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. — Geheimer Medizinalrat Professor Karl Weigert, Lehrer am pathologisch-anatomischen Institut der Sencken- bergischen Stiftung, ist Freitag früh plötzlich v e r st o r - b e n- Eine Herzlähmung hat seinem tatenreichen Leben ein plötzliches Ende bereitet. An seiner Bahre trauert die ganze wissenschaftliche Welt und mit ihr die Stadt Frankfurt a. M., zu deren größten Söhnen Weigert sich wohl mit Recht zählen konnte; denn nahezu zwanzig Jahre lebte er hier als Direktor des Dr. Senckenbergischen pathologisch-anatomischen Instituts und' /entfaltete hier seine erfolgreiche wissenschaftliche Tätigkeit. Frankfurt hat in ihm einen seiner bedeutendsten medizinischen Gelehrten verloren. Bor allem werden den Dahin- gegangenen seine Freunde vermissen, deren er eine nicht gelinge Zahl zählte. Denn durch seinen biederen Charakter, seine stete Hülssbereitschaft, mit der er jedem mit Rat und Tcn zur Seite stand, wußte er sich überall Achtung und Liebe zu verschaffen. Den Frankfurter Aerzten war er ein treuer Freund und Kollege. So hat sein Tod in weiten Kreisen eine gewaltige Lücke gerissen. Weigert war geboren! am 19. März 1845 zu Münsterberg in Schlesien. Er absolvierte seine medizinischen Studien in Breslau, Wien und Berlin, nahm dann die Stelle eines Assistenzarztes an der inneren Klinik des Allerheiligenhospitales in Breslau an und habilitierte sich bald darauf als Privatdozent !der pathologischen Anatomie. Er war zuerst Assistent bei 'Waldeher, dann bei Liebert und später bei Professor Dr. Eohnheim. Diesen bewährten Gelehrten begleitete er auch 1679 nach dessen Berufung nach Leipzig, wo er bald darauf zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. 1885 wurde er dann nach Frankfurt berufen als Lehrer der.pa-' thologischen Anatomie und Prosektor am Senckenbergischen Bürgerhospital und der städtischen Krankenhäuser. Karl Weigert war einer der bedeutendsten Histologen, und seine Arbeiten über Nervenanatomie wiesen den Medizinern neue Bahnen; ebenso große Erfolge hatte er sich ur. die Bak- terienkunde erworben. Aus allen Ländern Europas und aus Amerika strömten Mediziner herbei, um seine Methode der mikroskopischen Technik zu studieren und von ihm Belehrung und weitere Ausbildung zu erfahren. Als Resultate seiner eifrigen Arbeit erschienen: „Zur Anatomie der Pocken" (1875), „Erste Färbung von Bakterienhaufen" (1876), „Färbung der Bakterien mit Anilinfarben" (1875), „Markscheidenfärbung des Zentralnervensystems" (1882—85), „Fibrinfärbung" (1886), „Neuroglia" (1890), „Beiträge zur Kenntnis der normalen menschlichen Neuroglia" (1895), „Elastische Fasern" (1898), „Neue Auf- sassung der Zellenwucherung auf äußere Reize" (1873—96), „Entdeckung der Venentuberkulose und ihre Beziehung zur akuten Miliartuberkulose". Seine Arbeiten fanden auch die verdiente Anerkennung. Hohe schwedische, dänische und deutsche Orden wurden ihm verliehen. Im Jahre 1899 wurde Weigert zum Ehrenmitglied des Instituts für experimentelle Therapie und zum Geheimen Medizinalrat ernannt. Karl Weigert blieb aber stets der bescheidene, liebenswürdige Mensch, auf den wohl mit Recht das Wort von Frankfurts größtem Sohne paßt: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!" Die Administration der Dr. Senckenbergischen Stiftung ehrt die Verdienste des Verstorbenen durch folgenden Nachruf: „Seit 1885 an unserem Institute tätig, hat er dasselbe nicht nur zu großer Blüte und großem Ansehen gebracht, sondern auch mit seinem hervorragenden Geiste befruchtend alle wissenschaftlichen Bestrebungen in Frankfurt a. M. auf das Wirksamste beeinflußt. Ebenso wie sein Name in der gesamten wissenschaftlichen Welt unsterblich sein wird, so wird auch sein Andenken als einer der hervorragendsten Lehrer an unserem Institute auf ewig in dankbarstem Gedächtnis bewahrt werden."
