb­ung zu gruppieren und diese biologischen Gruppen in be­sonders gebauten Kojen zur Schau zu bringen, deren bau­liches System dem bei Dioramen, Aquarien usw. schon seit langer Zeit üblichen ähnelt. Auch soll durch Dar­stellung derselben Tiere im Sommer- und iin Winterkleid zur Anschauung gebracht werden, wie Dichte und Färbung der Behaarung u. dergl. mit den Jahreszeiten wechseln. Die beigegebeuc Textabbildung aus unserem dem­nächst erscheinendenB e r i ch t e" veranschaulicht die ge­plante Art der Aufstellung besser als jede Beschreibung.

So sind wir bestrebt, mit den Fortschritten der Tech­nik gleichen Schritt zu halten und selbst bahnbrechend vorzugehcu, und deshalb dürfen wir hoffen, mit der Eröff­nung unseres neuen Museums im Frühjahr 1907 der Frankfurter Bürgerschaft eine Schausammlung vorführen zu können, die den Vergleich mit den Schausamrnlungen der übrigen großen Museen nickst zu scheuen braucht.

Die Direktion

der Senckcnbergischen naturforschenden Gesellschaft . u. i. d. N.

Dr. August Knoblauch, erster Direktor,

Ei» Wunder der Natur.

Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht der auch i Frankfurt a. M. persönlich bekannte Afrikareisenk und Zoologe C. G. Schillings imBerl. Lok.-Anz, einen Artikel überraschenden Anhalts, dem folgende entnommen sei: Erst seit wenigen Tagen ist es eine: großen Kreise von Hippologen, Gelehrten und breitere Schichten des Publikums bekannt geworden, daß ein i stiller, bescheidener Zurückgezogenheit im Norden Berlin

seines Besitzers williger und freudiger arbeitet als b dritten Personen- er verhält sich darin vollkommen w Kinder, die . durch fremde Examinatoren geprüft werd sollen. Ich bin mir wohl bewußt, daß jeder, der d Leistungen des Hengstes nicht selbst gesehen hat, zunäcl an das leider heutigentags allzu geläufige Wc Schwindel", dann aber an einen Irrtum seitens d Zuschauer denkt. Und das hat feine guten Gründe. Midi spricht es doch allen bisher feststehenden Ansichten üb die geistigen Leistungsfähigkeiten und den Verstand ein Tieres und eines Merdes im ganz besonderen. Wie schon an anderer Stelle ausführte, würde man dies Leistungen bei einem anthropoiden Affen weniger skepti gegenüberstehen. Aber mit Unrecht. Denn der Hen beweist uns deutlich, welch' große Summen, ich möc sagen dürfen,latenten Verstandes" in einem Pferd v borgen liegen, um unter der formenden Hand eines küi lyrischen und genialen Pädagogen denn ein kür lerischer und genialer Mann ist der ehrwürdige H- v.). zu einer Höhe der Ausbildung und Leistung langen zu können, die eben scheinbar keine Grenzen ker Hierzu bemerkt die Redaktion desBerl. Lok.-An, Tie im vorstehenden Artikel mitgeteilten Tatsaö klingen beinahe wie ein Märchen oder erscheinen zunä unglaubwürdig schon in Rücksicht aus den Umstand, i es in früheren Jahren öfters gelungen ist, Tieren gew mechanische Bewegungen einzustudieren, die sie dann geheime Zeichen ihrer Dresseure in einer Weise a führten, daß sie die menschliche Sprache zu verstehen logisch zu denken schienen. In allen solchen Fällen wr .schließlich entdeckt, mit welchen Mitteln der kluge T seur die staunenden Zuschauer über das Geheimnis se Vorführungen hinweggetäuscht hatte. Im vorlieger Falle.aber übernimmt nicht allein der Herr Berfa der bekannte Zoologe C. G. Schillings, wohl einer besten Kenner der Tierpsyche, volle Gewähr dafür, dern auch andere Autoritäten auf dem Gebiete tieris Geisteslebens, so der bewährte Direktor unseres Zoo! scheu Gartens, Dr. L. Heck, haben den in Abweser des Erziehers des Tieres vorgenommenen Versu wiederholt beigewohnt und lehnen jede Mögl keiteinerTäuschungab. Danach ist die A' des Herrn von Osten in der Tat geeignet, unsere, gesi Auffassung über das Zustandekommen der Geistestäti 'bei allen Lebewesen neue Wege zu weisen. Wie hören, haben diese Versuche auch schon das Inte unserer maßgebenden amtlichen Stellen auf sich ael worüber wir demnächst weiteres werdeu berschten

wr

mg

>ode

«I/Ultti f WXin WOipü. Ans««, tuosftü .Mfc

Gi»te Wildgruppe im Frankfurter Teuckeuberaisckw u naturhistorischeu Museum»

Hl Direktor Dr. L. Heck vom Zoologischen

inrke vor nz." gebi i Afrikar stößtes A rreichten ( >s des in uns heut seine des

sthematike istHans wessiert) lstaben), arben, I uchlicher : schön, rni, kalt, n Jena Ich bi gt und u. Mir iher oft und Hw rüg höh Mor in Berlii berNi Je Gcleh

- - . Garte!

interessanten Versuche werden fortgesetzt und zwecken Prüfung der Sache durch wissenschaftliche. Kommission in langer Arbeit. Ich habe die Sache in die