t= Frankfurt, 8. August. - = Weigerts Beerdigung. Heute Morgen erfolgte auf dem israelitischen Friedhof die Beerdigung von Karl Weigert. Sehr stark war die Aerzteschast und die Gelehrtenwelt vertreten. Bei dem Trauerakt in der Halle feierte Rabbiner Dr. Seligmann den Verstorbenen als einen Helden der Wissenschaft und als eine hervorragende Persönlichkeit in der menschlichen Gesellschaft. Weigert hat mit seiner ganzen Lebensarbeit der deutschen Wissenschaft gedient, feine Wirksamkeit war ein Ruhm für die Wissenschaft im In- und Ausland. Was das Königreich Sachsen dem großen Gelehrten schuldig geblieben ist, das hat unsere Vaterstadt Frankfurt gutgemacht, als sie ihn zum Direktor des pathologisch-anatomischen Instituts der Dr. Senckenbergischen Stiftung berief. Hier konnte er seine Kräfte frei entfalten und als Lehrer für eine ganze Generation von Aerzten wirken. Als Mensch war er so schlicht wie groß, so einfach wie verdienstvoll. Bürgermeister Dr. Vgrrentrapp hielt eine kurze Ansprache: „Namens der Stadt Frankfurt und der städtischen Behörden lege ich an der Bahre einen Kranz nieder als ein Zeichen der Verehrung und Dankbarkeit für den großen genialen Gelehrten, den wir mft Stolz den unfein nennen. Ich danke an dieser Stelle nicht nur für das, was Geheimrat Weigert direkt für die städtischen Verwaltungen geleistet hat, indem er die wissenschaftlichen Ergebnisse der Leichenöffnungen im städt. Krankenhaus unseren Aerzten übermittelte. Ich danke vor allen Dingen dafür, daß er das geistige, das wissenschaftliche Leben unserer Stadt so außerordentlich gefördert und * gehoben hat durch seine Forschungen, seine Lehren und seine Persönlichkeit, die die Augen der gesamten wissenschaftlichen medizinischen Welt auf unsere Stadt lenkten und hunderte von Männern um seinen Lehrstuhl versammelten. Auch dafür danke ich ,daß er mit regem Eifer teilgenommen hat an den Vorarbeiten für die Neugestaltung unserer medizinischen wissenschaftlichen Anstalt. Tief beklagen wir es, ■ daß er, der berufen war, eine der ersten Zierden der Akademie zu bilden, die Eröffnung dieser Anstalt nicht miterleben konnte. Möge sein Geist strenger Forschung fortleben l" Geh. Medizinalrat Professor Schmidt - Metzler sprach im Namen des Senckenbergischen I n st i t u t s. Er hob den gewaltigen Einfluß der Wirksamkeit Weigerts auf die wissenschaftliche Tätigkeit in Frankfurt hervor. Weigert war der rechte Mann am rechten Platz! Für den ärztlichen Verein legte Sanitätsrat Dr. E. Cohn einen Kranz nieder. Er entwarf in gedrängten Zügen ein Bild der wissenschaftlichen Tätigkeit des Verstorbenen. Nach medizinischen Studien in Breslau, Berlin, Wien begann seine Astistentenlaufbahn bei den Klinikern Graetzer und Leber und den pathologischen Anatomen Waldeher und Cohnheim. Dazwischen fällt feine Anteilnahme am Feldzug 1870/71 als Arzt. Mit Cohnheim ging er als Assistent nach Leipzig. Als dieser starb, versagte ihm die medizinische Fakultät Leipzig die Berufung als Ordinarius aus konfessionellen Gründen, obwohl er durch die Bedeutung seiner Forschungen und den Umfang seiner Arbeiten hinter keinem zurückzustehen brauchte. Da kam in seiner Bedrängnis, als er schon entschlossen war, sich als Badearzt inSchlesien niederzulassen, dieBerufung an das anatomisch-pathologische Institut der Dr. Senckenbergischen Stiftung. Die wissenschaftlichen Arbeiten Weigerts sind nach zwei Richtungen ausgeprägt: der philosophischen, auf breiter biologischer Grundlage aufgebauten, und der mikroskopisch-technischen, insbesondere der Färbetechnik verschiedener Gewebe. Der Niedergang der naturphilosophischen Schule hatte in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts nur das Zusammentragen von Material bewirkt und eine ängstliche Scheu vor jeder Hypothese hervorgerufen. Reformatorisch ging Weigert vor. Für ihn ist die Cinzel- beobachtung der „Leitfaden des Papierdrachens, den man über die Niagarafälle steigen ließ zum jenseitigen Ufer, an besten Bindfaden Taue un3 Drahtseile später hinübergezogen wurden bis zum Bau der Hängebrücke." Mit Zuversicht und Beharrlichkeit hat Weigert von Beginn ^ feiner Tätigkeit an sich die mikroskopische Färbetechnik gewählt, in der er der Lehrmeister für alle ähnlichen Bestrebungen geworden ist und das Rüstzeug für alle geschaffen hat. Die bahnbrechenden Forschungen Kochs über Tuberkelbazillen und Ehrlichs über Immunkörper sind nur durch die Wei- gertschen Forschungen ermöglicht. Durch sein Neuroglia- Werk ist er der Schöpfer der modernen Neurologie geworden, nach vierzehnjähriger harter Arbeit. Die Wissenschaft wird Weigert unter den großen Anatomen den gleichen Platz mit Hähnle und Cohnheim zuweisen. Der Redner rühmte endlich Weigerts Wirken im ärztlichen Verein. Weigert war der liebenswürdigste, hilfreichste rmd mildeste aller Kollegen. Sein weiches Kindergemut bewahrte er sich bis zum letzten Atemzug. „Die Menschen wandeln im Schattenreich in der Gestalt, mit der stdas Leben verließen," so gilt Achill als der ewig - jugendlich Strebende, so wird auch das Bild Weigert in seiner besten Schaffenskraft erhalten bleiben. Geh. Medizinalrat Dir - tor Ehrlich legte für das Seruminstitut, Direktor Wärter für den deutschen Realschulmännerverein emen Krmrz nieder. Kränze spendeten ferner der Pliyslkalrsche ' die Aerzte des Dr. Christsch.n Kindersprtals»ns städtischen Krankenhanses, sowie der Rieiengebrrg->__.
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